Home
http://www.faz.net/-gtl-76z1d
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 16.02.2013, 15:45 Uhr

Slalom der Damen Gewagt und verloren

Maria Höfl-Riesch scheidet im zweiten Slalom-Durchgang aus und verpasst so ihre vierte Medaille bei der alpinen Ski-WM. Gold gewinnt die Amerikanerin Mikaela Shiffrin vor der Österreicherin Michaela Kirchgasser.

© AFP Der entscheidende Fehler: Eingefädelt kurz vor Schluss

Wütend boxte Maria Höfl-Riesch nach der verpassten Slalom-Medaille in die Werbebande. Wenige Meter vor dem Ziel fädelte die 28-Jährige ein und verpasste nach einer guten Zwischenzeit die in Reichweite liegende vierte Medaille dieser Ski-Weltmeisterschaften in Schladming. „Es ist bitter, so kurz vor dem Ziel auszuscheiden. Sicher wäre eine Medaille möglich gewesen. Es hat nicht sollen sein, trotzdem war es eine Super-WM für mich“, sagte sie nach dem enttäuschenden Ende einer starken WM in Österreich.

Neue Weltmeisterin wurde die erst 17 Jahre alte Amerikanerin Mikaela Shiffrin, die die beiden Läufe in 1:39,85 Sekunden absolvierte und damit Lokalmatadorin Michaela Kirchgasser um 22 Hundertselsekunden distanzierte. Bronze sicherte sich die nach dem ersten Durchgang noch in Führung liegende Schwedin Frida Hansdotter (+0,26). Geschlagene Vierte wurde Tanja Poutiainen aus Finnland vor dem slowenischen Ski-Star Tina Maze, die damit nach Gold im Super-G sowie Silber in Super-Kombination und Riesenslalom ebenfalls ihre vierte WM-Medaille verpasste.

First placed Mikaela Shiffrin of the U.S. smells her bouquet of flowers on the podium during the flower ceremony of the women's Slalom race at the World Alpine Skiing Championships in Schladming Der Duft des Erfolgs: Weltmeisterin Mikaela Shiffrin bei der Flower-Ceremony © REUTERS Bilderstrecke 

Mikaela Shiffrin konnte ihr Glück kaum fassen. Als Frida Hansdotter im Ziel mit Verspätung abgeschwungen hatte, starrte die junge Amerikanerin auf die Tribüne. Dort jubelten ihre Eltern, die die Tränen nicht zurückhalten konnten. „Ich weiß nicht, ob ich das jemals realisieren werde“, sagte Shiffrin. „Ich habe keine Ahnung, was die Goldene für die Zukunft bedeutet.“ Michaela Kirchgasser, die in der Super-Kombination noch den undankbaren vierten Platz erreicht hatte, wurde nach ihrer Fahrt von einem rot-weiß-rotem Fahnenmeer frenetisch gefeiert. „Ich bin so froh“, sagte sie, und konnte die Tränen nur mühsam zurückhalten. Mitgefühl zeigte sie für die Viertplatzierte Tanja Poutiainen: „Ich weiß aus eigener Haut, dass Vierter blöd ist.“

„Vierte will man nicht werden“

Wie in der Super-Kombination nach der Abfahrt lag Höfl-Riesch bei ihrem letzten WM-Auftritt vor dem entscheidenden Slalom zwei Zehntelsekunden hinter der Spitze. „Vierte will man nicht werden, und es ist alles eng beieinander da vorne. Aber es ist mir so lieber, als ganz vorne zu sein. Es gibt im zweiten Durchgang eh nur volles Risiko“, beschrieb sie ihre Herangehensweise für den zweiten Durchgang.

Mehr zum Thema

Acht Tage zuvor hatte sie den Rückstand aufgeholt und sich mit Gold ihre erste Medaille in Schladming gesichert - am Samstag beendete sie ihre erfolgreiche Reise nach Österreich desillusioniert neben der Piste. Bei ihrer letzten Zwischenzeit lag sie 0,09 Sekunden hinter der Spitze, fädelte dann aber ein und schied aus. Für Höfl-Riesch ist die WM-Bilanz trotzdem sehr gut, Lena Dürr dagegen wird die Titelkämpfe wohl nur wegen der Bronzemedaille im Teamwettbewerb nicht komplett aus ihrer Erinnerung streichen wollen. Die 21-Jährige aus Germering kam im Slalom zu einem 21. Rang und verschlechterte sich im Vergleich zu ihrer Plazierung nach dem ersten Lauf (17.) noch ein wenig.

