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Skirennfahrer Felix Neureuther im Gespräch „Jetzt Super-G und Abfahrt, das wäre ein Schmarrn“

Es ist wieder soweit: Kitzbühel, die „Streif“, der Klassiker. Und ein Deutscher zählt im Slalom zu den Favoriten. Im Interview spricht Felix Neureuther über seinen Rivalen Marcel Hirscher, Ambitionen in der Abfahrt und den Tag X.

© dpa Vergrößern Felix Neureuther bleibt bescheiden: „Nur weil ich jetzt Wengen gewonnen habe, drehe ich nicht durch.“

Nach seinem Sieg in Wengen zählt Felix Neureuther an diesem Wochenende in Kitzbühel wieder zu den Favoriten im Slalom. Der Skirennfahrer würde nur zu gerne zum zweiten Mal nach 2010 den Torlauf im österreichischen Ski-Mekka gewinnen - und eines Tages auch einmal die spektakuläre Abfahrt bestreiten. „Das werde ich definitiv einmal machen. Das gehört einfach zu einem Skifahrer, der muss mal die Streif in Kitzbühel bezwungen haben“, sagte der 28-Jährige im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. In Kitzbühel stehen kurz vor der WM ein Super-G am Freitag, eine Abfahrt am Samstag und ein Slalom am Sonntag an.

Cheftrainer Karlheinz Waibel hat vor kurzem gesagt, dass Sie so stark wie noch nie seien. Hat er recht?

„Ich bin sicher die letzten Jahre auch schon immer sehr schnell gewesen und auch gut gewesen, aber nie in der Konstanz. Von dem her bin ich sicher so gut wie nie. Was mir auch aufgefallen ist: So entspannt und mit so viel Freude wie in diesem Jahr, bin ich noch nie in eine Saison reingegangen.“

Die für Sie herausragend läuft. Was ist noch drin in dieser Weltcup-Saison?

„Es gibt einen Überflieger, das ist definitiv der Marcel (Hirscher/Österreich). Dessen Serie ist sehr beeindruckend. Er war bisher in praktisch jedem Rennen auf dem Podium; außer in Adelboden, wo er den Riesenfehler hatte. Das ist ein Brett. Der Kerl strahlt eine Dominanz aus, aber sicher kann es auch mal schnell anders gehen. Für mich ist einfach entscheidend, dass ich die Rennen so angehe, wie es mir gut tut. Ich lasse mir nichts mehr aufdrücken. Es ist das erste Mal richtig so, dass ich meinen eigenen Kopf durchsetze. Nur weil ich jetzt Wengen gewonnen habe, drehe ich nicht durch. Ich relativiere das und dann schauen wir, was in Kitzbühel rauskommt.“

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Was erwarten Sie dieses Jahr vom Slalom in Kitzbühel, wo sie vor drei Jahren den ersten Weltcup-Sieg feierten?

„Das wird echt ein cooles Rennen, weil es momentan eine extrem schöne Situation ist im Slalom mit Marcel, mir und mit vielen, vielen anderen. Ich denke, dass wir uns gegenseitig sehr pushen. Für die internationale Konkurrenz war es auch wichtig, dass ich den Marcel in Wengen geschlagen habe. Damit die anderen Jungs sehen, hey, es geht noch. Jetzt geht es zur WM hin und da will man natürlich irgendwo an sein Maximum kommen. Es wird sportlich hochwertig.“

Was macht den Reiz eines Klassikers wie in Kitzbühel aus?

„Das hat schon sehr viel mit Tradition zu tun. Ich finde es immer so cool, wenn man die Bilder von früher anschaut, aus den 30er Jahren. Mit was für Material sie damals da runtergefahren sind. Und heute ist es noch genau der selbe Hang wie damals. So was macht den Reiz irgendwo aus, dass man genau den gleichen Hang wie vor fast 100 Jahren runter fährt.“

Wie wertvoll wäre es für Sie, an einem Ort, wo Sie schon mal gewonnen haben, noch einmal zu siegen?

„Es ist jedes Jahr immer wieder eine Herausforderung. Den Reiz, weil man es schon mal gewonnen hat, verliert es sicherlich nicht. Kitzbühel ist immer Mythos. Dass ich Kitzbühel-Sieger bin, das kann mir keiner mehr nehmen. Das ist was sehr Befreiendes, was sehr, sehr Schönes. Jetzt habe ich Kitzbühel, Wengen und Garmisch gewonnen, das sind für mich im Weltcup die größten Rennen, auch von der Tradition her. Und an solchen Orten mag man immer wieder gut sein.“

Sie sind Gesamtvierter. Kommen dann nicht noch mal Gedanken auf, es doch noch einmal in Abfahrt, Super-G oder wenigstens in einer Kombination zu versuchen?

„Ich hab als Spaß zu meinem Servicemann nach Adelboden gesagt, wir reisen gleich nach Wengen, ich will die Abfahrt dort mitfahren... Nein, jetzt darüber nachzudenken, weil es gut läuft, dass man Super-G und Abfahrt fährt, das wäre ein Schmarrn. Vor der Saison wusste ich sechs Wochen nicht einmal genau, wie lange das mit dem Rücken dauert, ob ich dieses Jahr überhaupt ein Rennen fahren kann.“

Alpine Skiing World Cup in Adelboden © dpa Vergrößern Was die Kanten hergeben: Gelingt Felix Neureuther in Kitzbuhel der nächste Coup?

Aber eines Tages die Abfahrt auf der Streif in Kitzbühel runterfahren. Wäre das was für sie?

„Das werde ich definitiv einmal machen. Das gehört einfach zu einem Skifahrer, der muss mal die Streif in Kitzbühel bezwungen haben. Das mag ich mal erlebt haben, ich will diese Startnummer, auf der mein Name steht, zu Hause hängen haben. Das ist nach wie vor ein großes Ziel von mir. Mit wie viel Aufwand ich das verbinde, ist die andere Sache. Als Favorit an den Start zu gehen - das wird sicher nicht so sein.“

Aber im Slalom sind sie Mitfavorit. Wo stehen Sie eigentlich bei Ihrem schon wiederholt geäußerten Ziel, einmal der beste Slalomfahrer der Welt zu sein?

„Ich bin auf alle Fälle noch nicht am Maximum. Ich kann noch sehr viel besser werden. Auch die Erkenntnis, dass man sich mit dem, was war, nicht zufriedengeben darf, sondern dass man weiter extrem hart an sich arbeiten muss, ist wichtig. Im Slalom wird auf einem brutalen Niveau gefahren. Ich finde es einfach geil, wie momentan Slalom gefahren wird, zu sehen, wie die Jungs Gas geben. Es macht Freude, Teil davon zu sein und auch noch ein guter Teil.“

Und das macht die Vorfreude auf die WM umso größer. Was sind Ihre Ziele dort?

„Meine Ziele sind, dass ich an dem Tag X meine beste Leistung abrufe. Ich gehe jetzt nicht hin und will in irgendwelchen Superlativen reden. Das habe ich aus der Vergangenheit gelernt. Ich freue mich aber sehr auf die Weltmeisterschaften, denn erstmals kann ich die auch richtig genießen.“

Quelle: FAZ.NET/DPA

 
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