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Skispringen Sehnsucht nach dem alten Duell

 ·  Die Skispringer von Bundestrainer Werner Schuster präsentieren sich in dieser Saison bisher in herausragender Verfassung. Auch beim Nachbarn Österreich registriert man die neue Stärke der deutschen Athleten.

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© dpa Vergrößern Stabile Lage: Bei Severin Freund stimmen im Moment alle Komponenten

Von äußeren Einflüssen haben sich die deutschen Skispringer bislang nicht aus dem Konzept bringen lassen. Bei den ersten drei Wettkämpfen der Saison präsentierten sich die in der Vorbereitung spürbar gereiften Athleten von Bundestrainer Werner Schuster in herausragender Verfassung. Körperlich und geistig. Weder Windböen im norwegischen Lillehammer noch die arktische Kälte von bis zu minus zwanzig Grad Celsius im finnischen Kuusamo oder die neue Anlaufspur im Olympia-Park im russischen Sotschi konnten sie ernsthaft bei ihrer angestrebten Rückkehr in die Weltspitze irritieren.

An diesem Wochenende, wenn in Engelberg die Generalprobe für die Vierschanzentournee stattfindet, können sie nun zeigen, wie sie mit der gewachsenen Erwartungshaltung und den Begleiterscheinungen, die der endgültige Wintereinbruch in den Alpen mit sich brachte, zurechtkommen: Annähernd ein halber Meter Neuschnee säumt aktuell die Wege in dem Schweizer Klosterdorf, an dessen Rändern in den vergangenen Tagen wiederholt Lawinen niedergingen. Zu der Traditionsveranstaltung vor malerischer Kulisse werden dessen ungeachtet Tausende Besucher erwartet.

Mit einem vernünftigen Maß an Realitätssinn

Bis Sonntag, so wurde es in den Teamleiterbesprechungen der Skispringer angekündigt, werden weitere ausgiebige Niederschläge erwartet. Die Aufsprunghügel der Titlis-Schanze muss pausenlos mit der Muskelkraft freiwilliger Helfer und einer Pistenraupe so planiert werden, dass die Springer bei der Landung auf unwägbarem Untergrund nicht die Kontrolle verlieren und schlechte Haltungsnoten riskieren. Schuster sieht seine Leute in der Verfassung, den Aufwärtstrend auch unter diesen schwierigen Bedingungen fortzusetzen. „Als Mannschaft sind wir ein Stück weiter. Wir haben junge Springer dazubekommen, die sehr belebend sind. Und die Etablierten sind gesund und so gut in Form, dass sie vorne mitmischen können“, beschrieb der Österreicher Schuster die komfortable Lage, die er in vergleichbarer Form in den vergangenen fünf Jahren seiner Tätigkeit für den Deutschen Ski-Verband (DSV) noch nicht erlebt hat.

In den fünf Einzelwettbewerben bisher gab es durch Severin Freund zwei Siege; hinzu kamen Plätze auf dem Siegertreppchen von seinen Mitstreiter Richard Freitag (Aue) und Andreas Wellinger (Ruhpolding) sowie der Gewinn des Teamspringens in Kuusamo. Der aus Rastbüchl in Niederbayern stammende Freund trägt als erster Deutscher seit Sven Hannawald 2002 das Gelbe Trikot des Weltcup-Spitzenreiters - und das noch immer ungewohnte Gefühl des Erfolgs weckte bei dem Vierundzwanzigjährigen Lust auf mehr: „Ein WM-Titel oder Olympiasieg sind extrem viel wert. Aber der Gesamt-Weltcupsieg ist die höchste Auszeichnung für einen Skispringer“, sagte der Bayer, der zufrieden registriert, dass sich der frühzeitige Trainingsbeginn, die ungezählten Überstunden beim Testen im Sommer-Grand-Prix und die Umstellung auf die engeren Anzüge bezahlt machen: „Langsam geht es auf. Das Schöne ist, dass nicht nur ich alleine aufs Podest springen kann. Das macht unsere Mannschaft extrem stark. So kann es weitergehen.“

Schuster lässt der Aufbruchstimmung viel Freiraum, legt in Einzelgesprächen aber Wert auf ein vernünftiges Maß an Realitätssinn, um auf zweifellos kommende unerfreuliche Momente vernünftig vorbereitet zu sein: „Wir freuen uns darüber, dass wir Interesse wecken konnten. Aber man darf jetzt nicht glauben, dass wir alles in Grund und Boden springen werden. Die anderen werden auch wieder zurückschlagen.“

„Ich finde es höchst interessant, was da passiert“

Dieses Ziel verfolgen insbesondere die Österreicher, die in den zurückliegenden Jahren stets das Maß der Dinge im Skispringen verkörperten. Das Team Austria, das den Mitbewerbern des DSV bei allen Gelegenheiten traditionell mit besonderer Rivalität begegnet, registriert den Fortschritt des Nachbarn mit Anerkennung: „Sie springen im Kollektiv extrem sauber und strotzen zu Recht vor Selbstvertrauen“, sagt Gregor Schlierenzauer, der sich als Titelverteidiger bei der Vierschanzentournee auf eine Machtprobe mit Schusters Leuten einstellt.

Auch Alexander Pointner attestierte Landsmann Schuster achtbare Arbeit: „Ich finde es höchst interessant, was da passiert. Man kann ihm dazu nur gratulieren“, sagte der österreichische Chefcoach, der der spannender gewordenen Situation viel Positives abgewinnen kann. „Es kann uns in diesem Sport nichts Besseres passieren, als wenn das Duell Österreich gegen Deutschland wieder auflebt.“ Auch die Vierschanzentournee wird bald von der wiederbelebten Konkurrenz profitieren: Die Organisatoren in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen melden die besten Vorverkaufszahlen seit den Hoch-Zeiten von Sven Hannawald und Martin Schmitt vor zehn Jahren.

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15.12.2012, 11:13 Uhr

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Von Anno Hecker

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