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Ski alpin Es war angerichtet

Die Neureuther-Festwoche steuert auf ihren Höhepunkt, den Heimsieg beim Riesenslalom zu. Doch das historische Ereignis fällt aus. Er landet nur auf Rang zwölf.

© AFP

Max Rieger war extra aus Mittenwald gekommen. Mittags hatte der Skischulbesitzer nach seinem Privatkurs alles stehen und liegen lassen, sich noch in Skikleidung ins Auto gesetzt, um live bei der Entscheidung des Weltcup-Riesenslaloms im zwanzig Kilometer entfernten Garmisch-Partenkirchen dabei zu sein. Denn es sah nach einem historischen Ereignis aus auf der Kandaharpiste. Fast auf den Tag genau vor 40 Jahren, am 2. März 1973, hatte Max Rieger als bisher einziger deutscher Skirennläufer ein Weltcuprennen in dieser Disziplin gewonnen, und nun führte Felix Neureuther nach dem ersten Durchgang. Den dritten Platz belegte Fritz Dopfer, der zweite deutsche Weltklassefahrer im Riesenslalom.

„Ich bin mir sicher“, sagte der 66 Jahre alte Rieger, „einer der beiden schafft es.“ Aber zuerst fädelte Dopfer gleich am vierten Tor ein und zog sich obendrein eine Prellung des linken Scheinbeines zu. Dann rutsche Neureuther kurz vor der dritten Zwischenzeit weg. Er blieb zwar im Kurs, fiel aber auf den zwölften Platz zurück. Statt der deutschen Nationalhymne vor 5000 Zuschauern erklang nun die Marseillaise für den Sieger aus Frankreich. Alexis Pinturault gewann vor dem Österreicher Marcel Hirscher und Weltmeister Ted Ligety aus den Vereinigten Staaten.

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Die Silbermedaille, die Felix Neureuther eine Woche zuvor beim WM-Slalom von Schladming gewonnen hatte, schien eine erlösende Wirkung gehabt zu haben. Der 28 Jahre alte Garmisch-Partenkirchner fuhr so gut wie noch nie in seiner zweitbesten Disziplin, es war eine fast perfekte Vorstellung. „Keine Ahnung, wie das gegangen ist. Ich hab einfach probiert, locker zu fahren und das ist mir scheinbar gelungen.“

Zu viel Ablenkung

Er hat es geschafft, sich auf das Rennen zu fokussieren, sich nicht mit der Atmosphäre, den Erwartungen beschäftigen. „Es ist nicht so einfach, gleich nach der WM einen Heim-Weltcup zu haben“, sagte er. „Man muss sehr, sehr viele Leute glücklich machen.“ Und obendrein vermittelte er dem kranken Hirscher auch noch seinen Arzt. Den Slalom-Weltmeister hatte auf dem Weg nach Garmisch-Partenkirchen am Samstag ein Magen-Darm-Virus befallen.

Erst am Montag war Neureuther nach einer ausgiebigen Feier mit seinem Dauerkonkurrenten Hirscher in Schladming nach Hause gekommen. Einen Tag später ging es mit der nächsten Party gleich weiter, beim Empfang seines Skiklubs. Auf Schnee kehrte Neureuther aber erst am Freitag zurück. Ganz bewusst, sagte er, „habe ich mich zwei Tage rausgenommen“. Der Akku, gibt er zu, sei leer. „Ich bin platt, denn die war mit extrem viel Stress verbunden.“ In Oberjoch und dann zusammen Ted Ligety am Gudiberg in Partenkirchen bereitete er sich auf sein Heimrennen vor. Er habe sich „ein bisschen was“ von dem besten Riesenslalomfahrer dieser Saison abgeschaut, „und das hat anscheinend ganz gut funktioniert.“ Im ersten Durchgang wenigstens.

Verpasste Chance

Die Organisatoren des Weltcups in Garmisch-Partenkirchen und der Deutsche Skiverband hatten sich in diesem Jahr um die Austragung eines Riesenslaloms neben der Abfahrt bemüht. Dass nun zum ersten Mal seit vielen Jahren gleich zwei lokale Athleten zu den Kandidaten für einen Platz auf dem Podest zählten in dieser Disziplin, war ein Glücksfall, erst recht, dass Neureuther seinen ersten Auftritt als Silbermedaillengewinner von Schladming haben würde. Schon bei der Startnummernauslosung am Samstagabend war der im Moment erfolgreichste Sohn der Werdenfelser Marktgemeinde bejubelt worden. In klirrender Kälte hatten ein paar hundert Fans auf den kurzen Auftritt Neureuthers gewartet.

Zu den Klängen von Tina Turners „Simply The Best“ katapultierte sich Neureuther am Sonntag als letzter der 30 Athleten im Finale aus dem Starthaus. Auf der Tribüne im Ziel wehten deutsche Fahnen, der Applaus begleitete den Lokalhelden auf dem Weg durch die Tore. „Leider hat der Felix dann einen kleinen, blöden Fehler gemacht“, sagte Neureuther enttäuscht. Im Ziel tröstete ihn zuerst Ligety, der vom Malheur seines Spezis profitierte, weil er so nach einem schwächeren ersten Durchgang doch noch auf dem Podest landete.

Der Ärger über die verpasste Chance legte sich so schnell nicht, aber immerhin weiß Neureuther nun, „dass ich auch im Riesenslalom Jungs wie Ted und Marcel ärgern kann“. Vielleicht schon in knapp zwei Wochen in Kranjska Gora. Gut möglich, dass Max Rieger bald nicht mehr einziger deutsche Weltcupsieger im Riesenslalom sein wird.

Quelle: F.A.Z.

 
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