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Slalom in Kitzbühel : Neureuther hält dem Druck Stand

Durchblick im Stangenwald: „Wer zu den Großen gehören möchte, muss Kitzbühel gewinnen“ Bild: dpa

Felix Neureuther muss sich beim Slalom-Klassiker in Kitzbühel nur dem Österreicher Marcel Hirscher geschlagen geben. Beide sind nun die großen Favoriten für die WM in Schladming.

          Es war zuallererst der Tag des Marcel Hirscher. Wieder einmal, sollte man angesichts der Erfolgsserie des überragenden Athleten im Ski-Weltcup besser sagen. Der Slalom-Sieg am Sonntag war aber selbst für den Spitzenreiter im Gesamtweltcup ein ganz besonderer: Es war sein erster Erfolg bei den Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel, und das in seinem hundertsten Weltcup-Rennen. Tausende österreichischer Fans feierten Hirschers souveränen Triumph. „Wer zu den Großen gehören will, muss einmal in Kitzbühel gewonnen haben“, sagte Hirscher. „Meine Freude darüber ist riesengroß.“

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Es war aber auch der Tag, an dem Felix Neureuther seine Rolle als größter Herausforderer bestätigte. Nach seinem Slalom-Sieg in Wengen fuhr der Partenkirchner diesmal auf Rang zwei, vor dem kroatischen Kombinationssieger Ivica Kostelic. Fritz Dopfer kam als zweitbester Deutscher auf Rang sieben. Im ersten Lauf war Neureuther nach eigener Einschätzung noch „so lala“ unterwegs gewesen, was immerhin für Rang sieben gereicht hatte. Mit neuem Ski schaffte er danach in Durchgang zwei die drittbeste Laufzeit. „Ich habe nicht die Aggressivität, den unbedingten Siegeswillen gezeigt wie in Wengen“, sagte Neureuther. „Ich bin den zweiten Durchgang taktisch sehr klug angegangen. Aber es geht noch schneller, das hat mir der Marcel gezeigt.“

          Und so war es ein Tag, der einen Vorgeschmack bot auf das Duell, das bei der WM in Schladming (5. bis 17. Februar) zu erwarten ist. Hirscher und Neureuther, das sind die derzeit besten Slalomfahrer im Weltcup, und deshalb gelten sie als aussichtsreichste Anwärter auf Slalom-Gold in Schladming. Neureuther weiß: „Es sind schon auch andere noch sehr gut unterwegs.“ Doch auch für ihn ist Hirscher „der Mann, den es zu schlagen gilt“.

          Gemeinsames Training

          Die beiden Kurvenkünstler kennen sich gut und verstehen sich gut, sie trainieren oft miteinander, „der Respekt zwischen uns ist sehr groß“, sagt Neureuther. „Da wird mit Sicherheit kein Zickenkrieg entstehen.“ Für den Kitzbühel-Sieger 2010 war Platz zwei am Ganslernhang auch „eine gute Generalprobe für Schladming, weil ich gesehen habe, dass ich dem Druck sehr gut standhalten kann“ - dem Druck und der Erwartungshaltung, die Neureuther durch seine herausragenden Ergebnisse in dieser Saison selbst geschaffen hat.

          Großereignisse wie WM oder Olympia verliefen für ihn bisher zumeist ernüchternd, diesmal aber, sagt Neureuther, sei vieles anders. „Ich habe während dieser Saison gemerkt, es steht ein anderer Felix auf dem Ski“ - ein gereifter, ein mit viel Cleverness, Sicherheit und Stabilität fahrender Felix. „Ich kann die Rennen zurzeit richtig genießen, ich habe nie die Lockerheit verloren“, sagt Neureuther. „Das hat mich bisher ausgezeichnet, und so gehe ich auch in die WM rein.“

          Auf Kampflinie in Kitzbühel: Felix Neureuther
          Auf Kampflinie in Kitzbühel: Felix Neureuther : Bild: AP

          Der 28 Jahre alte Skirennfahrer hat seine Lehren gezogen, nicht zuletzt aus der schiefgelaufenen Heim-WM 2011 in Garmisch-Partenkirchen, als er im zweiten Durchgang ausschied. „Es ist sehr schade, dass ich von dort so wenige positive Erinnerungen mitnehmen konnte“, sagt Neureuther - nicht nur sportlich gesehen, sondern auch atmosphärisch.

          „Ich habe mich nach Niederlagen immer wieder zurückgekämpft“, sagt Neureuther, „das prägt einen als Sportler und Mensch.“ So wirkt es nun, als könne er die Titelkämpfe in Schladming, die Heim-WM seines großen Rivalen Marcel Hirscher, kaum noch erwarten. „Die Vorfreude“, sagt Felix Neureuther, „kommt von Herzen.“

          Ergebnisse Ski alpin

          Herren, Slalom in Kitzbühel
          1. Marcel Hirscher (Österreich) 1:44,34 Min. (50,83/53,51 Sek.); 2. Felix Neureuther (Partenkirchen) 1:45,11 (51,21/53,90); 3. Ivica Kostelic (Kroatien) 1:45,27 (51,26/54,01); 4. Giuliano Razzoli (Italien) 1:45,35 (50,72/54,63); 5. Benjamin Raich (Österreich) 1:45,63 (52,02/53,61); 6. Patrick Thaler (Italien) 1:45,76 (51,03/54,73); 7. Fritz Dopfer (Garmisch) 1:45,80 (51,22/54,58); 8. André Myhrer (Schweden) 1:45,91 (51,60/54,31); ...33. Stefan Luitz (Bolsterlang) 52,81.

          Slalom-Weltcup, Stand nach 8 von 11 Wettbewerben
          1. Marcel Hirscher (Österreich) 700 Pkt.; 2. Felix Neureuther (Partenkirchen) 566; 3. André Myhrer (Schweden) 362; 4. Ivica Kostelic (Kroatien) 315; 5. Manfred Mölgg (Italien) 265; 6. Alexis Pinturault (Frankreich) 264; 7. Fritz Dopfer (Garmisch) 222; 8. Mario Matt (Österreich) 209.

          Herren, Kombination in Kitzbühel
          1. Ivica Kostelic (Kroatien) 3:45,80 (Abfahrt 2:00,53/Slalom 1:45,27) Min.; 2. Alexis Pinturault (Frankreich) 3:47,06 (2:00,79/1:46,27); 3. Thomas Mermillod Blondin (Frankreich) 3:48,36 (2:01,13/1:47,23); 4. Romed Baumann (Österreich) 3:51,33 (1:59,01/1:52,32); 5. Aksel Lund Svindal (Norwegen) 3:51,55 (1:58,72/1:52,83); 6. Kjetil Jansrud (Norwegen) 3:51,63 (1:58,45/1:53,18); 7. Matthias Mayer (Österreich) 3:54,34 (1:59,21/1:55,13); 8. Andreas Romar (Finnland) 3:54,74 (2:00,68/1:54,06).

          Quelle: dpa

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