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Skispringen Computerfirma gibt China eine Chance

Das chinesische Milliarden-Volk bereitet sich darauf vor, auch im Skispringen eine Rolle zu spielen. Am Silvestertag haben der 23 Jahre alte Yang Li und der zwanzigjährige Zhandong Tian als erste Chinesen an einem Springen der Vierschanzentournee teilgenommen.

© AP Bescheidener Anfang: Yang Li

Nicht mehr lange hin, dann gibt es in Rußland Weltcup-Skispringen. Davon ist Walter Hofer, der Sprungdirektor des Internationalen Skiverbandes, überzeugt. Und vielleicht wird es in einigen Jahren sogar noch weiter nach Osten gehen - denn das chinesische Milliarden-Volk bereitet sich darauf vor, auch in dieser Sportart eine Rolle zu spielen. Am Silvestertag haben der 23 Jahre alte Yang Li und der zwanzigjährige Zhandong Tian als erste Chinesen an einem Springen der Vierschanzentournee teilgenommen, sie kamen in Partenkirchen allerdings nicht über die Qualifikationsrunde hinaus.

Die Anfänge sind bescheiden. Gerade zwei Dutzend der rund 1,2 Milliarden Chinesen bezeichnen sich als Skispringer, neun oder zehn davon wird derzeit Potential bescheinigt - dank österreichischer Entwicklungshilfe. Nicht aus reiner Sportbegeisterung oder Mildtätigkeit engagiert sich Hermann Oberlehner für das Springerteam Chinas. Vielmehr hatte er den immensen Markt für die Produkte seines Computer-Unternehmens Gericom im Hinterkopf, als er mit dem Skiverband des Riesenreiches einen Zehnjahresvertrag zur Förderung des Springernachwuchses schloß. Knapp eine Viertelmillion Euro pro Saison soll sich Oberlehner das kosten lassen.

Der Begriff Nachwuchs ist relativ. Während in Skandinavien oder in den Alpenländern schon Fünfjährige mit dem Skispringen beginnen, sind die Chinesen der ersten Schanzen-Generation erst mit fünfzehn bis achtzehn Jahren zu diesem Sport gekommen. Mit veraltetem Material, ohne ausreichende Betreuung waren keine großen Sprünge und wenig Fortschritte möglich. Im Skigebiet von Yabuli in der Mandschurei stehen vier kleinere Schanzen, die einzigen des Landes. Ziel ist dennoch die Olympiateilnahme in Turin 2006. Damit dies keine Utopie bleibt und zugleich der Einsatz der finanziellen Mittel kontrolliert werden kann, hat Unternehmer Oberlehner für Training und Vermarktung Landsleute engagiert. Heinz Koch ist im Springer-Zirkus ein bekannter Mann. Als österreichischer Nationaltrainer errang der Freund von Andreas Goldberger zwei Gesamtsiege bei der Vierschanzentournee und drei Erfolge im Gesamtweltcup. Das war Anfang der neunziger Jahre. Anschließend arbeitete Koch in Slowenien und in Frankreich.

Als Trainer für die Chinesen nutzt er seine heimische Infrastruktur. Die fünf besten der Springergruppe hat er vergangenen Sommer nach Stams in Tirol geholt, wo sie trainieren, Sprachen lernen. Geübt wird in Innsbruck, Villach oder auch in Ramsau. Heimweh? "Sie haben Laptop und Mobiltelefon, also alles, um mit China zu kommunizieren", sagt Koch, der seit Anfang 2003 bemüht ist, aus Hobbyspringern ernstzunehmende Athleten zu formen. Es sei seine bislang interessanteste Aufgabe, behauptet er. Zunächst mußten die schweren, muskulösen Sportler einige Kilogramm abnehmen und dann "wie die Kinder" (Koch) die Grundlagen des Springens lernen. Nach über fünfhundert Mattensprüngen waren Yang Li, 182 Zentimeter groß, und der kleinere Zhandong Tian (167) bereit für den Continentalcup, die zweite Liga - und sie holten dort prompt die für den Tourneestart notwendigen Punkte. Der chinesische Meister Jianxun Wang, 22 Jahre alt, startete im übrigen am Neujahrstag im Continentalcup in Seefeld.

Bei sporadischen Auftritten im Weltcup soll es nicht ewig bleiben. Damit die Basis für das Springen schnell breiter wird, organisiert Koch in Österreich auch wenige Wochen dauernde Schnellkurse für Trainer aus Fernost. "Ganz China schaut auf euch", das, so Koch, habe man den priviligierten Sportlern mit auf den Weg nach Europa mitgegeben. Das österreichisch-chinesische Firmenteam als Nationalmannschaft ist ein spannendes Projekt - sportlich, gesellschaftlich, wirtschaftlich.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung

 
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