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Skispringen in Deutschland : Wie einst bei Schmitt und Hannawald

  • -Aktualisiert am

Auf Weitenjagd: Richard Freitag hat auch im Schwarzwald viel vor. Bild: SIPOLA/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Die deutschen Skispringer Richard Freitag und Andreas Wellinger wecken beste Erinnerungen. Dabei stand der eine kurz vor dem Ende seiner Karriere, der andere erlebte eine Schrecksekunde.

          Es ist es nur eine Momentaufnahme nach vier von 26 Wettbewerben. Aber beim Deutschen Skiverband (DSV), Abteilung Skispringen, betrachten sie den Zwischenstand im Gesamtweltcup trotzdem mit Freude: Richard Freitag belegt mit 270 Punkten Platz eins, dahinter folgt Andreas Wellinger mit 239 Zählern. Erinnerungen an die Zeiten von Martin Schmitt und Sven Hannawald zu Beginn der 2000er Jahre oder Jens Weißflog und Dieter Thoma ein Jahrzehnt davor werden wach. Dabei fehlt der vermeintlich stärkste Springer des DSV-Teams: Severin Freund kuriert die Folgen des zweiten Kreuzbandrisses aus.

          Rechtzeitig vor dem ersten Auftritt in der Heimat in Titisee-Neustadt an diesem Samstag (16.00 Uhr in der ARD und bei Eurosport1) bekam Wellinger beim Springen in Nischni Tagil einen zusätzlichen Motivationsschub. Für seinen zweiten Sprung, der den 22-Jährigen zum Sieg trug, gab ihm ein Wertungsrichter zum ersten Mal 20,0 Punkte. Die Höchstnote. „A Zwanziger“, rutschte es dem Bayern staunend heraus. Nach einer Weile bilanzierte er: „Es war ein geiler Wettkampf, einfach nur unglaublich!“ Dass Freitag, der 24 Stunden zuvor gewonnen hatte, den zweiten Platz belegte, steigerte die allgemeine Zufriedenheit. Und Markus Eisenbichler war als Vierter haarscharf am Podest vorbeigeschrammt. Das Ergebnis sei „fast schon historisch“, urteilte Bundestrainer Werner Schuster. Die Höhenflüge von Wellinger und Freitag überraschen nicht. Beide Springer gelten als hochtalentiert. Sie gaben in jungen Jahren ihr Debüt im Weltcup. Der Bayer war 17 Jahre alt, der Sachse 18. Schon wenig später konnten sie erste Siege bejubeln.

          Während der in Ruhpolding geborene Wellinger 2014 zum Team gehörte, das bei Olympia in Sotschi Gold gewann, erlebte der aus Breitenbrunn im Erzgebirge stammende Freitag in dieser Phase seinen ersten Durchhänger. Sein System sei „in eine Sackgasse geraten“, analysierte Schuster. Freitag dachte sogar kurz ans Aufgeben, dann packte ihn wieder der Ehrgeiz: „Wenn ich die Ski an die Wand genagelt hätte, wäre ich mir untreu geworden“, sagte er. Um nicht nur etwas für den Körper zu tun, sondern auch für den Kopf, begann Freitag eine Ausbildung zum Physiotherapeuten. „Er hat sich runderneuert und wieder Vertrauen in seinen Sprung gefunden“, lautete eine Schlussfolgerung des Coaches, „auch neben der Schanze hat er an kleinen Schräubchen gedreht.“

          Auch Andreas Wellinger ist nach einem Sturz wieder in Form.

          Für Wellinger begann die Saison nach dem Olympiasieg mit einer Schrecksekunde. In Kuusamo stürzte er schwer. „Andi kannte bislang keine Angst, ist immer unbeschwert gesprungen“, sagte Schuster danach, „so einen Sturz muss er erst mal aus dem Kopf bekommen.“ Das dauerte. Zwei Jahre. Dann fand der Wettkampftyp wieder Vertrauen in sein Flugsystem. „Es gab Rückschläge, aus denen ich gelernt habe“, sagte er: „Wie reagiert man in gewissen Situationen? Wie lernt man vorzubeugen, um nicht wieder in so eine Situation zu kommen?“ Skispringen ist zumeist auch eine Frage des Kopfes. Entscheidend für die Entwicklung von Wellinger war auch die Nordische WM in Lahti.

          Zweimal holte er Silber hinter dem Österreicher Stefan Kraft – ein Motivationsschub. Mittlerweile, so berichtete Schuster, trieben sich Wellinger und Freitag „zu Höchstleistungen“, auch in den Trainingseinheiten. „Der Zusammenhalt im Team ist sehr gut, und aufgrund der positiven Dynamik pushen sich die Aktiven gegenseitig.“Nach Wettkämpfen in Polen, Russland und Finnland soll nun der Heimvorteil zum Tragen kommen. Freitag hat noch einen zusätzlichen Antrieb: „Ich bin sehr glücklich, dass ich jetzt erstmals das Gelbe Trikot tragen darf, und werde darum kämpfen, es zu verteidigen.“

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