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Ski alpin Familie Riesch ist nicht zu bremsen

14.11.2009 ·  Weltmeisterin Maria Riesch hat den ersten Slalom der alpinen Weltcup-Saison vor der Amerikanerin Lindsey Vonn und der Finnin Tanja Poutiainen gewonnen. Ihre kleine Schwester Susanne wurde nördlich des Polarkreises Vierte.

Von Elisabeth Schlammerl
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Es gibt sicher freundlichere Orte als Levi im November. Dort oben herrscht um diese Jahreszeit meist dichter Nebel, und kaum ist es gegen Mittag hell geworden, beginnt es auch schon wieder zu dämmern. Aber Familie Riesch hat sich davon weder beeindrucken noch bremsen lassen. Am Samstag feierte Maria Riesch beim Slalom im finnischen Skigebiet 150 Kilometer nördlich des Polarkreises ihren zwölften Weltcup-Sieg, sie gewann mit acht Hundertstelsekunden Vorsprung vor Lindsey Vonn aus den Vereinigten Staaten. Dritte wurde die Finnin Tanja Poutiainen.

„Levi liegt mir einfach, ich mag diesen Hang“, sagte die Vierundzwanzigjährige vom SC Partenkirchen. Und das gilt auch für ihre drei Jahre jüngere Schwester. Mit Platz vier schaffte Susanne Riesch nicht nur schon im ersten Versuch die Qualifikation für die Olympischen Spiele im Februar in Vancouver, sondern auch ihr bestes Weltcup-Resultat überhaupt. Ihr zweitbestes war ihr vor drei Jahren an gleicher Stelle gelungen. Maria Riesch ist mit nun zwei Siegen und drei dritten Plätzen in insgesamt fünf Rennen die erfolgreichste Starterin von Levi. Beim ersten Weltcup-Slalom des Winters schaffte außerdem noch Katharina Dürr vom SV Germering als Siebte die Olympianorm, und Fanny Chmelar komplettierte als Neunte das glänzende deutsche Resultat.

Im Schatten der großen Schwester

Susanne Riesch musste zuschauen, wie die drei Schnellsten zur Siegerehrung im Zielraum gebeten wurden, aber obwohl sie das Podest um 17 Hundertstelsekunden verpasst hatte, war sie „total glücklich“, vor allem, weil sie noch Steigerungsmöglichkeiten sieht. „Im ersten Durchgang bin ich ein bisschen mit der Handbremse gefahren.“ Im Gegensatz zu ihrer Schwester. „Sie ist einfach ein Phänomen“, sagt Susanne über Maria, die Weltmeisterin und Seriensiegerin im Slalom in der vergangenen Saison. Außerdem ist Maria Riesch nicht nur eine hervorragende Torläuferin, sondern auch gut in den schnellen Disziplinen unterwegs. Die Gesamtweltcup-Zweite genießt schon deshalb besondere Aufmerksamkeit.

Susanne Riesch hat sich daran gewöhnt, im Schatten der Schwester zu stehen. Dabei, da sind sich die Trainer einig, muss das gar nicht so bleiben. Wenigstens nicht im Slalom. Susanne gilt schon lange als ähnlich talentiert wie die deutsche Frontfrau im Skisport, aber bei ihr ging alles sehr viel zäher voran. Sie hatte schon in jungen Jahren oft mit Verletzungen zu kämpfen, zunächst waren es nur kleinere Blessuren, ehe dann im Mai 2005 im Knie ein Kreuzband riss. Vier Monate zuvor hatte sich Maria Riesch die gleiche Verletzung zugezogen.

Dabei sind die beiden gar nicht zu vergleichen

Vor drei Jahren schien es dann aber mit Susanne endlich steil bergauf zu gehen, mit dem fünften Platz in Levi in ihrem zweiten Weltcup-Rennen. Damals hatte sie sogar ihrer soeben nach dem zweiten Kreuzbandriss zurückgekehrten Schwester die Schau gestohlen, aber danach erst einmal mit den typischen Schwierigkeiten einer Senkrechtstarterin zu kämpfen und damit, dass sie wie viele Kinder oder Geschwister großer Sportler verglichen wurde mit dem erfolgreicheren Familienmitglied. Dabei sind die beiden gar nicht zu vergleichen, mal abgesehen von ihrer Größe. Susanne ist kein Glamourtyp wie ihre Schwester, nimmt öffentliche Auftritte hin, aber sie genießt sie nicht.

Als die Riesch-Schwestern vor zwei Wochen bei der Präsentation der Olympiakleidung in München den Laufsteg entlang schlenderten, wirkte dies bei Maria souverän und selbstverständlich, bei Susanne hingegen bemüht und etwas linkisch. Maria liebt die Ordnung und teilt deshalb auf den Weltcup-Reisen das Zimmer mit der ebenfalls sehr aufgeräumten Kathrin Hölzl und nicht mit ihrer Schwester, die sich im Chaos ganz wohl fühlt. Früher fand sie Cheftrainer Mathias Berthold sogar im Training „teilweise unorganisiert“, aber daran habe sie erfolgreich gearbeitet.

Die Weltmeisterin begann, die kleine Schwester zu fürchten

Auf der einen Seite profitiert Susanne Riesch oft von ihrer Schwester. Sie hatten lange denselben Manager, gingen gemeinsam auf Termine und fuhren Ski derselben Marke. Aber andererseits wirkte Maria auch wie ein Hemmschuh. „Es ist immer schwierig, wenn man so eine Überfliegerschwester hat. Da steht man meistens ein bisschen im Schatten, und dann kann eine psychologische Komponente da mit reinspielen“, meinte Alpindirektor Wolfgang Maier. Susanne Riesch dachte nach ihrem frühen Erfolg, sie sei schon oben angekommen, und verlor die Spitze immer weiter aus dem Blick. In neun Slaloms hintereinander kam sie nicht ins Ziel. „Die Angst vor dem Ausscheiden fährt mit, einfach schrecklich“, gab sie zu und versuchte deshalb im Europacup, das verlorengegangene Selbstvertrauen zurückzuholen.

Langsam, ganz langsam ging es aufwärts. Erst im vergangenen Winter schaffte sie wieder den Anschluss an die Weltspitze. „Wenn alles normal läuft“, sagte Berthold im Januar, „wird Maria in ihrer Schwester eine große Konkurrentin bekommen.“ In der Vorbereitung war es so weit. Die Jüngeren im Team, und da eben vor allem Susanne Riesch, erzählt der deutsche Cheftrainer, „haben Maria zum Teil sehr zugesetzt“. Die Weltmeisterin begann Susanne zu fürchten. „Es ist nicht so lustig, wenn die eigene Schwester eine Sekunde schneller ist“, sagte sie Anfang Oktober. Einen Monat später hatte sie den Rückstand aufgeholt, aber die alte teaminterne Reihenfolge war auch bei den letzten Trainingsfahrten vor dem ersten großen Slalom in Finnland noch nicht hergestellt. Deshalb überraschte Maria Riesch der Sieg in Levi. „Ich hätte nie gedacht, dass ich gewinne“, sagte sie. „Aber das ist eben Levi.“

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