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Skispringer Andreas Wellinger Der deutsche Morgenstern

 ·  Vor der Vierschanzentournee muss niemand im deutschen Team bange sein. Vor allem Skispringer Andreas Wellinger überzeugt mit Platz zwei in Engelberg. Dabei ist er noch nicht einmal volljährig.

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© dapd Vergrößern Weiter Satz in Engelberg: Andreas Wellinger fliegt auf Platz zwei

Bodenhaftung heißt das Zauberwort. Wer es im Skispringen langfristig weit bringen will, das vermittelt Bundestrainer Werner Schuster seinen Kader-Athleten bei jeder Zusammenkunft, darf sich bei aller Risikobereitschaft auf der Schanze nicht von kurzen Glücksmomenten blenden lassen - und im Erfolgsfall gesundes Selbstvertrauen mit gefährlichem Übermut verwechseln.

Das Team sei, stellte der Österreicher in Diensten des Deutschen Ski-Verbandes (DSV) nach den Auftritten in Engelberg fest, „wieder einen Schritt weitergekommen“. Mehr aber noch nicht. Der zweite Platz am Sonntag von Newcomer Andreas Wellinger (130 und 138,5 Meter) sowie Rang vier tags zuvor durch Severin Freund (133 und 132 Meter) stellten weitere achtbare Ergebnisse dar, die vor allem eines belegten: Vor der anstehenden Vierschanzentournee muss niemand in der DSV-Equipe bange sein.

Aber, fügte der 43 Jahre alte Tiroler an, der in seiner Heimat einst Gregor Schlierenzauer entdeckte und ihm die meisten Grundlagen vermittelte, von denen er heute als dominierender Springer der Szene profitiert: „Wir dürfen nichts künstlich beschleunigen wollen.“ Schuster wählte die Metapher von der Erfolgsleiter, auf der Freund und Kollegen ein ordentliches Stück vom Boden nach oben geklettert seien - „aber, wenn man nun versuchen würde, alles etwas schneller zu erreichen, besteht die Gefahr, dass wir ins Leere treten“.

Auch deswegen sei es „fehl am Platze, unsere Ziele in diesem Winter zu verändern“. Die da weiterhin zunächst heißen: Einmal bei der Vierschanzentournee auf dem Podest landen, „und bestenfalls springt dann auch ein Tagessieg heraus“. Das gab es zuletzt 2002 durch Sven Hannawald.

Wellinger wird seinem großen Vorbild nacheifern

Das kommende Großereignis kennt Wellinger bislang nur aus dem Fernsehen. Der Teenager aus Weißbach in Baden-Württemberg, der erst im kommenden August volljährig wird, war sieben Jahre alt, als er mit den Eltern am Bildschirm verfolgte, wie Hannawald den bislang einzigartigen Rekord von vier Triumphen in Serie in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen aufstellte. Rund um den kommenden Jahreswechsel wird Wellinger seinem großen Vorbild, wie er Hannawald nannte, an den gleichen Stellen nacheifern können.

Der Schüler, der am Ski-Gymnasium in Berchtesgaden 2014 sein Abitur machen möchte, ist aufgrund seiner bisherigen Plazierungen auf den internen Qualifikationslisten des DSV für den Saisonhöhepunkt längst gesetzt. Auch in Engelberg, wo die beiden Österreicher Andreas Kofler und Schlierenzauer gewannen, gelang Wellinger eine Überraschung. Er knüpfte nahtlos an die beeindruckenden Resultate seiner vorherigen Auftritte in Kuusamo (wo er mit 143 Metern den weitesten Satz in der Team-Konkurrenz stand) oder in Lillehammer (wo er Fünfter in der Einzelwertung wurde) an.

Wintersport kompakt: Ende einer Serie

„Ich habe schon viel mehr erreicht, als ich mir in der Vorbereitung vorgenommen hatte. Alles, was jetzt kommt, ist die Krönung“, lautete Wellingers Kommentar zu seinem jüngsten Coup, nachdem er 24 Stunden zuvor Zwölfter geworden war. Und Schuster sagte: „Er hat schon eine tolle Konstanz und wirklich sehr gute Anlagen.“

Auch Schlierenzauer warf in Engelberg ein Auge auf den Nobody: „Ihn schaue ich mir genauer an. Der kann was.“ Wellinger war Schuster im Sommer aufgefallen. Bei einem gemeinsamen Lehrgang der Nationalmannschaft mit den deutschen B- sowie den talentiertesten C-Kader-Athleten hinterließ der Trainingsgast Eindruck: „Er hat mit seinen Qualitäten überzeugt. Seine Stärke ist das Unverbrauchte“, betonte der Coach.

Bundestrainer: „Andreas hat einen aggressiven Stil“

Mit sieben Jahren begann Wellinger in Ruhpolding mit der Nordischen Kombination. Acht Jahre lang versuchte er sich mit den abwechselnden Herausforderungen auf der Schanze und in der Loipe, dann hatte er genug. Von der Rennerei. „Ich war zu faul zum Laufen, das machte mir keinen Spaß. Aber das Springen war toll.“ Im Februar 2011 wechselte er ins Lager der Spezialspringer - und beachtliche Resultate stellten sich rasch ein: Siege im Deutschland- und Alpencup verhalfen ihm ins deutsche Aufgebot für die Olympischen Jugendspiele in Innsbruck. Dem vierten Platz im Einzel folgte dort der Gewinn des Mannschaftswettbewerbs.

Anschließend berief ihn Schuster ins A-Team. „Andreas hat einen aggressiven Stil. Er findet immer ein Luftpolster, das ihn trägt. So was kann man nicht beibringen, das hat man oder eben nicht.“ Wohin das führen könnte, mag der Bundestrainer in diesem frühen Karrierestadium nicht prognostizieren. Doch einen interessanten Vergleich wagte er immerhin: „Das hat ein bisschen was von Thomas Morgenstern, als er mit sechzehn Jahren in den Weltcup kam.“ Ein viel größeres Lob ist kaum möglich: Der Österreicher verdiente sich bis jetzt 13 Mal Gold bei Olympia und Weltmeisterschaften.

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