24.11.2004 · Sven Hannawald hat erstmals öffentlich über seine Lebenskrise gesprochen. „Das Typische an der Krankheit ist die Zukunftsangst“, sagte der Skispringer, der seit seinem Zusammenbruch in ärztlicher Behandlung ist.
Der am Burn-out-Syndrom leidende Sven Hannawald hat sein Schweigen gebrochen und erstmals öffentlich über seine Lebenskrise gesprochen. „Das Typische an dieser Krankheit ist diese Zukunftsangst. Wichtig ist für mich zu lernen, an das Hier und Jetzt und nicht ständig an die Zukunft zu denken“, sagte der 30 Jahre alte Skispringer in einem Interview der „Bild“-Zeitung.
Es gebe immer noch Tage, an denen er sich schlecht fühle. „Das ist so ein Gefühl, als würde sich der Magen umdrehen. Dazu kommt dann Lustlosigkeit“, beschrieb der Hinterzartener seinen gesundheitlichen Zustand. Hannawald befindet sich seit seinem Zusammenbruch vor einem halben Jahr in ärztlicher Behandlung, die er noch ein- bis zwei Mal pro Woche in Anspruch nimmt. „Tabletten nehme ich keine, denn ich möchte wissen, wo ich persönlich stehe“, erklärte der Sieger der Vierschanzentournee 2002 und zweimalige Skiflug-Weltmeister.
„Habe gemerkt, daß ich mich überhaupt nicht erhole“
Den Beginn seiner mentalen Probleme beziffert der sensible Flieger mit dem Saisonabschluß im März 2003: „Ich war im Urlaub in der Dominikanischen Republik. Da habe ich gemerkt, daß ich nicht abschalten kann, daß ich mich überhaupt nicht erhole.“ Es folgte der umstrittene Trainerwechsel von Reinhard Heß zu Wolfgang Steiert
und ein quälender Winter, in dem für Hannawald bei jedem kleinen Mißerfolg „fast die Welt unterging“.
Auf die Schanzen wird Hannawald in diesem Winter nicht zurückkehren. „An Skispringen denke ich zur Zeit nicht. Wenn ich das Feuer wieder spüre, bin ich wieder da. Aber ich mache mir keinen Druck“, sagte er. Seinen Fans will er sich erstmals wieder am Rande der Vierschanzentournee präsentieren. „Da möchte ich auf jeden Fall hinkommen“, kündigte er an.