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Skispringer Severin Freund Mit der Kraft der neuen Bindung

 ·  Der junge Severin Freund kommt im deutschen Skisprungteam am besten mit dem veränderten System zurecht. Das zahlt sich aus. Beim Auftakt in Oberstdorf wird er Sechster. An Neujahr (13.45 Uhr) geht es nach Garmisch.

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Severin Freund hat die rötlich-blonden Haare unter der obligatorischen Baseball-Kappe mit dem Logo des Sponsors versteckt, der Blick in seinem markanten Gesicht geht ins Nirgendwo. Wie er so konzentriert zuhört, verkörpert er genau den Typ, den sein Bundestrainer beschreibt, und den er selbst in sich sieht: „Nicht ganz extrovertiert“, aber zielgerichtet, selbstbewusst, leistungsstark. Dabei ist die Situation für ihn alles andere als selbstverständlich.

Traditionell kommt nach dem ersten Wettkampf der Vierschanzentournee der beste Springer des Deutschen Skiverbands zum Gespräch, und nun sitzt da eben der sechstplazierte Severin Freund aus Rastbüchl, 22 Jahre alt, 1,85 Meter groß, 68 Kilogramm schwer, Student des Fachs International Management – „das ist ein BWL-Studium, den Bedürfnissen von Leistungssportlern angepasst und exklusiv für Kader-Athleten reserviert“ – an der Fachhochschule Ansbach. Das Ergebnis von Oberstdorf ist das beste in seiner bisherigen Springer-Laufbahn.

„Es passt ganz typisch zu seinem Karriereverlauf“, sagt Bundestrainer Werner Schuster. „Er ist einer, der sich langsam und stetig nach oben arbeitet, er ist keiner, der wie eine Bombe da rein platzt.“ Freund musste sich Stufe um Stufe hochkämpfen, „er ist kein Überflieger“, so Schuster, „aber diese Typen wissen mehr als andere, worauf es ankommt“. Freund sei Profi durch und durch.

„Sechster muss man erst mal werden“

Vielleicht deshalb sieht er ganz klar, was in Oberstdorf mit ihm geschehen ist. „Sechster muss man erst mal werden“, sagt er, „aber ich könnte es mir in der Luft selbst auch ein bisschen einfacher machen und noch lockerer fliegen.“ Das klingt so leicht, doch Freund weiß: „Sich das während des Fliegens bewusst zu machen, ist schwierig.“ Er wird es lernen, mit der Zeit, da sind sich er und der Bundestrainer sicher. Und auch, dass der Weg noch lange nicht zu Ende ist.

„Severin weiß über die Zusammenhänge des Skispringens Bescheid. Er hat viel Substanz und Konstanz, hat auch kaum einen richtig schlechten Sprung gemacht in diesem Winter, springt immer auf einem ordentlichen Niveau“, sagt der Trainer. Seine Stärke ist die Athletik, der kraftvolle Absprung. „Das gibt mir Selbstvertrauen. Ich weiß, es funktioniert bei Rückenwind und bei Aufwind“, sagt er. In Oberstdorf hatte Freund nach Meinung des Trainers sogar die Möglichkeit auf einen Platz unter den ersten drei, „aber man sollte dem nicht nachsinnen, das kann er noch machen. Vielleicht sogar bei der Tournee, aber auf jeden Fall im Verlaufe der Saison.“

Severin Freund hilft die Tatsache, dass er kein Einzelkämpfer ist. In Oberstdorf präsentierte sich die gesamte deutsche Mannschaft so recht nach dem Geschmack der Verantwortlichen. Michael Neumayer als Achter und insgesamt acht deutsche Springer im Finale der besten 30 hoben die Stimmung schlagartig. „Es hat Spaß gemacht, sehr viel Spaß“, sagt Freund, „ein starkes Team bringt jeden vorwärts, und jeder bekommt noch ein Stück mehr Vertrauen in die eigene Leistung.“ Eine Sonderrolle nimmt er für sich nicht in Anspruch: „Ich bin nicht der im Team, der im Vordergrund steht. Ich bin ja erst 22, da sind Leute dabei, die schon deutlich mehr erreicht haben, die viel erfolgreicher waren.“

„Der allererste Sprung damit war komisch“

Aber Freund ist zumindest in einer Beziehung vorangegangen: Er ist derjenige in der deutschen Mannschaft, der am besten mit dem neuen Schuh-Bindungs-System zurechtkommt. Schuster, der schon in seiner Zeit als Trainer der Schweizer vor drei Jahren mit dem krummen Bindungsstab experimentiert hatte, hätte gerne eine führende Rolle für die deutschen Skispringer auf diesem Gebiet gehabt. Doch einige seiner Athleten mussten wieder einen Schritt zurückgehen. Freund benützt das technisch anspruchvollste und erfolgversprechendste Modell.

„Der allererste Sprung damit war komisch“, sagt er. „Man versucht, einen ganz normalen Sprung zu machen, aber es funktioniert einfach alles anders. Durch die starre Verbindung zum Schuh spürt man alles direkter als bei einem Band“ – mit dem bisher die Bindungen am Schuh befestigt waren. Doch Freund hat schnell die Vorteile gespürt, die im neuen System liegen, „und was für Kräfte man nutzen kann“. Schuster sieht Freund in dieser Hinsicht auf Augenhöhe mit den führenden Springern der Welt, vor allem mit den Österreichern.

Denen will er möglichst bald auch in den Ergebnislisten noch ein bisschen näher rücken. Bei Wettkämpfen war Freund auf der Schanze von Garmisch-Partenkirchen, der nächsten auf der Tournee am Neujahrstag (13.45 Uhr / FAZ.NET-Liveticker zur Vierschanzentournee), in der Vergangenheit nicht erfolgreich, „aber wenn man gut drauf ist, kommt man auf jeder Schanze zurecht“, sagt er. Und dann schaut er wieder in die Ferne und lächelt. Severin Freund ist derzeit mit sich im Reinen.

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