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Skirennläufer Stefan Luitz Neue Spuren im Schnee

 ·  Ein zweiter Platz genügt, um dem deutschen Ski-Team Hoffnung zu spenden. Nach der Fahrt aus das Siegertreppchen in Val d’Isère hofft Stefan Luitz, dass er kein One-Hit-Wonder abgibt. Sein Können liegt möglicherweise in den Genen.

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© AFP Vergrößern Immer auf Angriff: Stefan Luitz macht auf der Piste auf sich aufmerksam

Wer vor dem Riesenslalom in Alta Badia an diesem Sonntag (1. Rennen ab 9.30 Uhr) mit Stefan Luitz sprechen wollte, musste sich auf einer Telefonliste eintragen lassen und bekam einen Slot zugewiesen. Zehn, fünfzehn Minuten, mehr war nicht drin. Eine Woche zuvor in Val d’Isère hatte sich der junge Mann noch vorstellen müssen, weil praktisch keiner wusste, wer da mit Laufbestzeit auf das Siegertreppchen gerast war.

„Ich heiße Stefan Luitz und fahre Ski, seit ich drei Jahre bin“, sagte der blonde Bursche mit dem Schulbubengesicht leicht belustigt über das plötzliche Interesse an seiner Person und fügte noch an: „Im Sommer gehe ich gern Biken.“ Zwei Tage später war er dann schon als Gast beim „Blickpunkt Sport“ im Bayerischen Rundfunk eingeladen. Aufgeregt sei er da gewesen, gibt Luitz zu: „Aber man genießt den Medienrummel auch.“

Es kommt eben auch nicht alle Tage vor, dass ein Deutscher im alpinen Ski-Weltcup für Furore sorgt - und schon gar nicht im Riesenslalom. Zweiter war er geworden, so einen Erfolg hatte es seit beinahe zwanzig Jahren nicht mehr gegeben. Zuletzt hatte Tobias Barnerssoi im Dezember 1993 Platz zwei belegt, ebenfalls in Val d’Isère, da war Luitz noch keine zwei Jahre alt. Heute ist er zwanzig, aber den heutigen ARD-Reporter Barnerssoi sollte sich Luitz nicht unbedingt als leuchtendes Karrierevorbild nehmen. Außer einem dritten Platz in Kranjska Gora kam nämlich nicht mehr viel von Barnerssoi.

Die Gefahr, ein One-Hit-Wonder abzugeben, sieht der vorsichtige Luitz durchaus. „Es werden auch wieder andere Tage kommen“, sagt der Sportsoldat. Obwohl er vom vergangenen Wochenende „viel Selbstvertrauen“ mitgenommen habe und nun mit einem „guten Gefühl“ die anspruchsvolle Piste in Alta Badia ansteuert, gibt Luitz als Devise aus, sich erst mal unter den Top dreißig seiner Disziplin halten zu wollen. Bescheiden, aber auch vernünftig für einen, der den vergangenen Weltcup-Winter auf Rang 147 des Riesenslalom-Rankings abgeschlossen hatte. Zwei Punkte hatte er da gesammelt, die gab es für einen 29. Platz in Crans Montana.

„Die Belastung überm Ski muss stimmen“

Dass es heuer besser laufen würde, zeichnete sich aber schnell ab. Die Umstellung auf die neuen Riesenslalom-Ski, die laut Regelwerk nicht mehr so tailliert sind wie zuletzt, gelang dem 1,85 Meter großen und 84 Kilo schweren Athleten nach einer kurzen Gewöhnungsphase sehr gut. Man muss sauberer die Kanten einsetzen, um den Schwung korrekt fahren zu können.

„Kompakt draufstehen“, nennen das die Skilehrer: „Die Belastung überm Ski muss stimmen.“ Schon in Beaver Creek gelang dem Allgäuer Anfang Dezember, mit dieser Belastung klarzukommen. Er wurde Dreizehnter, und spätestens nach dem Husarenritt von Val d’Isère konnte Wolfgang Maier, der Alpin-Direktor des Deutschen Skiverbandes, damit auftrumpfen, dass er schon lange gesagt habe, „dass der Luitz ein guter Skifahrer ist“.

Dessen Können liegt möglicherweise in den Genen, ist sicherlich aber auch der frühkindlichen Förderung geschuldet. Mutter Petra und Vater Ludwig sind staatlich geprüfte Skilehrer. Und Stefan hat beim Ski-Club Bolsterlang von Kindesbeinen an sein Talent unter Beweis gestellt. „Er war immer bereit, auszuprobieren, was man ihm gesagt hat“, sagt seine Mutter. „Das Leitbild des perfekten Rennschwungs hat sich ja immer mal geändert, und er hat es immer nachvollzogen“, sagt Petra Luitz, die noch heute als Skilehrerin arbeitet.

Vater Ludwig ist noch näher dran am Renngeschehen, er arbeitet seit Jahren als Servicemann im Deutschen Skiverband. „Das war für mich ein Vorteil“, sagt Stefan, denn er konnte schon als Teenager immer mal beim Training mitfahren. „Da hab ich mir früh Einiges von den Großen abgeschaut.“

„Ich freue mich auf die WM in Schladming“

Einer der „Großen“ war Felix Neureuther, der seit Jahren schon zur erweiterten Weltelite im Slalom gehört, doch im Riesenslalom bislang nicht recht in die Spur fand. Bis zum vergangenen Sonntag. Da wurde der Achtundzwanzigjährige im Windschatten von Luiz Vierter. So ein deutscher Erfolg war zuletzt 1971 Sepp Heckelmiller und Christian Neureuther gelungen - der bekanntlich der Vater von Felix ist.

Stefan Luitz hat nun schon die Qualifikation für die WM in Schladming im kommenden Jahr geschafft. „Ich freue mich darauf“, sagt er. Dass er Belastungen richtig dosieren kann, hat er auf seinen Skiern ja auch schon bewiesen.

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16.12.2012, 08:57 Uhr

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