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Skisprung-Kommentar Das Misstrauen springt mit

Skispringen ist unberechenbar geworden. Sogar für die Athleten. Auch bei ihnen hat sich Misstrauen eingenistet. Der Vorwurf einer „tobenden Materialschlacht“ kommt zur rechten Zeit, um Veränderungen anzustoßen.

© dpa Vergrößern Wer arbeitet hier mit welchen Tricks?

Der ewige Traum vom Fliegen. Es gibt wenige Momente, in denen ihm der Mensch so nahe kommt wie beim Skispringen. Deswegen ist der finanzielle Aufwand, der betrieben wird, um das wenige Sekunden dauernde Gefühl der Schwerelosigkeit zu erleben und zu beobachten, immens. Wintersport ist immer auch Materialsport gewesen.

Das weiß Werner Schuster. Doch dass dem mit Humor gesegneten Bundestrainer bei dieser Vierschanzentournee mehr als einmal das Lachen verging, als er mit offenen Augen durch das Athletenlager schritt, ist nachvollziehbar: Skispringen ist unberechenbar geworden. Sogar für die Athleten. In ihrem Kreis hat sich Misstrauen eingenistet.

War der andere vielleicht gar nicht besser trainiert, mutiger beim Absprung oder vom Wind begünstigt am Schanzentisch, sondern einfach nur besser ausgestattet? Schusters Vorwurf von einer „tobenden Materialschlacht“ zielte in diese Richtung. Und sie kam zum richtigen Zeitpunkt, um Veränderungen anzustoßen.

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Bisher kannte man den Eindruck, das Sportgerät sei bisweilen wichtiger als der Mensch, eher aus der Formel1 oder von den Schwimmern, als diese in ihren Hightechanzügen eine Flut an Weltrekorden produzierten. Im Skispringen sind überall emsige Tüftler am Werk, die mit Karbon im Ski, Manschetten am Schienbein oder „Wunderwachs“ bei Sieg und Niederlage ein Wort mitreden.

Jede Innovation, die die riskante Weitenjagd sicherer für die Hauptdarsteller und attraktiver für das Publikum macht, ist angebracht. Das Problem des Skispringens ist jedoch, dass für die Zulässigkeit der Schuhe, Bindungen oder Luftdurchlässigkeit der Anzüge Bestimmungen existieren, aber das Kontrollnetz nicht engmaschig genug ist.

Es gibt viele Möglichkeiten der Täuschung

Die Verantwortung für die Überprüfung der Ausrüstung obliegt einem einzigen Aufpasser, der sich nach alter Sitte mit Maßband und strengem Blick auf die Suche nach Sündern macht. Möglichkeiten, ihn in die Irre zu führen, deuten Tourneeteilnehmer an, gibt es jede Menge und ganz simple.

So könne es schon genügen, vor den Stichproben Gewichts-Kniebeugen oder Bankdrücken zu machen, um die Muskeln an entscheidender Stelle an Brust und Oberschenkel „aufzupumpen“ - um dann später im Wettkampf ein Outfit tragen zu dürfen, das nicht so eng anliegt: Jeder Millimeter, der über die erlaubte Toleranzgrenze von zwei Zentimetern hinausgeht, kann mehr Auftrieb ermöglichen, das gleiche gilt für einen nur unwesentlich verlängerten Reißverschluss am Bauch, durch den der Wind hereinpfeift.

Lachhaft, aber sicher nicht als Witz gemeint

Beim nächsten Kongress des Ski-Weltverbandes (Fis) sollen die Probleme zunächst besprochen werden. Das genügt nicht. Eine Antwort kann nur lauten: Um Chancengleichheit zu wahren, muss es am besten schon zur WM in Val die Fiemme Ende Februar mehr und gezieltere Inspektionen geben, verbunden mit der Möglichkeit, (wiederholte) Verstöße strenger zu ahnden.

Die aktuelle Reaktionen der Fis, die, wenn es um zeitgemäße Vermarktungsmöglichkeiten geht, keinen Trend verschläft, klingen erstaunlich antiquiert. Renndirektor Werner Hofer sagte, er habe in dem Geschäft, in dem nicht erst seit heute viel Geld auf dem Spiel steht, „in 31 Jahren noch keinen Spitzenathleten kennengelernt, der nicht ein ehernes moralisches Verständnis hat, seinen Sieg mit fairen Mitteln zu erkämpfen“. War sicher nicht als Witz gemeint, auch wenn es lachhaft klang.

Quelle: F.A.Z.

 
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