Christina Geiger schied bei ihrem einzigen WM-Auftritt schon nach rund 30 Sekunden aus: „Es gibt Schlimmeres“, sagte sie, fügte aber an: „Man hat sich jetzt so lang auf die WM vorbereitet. Wenn es dann so schnell wieder vorbei ist, das ist natürlich enttäuschend.“ Auch wenn es für die erfolgreiche Titelverteidigung nicht reichte, genoss Marlies Schild (Österreich) ihren Auftritt vor heimischen Publikum trotzdem. Nur 58 Tage nach ihrem Innenbandriss im Knie feierte die Weltmeisterin von Garmisch in Schladming ihr Renn-Comeback.

Alpine Ski-WM

Damen, Slalom:
Gold: Mikaela Shiffrin (USA) 1:39,85 Min. (50,59/49,26 Sek.);
Silber: Michaela Kirchgasser (Österreich) 1:40,07 (50,96/49,11);
Bronze: Frida Hansdotter (Schweden) 1:40,11 (50,41/49,70);
4. Tanja Poutiainen (Finnland) 1:40,46 (50,58/49,88); 5. Tina Maze (Slowenien) 1:40,61 (50,88/49,73); 6. Maria Pietilä-Holmner (Schweden) 1:40,91 (51,92/48,99); 7. Veronika Velez Zuzulova (Slowakei) 1:41,18 (51,21/49,97); 8. Sarka Zahrobska (Tschechien) 1:41,22 (51,87/49,35).
...21. Lena Dürr (Germering) 1:42,92 (52,42/50,50); Maria Höfl-Riesch (Partenkirchen) ausgeschieden (50,61/ - ); Christina Geiger (Oberstdorf) ausgeschieden.

Mikaela Shiffrin (17 Jahre alt)
1 x Weltmeisterin: Slalom 2013
drei Weltcup-Siege

Quelle: FAZ.NET/dpa

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Ski-Slalom in Schladming Neureuther fädelt ein und verpasst den Sieg

Beim Weltcup-Slalom in Schladming fährt Skirennfahrer Felix Neureuther mit neuen Schuhen scheinbar dem Sieg entgegen – und scheidet dann kurz vor der Ziellinie aus. Mehr

26.01.2016, 22:11 Uhr | Sport
Flüchtlingskrise Österreich beschließt Asyl-Obergrenze

In diesem Jahr will das Land nur noch rund 37.000 Hilfesuchende aufnehmen und bis 2019 insgesamt rund 127.000, sagte Bundeskanzler Werner Faymann nach einem Treffen mit den Bundesländern in Wien. Mehr

20.01.2016, 17:03 Uhr | Politik
Skifahrer Stehle Das ist echt Wahnsinn

Mit Startnummer 39 ins Rennen gegangen, fährt Dominik Stehle beim Nachtslalom in Schladming im zweiten Durchgang von Rang 21 mit zweitbester Laufzeit auf Rang vier - und kann es selbst kaum fassen. Mehr

27.01.2016, 08:35 Uhr | Sport
Flüchtlingskrise Mazedonien öffnet Grenze für ausgewählte Flüchtlinge

Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und dem Irak, die in Deutschland oder Österreich Asyl beantragen wollen, durften weiterreisen. Mehr

21.01.2016, 19:57 Uhr | Politik
Slalom in Kitzbühel Dopfer vergibt seinen Vorsprung

Der dritte Platz beim Weltcup-Slalom schmerzt Fritz Dopfer überhaupt nicht. Am Ganslernhang feiert er seinen neunten Podiumsplatz. Felix Neureuther landete auf Rang sieben. Mehr Von Achim Dreis, Kitzbühel

24.01.2016, 16:24 Uhr | Sport

Der süße Schmerz des gehaltenen Balles

Von Christian Eichler

In München traf Handball-Held Andreas Wolff seinen Schlussmannkollegen vom Fußball. Manuel Neuer wirkt imposant im Fußballtor. Wolff aber ist fünf Zentimeter größer und 13 Kilo massiver. Mehr 3 18