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Slalom Neureuther in Kitzbühel auf den Spuren des Vaters

24.01.2010 ·  31 Jahre nach Christian Neureuther gewinnt Filius Felix den Slalom von Kitzbühel. Endlich! Es ist der erste Weltcupsieg des 25 Jahre alten Partenkircheners. Aus dem Mann, der ewig wartet, ist nun ein Medaillenkadidat für Vancouver geworden.

Von Michael Eder, Kitzbühel
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Felix Neureuther hat sich am Sonntag beim traditionsreichen Slalom in Kitzbühel einen ewig lange gehegten Traum erfüllt. Zum ersten Mal in seiner Karriere gewann er einen Weltcup-Slalom. Rund drei Wochen vor Beginn der Olympischen Winterspiele in Vancouver ist der Partenkirchener bei seinem Sieg über die versammelte Weltelite so eindrucksvoll in Schwung gekommen, wie dies vor zwei Wochen niemand für möglich gehalten hätte.

Neureuther zeigte auf der traditionsreichen Ganslern-Piste zwei ausgeglichen starke Läufe, in denen er jeweils die drittbeste Zeit erzielte. Als er den zweiten Lauf nach unten gebracht und die Führung übernommen hatte, standen noch zwei Konkurrenten oben im Starthaus. Beide scheiterten an ihren Nerven. Erst schied der Italiener Manfred Mölgg aus, und dann verspielte auch der österreichische Favorit Reinfried Herbst durch einen Torfehler seinen Vorsprung von 0,6 Sekunden, den er im ersten Durchgang herausgefahren hatte. Neureuther (1:37,35) gewann mit 0,39 Sekunden Vorsprung vor dem Franzosen Julien Lizeroux, weitere 0,6 Sekunden lag er vor dem Italiener Giuliano Razzoli.

Felix Neureuther genoss seinen Sieg, aber er feierte ihn zunächst nicht ausgelassen. Er hätte seinen Freund Herbst gern im direkten Duell geschlagen, sagte er, er tue ihm leid, aber natürlich sei er „trotzdem überglücklich“. Einen noch glücklicheren Eindruck machte freilich sein Vater Christian, der auf demselben Hang 1979 gewonnen hatte. Der Papa verdrückte ein paar Freudentränen und hatte sogleich einen praktischen Vorschlag für die Kitzbüheler Bergbahnen, die jedem Hahnenkamm-Sieger eine Gondel samt Aufkleber widmen. „Jetzt sparen sie einen Nachnamen“, sagte der stolze Vater. „Jetzt können sie einfach 'Christian und Felix‘ draufschreiben.“

Felix Neureuther, der in dieser Saison im Weltcup bislang nicht über den neunten Rang hinausgekommen war, hatte bis vor zwei Wochen die schwerste Saison seiner Karriere hinter sich. Nichts wollte gelingen, nicht einmal die Olympia-Qualifikation. Dann, als gar nichts mehr zu funktionieren schien, kam die Wende. Mit Platz elf in Adelboden erzitterte sich Neureuther die Qualifikation für Vancouver, und seither ist er auf Kurs.

Schwung aus Westendorf

Die Verkrampfung, die ihn im Slalomwald zuvor fast verzweifeln ließ, löste sich, und Neureuther freute sich plötzlich darauf, „endlich wieder normal Ski fahren“ zu können. „Jetzt kann ich bei den nächsten Rennen einfach mal Gas geben“, sagte der 25 Jahre alte Partenkirchener und kündigte „viele kleine Schritte“ an, „um in Vancouver top zu sein“.

Gesagt, getan: Den ersten Schritt machte Neureuther am vergangenen Donnerstag, als er in Westendorf überraschend den Vorbereitungs-Slalom für Kitzbühel gewann. Das war zwar nur ein Fis-Rennen, aber dennoch hervorragend besetzt. Neureuther siegte vor dem Kanadier Michael Janyk und demonstrierte anschließend nach Monaten des Zweifels ungewohntes Selbstvertrauen: „Das gibt einen Schub. Ich habe gesehen, wie es ausgehen kann, wenn ich voll am Limit fahre.“

Mit einem Sieg nämlich, und mit diesem Hochgefühl ist er anschließend nach Kitzbühel gefahren, wo er schon im ersten Lauf zwar nicht ganz am Limit, aber doch weitgehend fehlerfrei unterwegs war und auf Rang drei fuhr. Sein Rückstand auf Herbst war mit 0,6 Sekunden zwar beträchtlich, aber Ausfälle sind im Slalom nichts Ungewöhnliches. Schon im vergangenen Jahr hatte Herbst in Kitzbühel eine Halbzeitführung nicht ins Ziel retten können. Und auch diesmal scheiterte der österreichische Slalomheld vor großem Publikum beim Versuch, mit einem Sicherheitslauf zum Sieg zu kommen.

Er war der Mann, der ewig wartet

Ganz anders Neureuther: „Ich hatte vom ersten Tor weg ein gutes Gefühl“, sagte er. „Es hat alles funktioniert, ich bin nie in Schwierigkeiten gekommen.“ Später, als der innere Abstand zu seinem unerwarteten Erfolg ein bisschen größer geworden war, gab Neureuther einen kleinen Einblick in sein Seelenleben. „Ich habe extrem lange um diesen ersten Sieg gekämpft“, sagte er. „Ich habe ihn so lange herbeigesehnt.“

Jahrelang dauerte die Sehnsucht, und zwischendurch war der Druck fast unerträglich geworden. Felix Neureuther hatte den Spott gespürt. Er war der Mann, der ewig auf seinen ersten Sieg wartet, der immer wieder gefragt wird, wann es denn soweit sei, und der von Monat zu Monat, von Jahr zu Jahr immer weniger eine Antwort darauf wusste. „In Deutschland“, sagte er nach seinem Kitzbüheler Triumph, „bist du entweder der Depp oder der König.“ Nun spielten sie am Hahnenkamm die deutsche Hymne für ihn. Er war der König. So lange kann das dauern. Und so schnell kann das gehen.

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Jahrgang 1957, Sportredakteur.

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