27.11.2004 · Alexander Herr hat überraschend den zweiten Platz beim Weltcup-Auftakt der Skispringer im finnischen Kuusamo belegt. „Ich habe noch nie so hart gearbeitet wie in diesem Sommer. Das war der Lohn“, jubelte Herr.
Erst schaute Alexander Herr ungläubig auf die Anzeigetafel, dann wurde er von Bundestrainer Peter Rohwein in die Arme geschlossen: Mit seinem zweiten Platz beim Weltcup in Kuusamo hat der 26jährige aus Schonach-Rohrhardsberg am Samstag sein bislang bestes Karriere-Resultat gefeiert und den deutschen Skispringern einen Start nach Maß in die WM-Saison beschert. „Ich bin super happy. Ich habe noch nie so hart gearbeitet wie in diesem Sommer. Das war der Lohn“, jubelte Herr, der nun einen Platz ganz oben anstrebt: „Ich habe den Willen, irgendwann einmal einen Weltcup zu gewinnen.“
Mit 275,5 Punkten für Sprünge auf 138,5 und 126,5 m mußte sich der Schwarzwälder nur dem überragenden Weltcup-Titelverteidiger Janne Ahonen geschlagen geben. Der Finne dominierte die Konkurrenz mit Sprüngen von 144,5 und 142 m (318,7) nach Belieben. Dritter wurde der Österreicher Martin Höllwarth. Michael Uhrmann (Rastbüchl) als 8., Georg Späth (Oberstdorf) als 11. und Jörg Ritzerfeld (Oberhof) als 13. komplettierten das hervorragende Abschneiden des DSV-Teams.
„Das gibt enormen Auftrieb“
„Einen besseren Auftakt hätte ich mir nicht wünschen können. Ich habe immer an das Team geglaubt“, sagte der sichtlich gerührte Rohwein nach seinem gelungenen Debüt als Bundestrainer. Er habe zwar um die Stärken seiner Springer gewußt, aber „ich war nicht sicher, ob sie ihre Leistungen abrufen können“.
Schon im ersten Durchgang hatte Herr für Furore gesorgt, als er auf 138,5 m flog. „Ich habe unten gemerkt, daß es weit geht. Ich habe mich echt wohl gefühlt“, berichtete der Schwarzwälder, der schon im Training und in der Qualifikation bester deutscher Springer war. Als Vierter wollte er im Finale zwar etwas zu viel, doch trotz der deutlich geringeren Weite langte es zum zweiten Platz. „Ich freue mich riesig. Das gibt enormen Auftrieb“, sagte Herr.
Enttäuschung für Martin Schmitt
Keinen Grund zum Jubeln hatte Martin Schmitt, der nach seiner viel zu kurzen Landung bei 107,5 m das Finale deutlich verpaßte. „Ich weiß nicht, was los war. Ich bin im ersten Flugdrittel nicht auf Höhe gekommen, der Sprung hat nicht gepaßt“, sagte der 26jährige nach seinem völlig verkorksten Saison-Einstand. Die Enttäuschung bei dem Furtwangener hielt sich jedoch in Grenzen, da er selbst nicht viel erwartet hatte. „Ich habe einfach noch keine stabile Form, da kann so etwas vorkommen. Ich hoffe, daß ich Schritt für Schritt besser werde“, erklärte Schmitt.
Auch Maximilian Mechler (106,5 m) und Stephan Hocke (93 m) konnten zum Saisonstart nicht überzeugen. Michael Neumayer büßte seine Chancen schon in der Qualifikation ein. Nach einem guten Sprung auf 128 m wurde der Berchtesgadener wegen einer zu breiten Skispitze disqualifiziert. „Ich habe mich darauf verlassen, daß das von der Firma gelieferte Material paßt“, sagte Neumayer.