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Sonntag, 19. Februar 2012
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Ski alpin Erhöhte Sturzgefahr

18.12.2009 ·  Der alpine Skirennsport beklagt so viele schwere Verletzungen wie noch nie. Die Suche nach den Ursachen läuft, Lösungen sind noch nicht in Sicht. Und Experten fragen sich, ob der Sport die Stürze gar braucht.

Von Elisabeth Schlammerl, Gröden
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Der Hubschrauber musste nicht in die Luft gehen, er stand auch am Ende des Superriesenslaloms im Grödner Tal noch an seinem Platz, und das ist die gute Nachricht. Ganz ohne Stürze ging es zwar auch beim alpinen Weltcuprennen, das Gesamtweltcupsieger Aksel Svindal aus Norwegen vor dem Schweizer Carlo Janka und Patrick Staudacher aus Italien gewann nicht, aber alle endeten halbwegs glimpflich - mit ein paar Prellungen. Spektakuläre Stürze bestimmten in diesem Winter den Weltcup, es findet kaum ein Rennen oder Trainingslauf statt, ohne dass es einen Verletzten gibt. Die prominentesten Opfer sind die ehemalige Gesamtweltcupsiegerin Nicole Hosp aus Österreich (Kreuzbandriss) und der kanadische Abfahrtsweltmeister John Kucera (Schien- und Wadenbeinbruch).

Die Anzahl der Stürze sei nicht ungewöhnlich hoch, findet Günter Hujara, Renndirektor des Internationalen Skiverbandes. „Aber dass jeder Sturz, jeder Fehler, jede außergewöhnliche Reaktion mit einer Verletzung endet, beunruhigt mich.“ Am Mittwoch traf er sich deshalb in Wolkenstein zuerst mit den Athletenvertretern und am Abend mit den Trainern. „Die Diskussionskultur macht mich zuversichtlich“, sagt der deutsche Cheftrainer Charly Waibel. Seit Mittwoch gehört auch er zu den von schweren Verletzungen betroffenen Nationen in diesem Winter. Beim ersten Training im Grödner Tal hatte sich Tobias Stechert einen Kreuzbandriss zugezogen - allerdings ohne zu stürzen. „Der Ausfall tut uns richtig weh“, sagt Waibel, „denn der Tobi hat sich gut entwickelt.“ In Lake Louise Ende November hatte der Oberstdorfer seine ersten Weltcuppunkte geholt, war knapp vor Andreas Strodl (Garmisch-Partenkirchen) gelandet, der am Freitag als 29. bester Deutscher war. Für den 24 Jahre alten Stechert ist es bereits der zweite Kreuzbandriss in seiner Karriere. Von den fünf deutschen Schnellfahrern im Weltcup ist bisher nur Hannes Wagner von einer schweren Verletzung verschont geblieben.

Meist ging es ums Material

„Ich beschäftige mich eigentlich nicht mit dem Thema, bis Stephan Keppler wieder sagt: Du bist der Nächste“, sagt der Allgäuer. Die Athleten begegnen dem permanenten Risiko eher mit Sarkasmus denn mit Angst. „Wenn du fünf Jahre ohne Verletzung im Weltcup rumfährst, meinst du ja, du bist unkaputtbar“, sagt Keppler, dessen Kreuzbandriss vor eineinhalb Jahren die erste große Blessur seiner Karriere gewesen war. „Aber irgendwann kommt jeder dran.“ Die Protagonisten und Verantwortlichen im Weltcup sind sich einig, dass sich etwas ändern muss. Endlich. Schon früher war nach schweren Verletzungen wie der des Schweizers Silvio Beltrametti in Val d'Isere 2001 oder Matthias Lanzinger in Kvitfjell 2008 heftig diskutiert worden, aber ohne nachhaltigen Erfolg.

Meist ging es ums Material. Vor drei Jahren beschloss der Skiverband auf Anraten von Experten, die Abfahrtsski zu verbreitern und die Maximalhöhe der Bindungsplatten zu verringern, in der Hoffnung, der Athlet stehe so stabiler auf dem Ski. „Jetzt weiß man, das war ein Fehler“, sagt Wolfgang Maier, Alpinchef im Deutschen Skiverband. „Je breiter der Ski“, kritisiert auch der Schweizer Abfahrer Didier Cuche, „desto mehr Masse hat er und desto mehr Kraft brauche ich, um ihn zu bewegen.“ Aber einen Rückschritt, den halten weder Trainer noch Läufer für sinnvoll. „Die Athleten werden immer einen Weg finden, sich der Technik anzupassen“, sagt Waibel. Außerdem, gibt Cuche zu bedenken, seien sich die Läufer viel zu selten einig. „Die einen wollen eine ruppige Piste in den Kurven, andere glatte.“

Braucht der Sport die Stürze?

Immerhin haben sie beschlossen, Materialänderungen nur noch zu akzeptieren, wenn es eine wissenschaftliche Untersuchung gibt. Man müsse sich Zeit lassen und alles genau prüfen, sagt Cuche. Die Trainer regten zudem an, einen Sportwissenschaftler anzustellen, der als Bindeglied zwischen Fis und den Mannschaften fungiert.

Die Athleten befinden sich in einem ständigen Zwiespalt. Einerseits, sagt Svindal, „möchten wir, dass es der schnellste Sport der Welt wird“, andererseits solle er so sicher wie möglich sein. „Die Challenge wollen wir schon haben“, sagt der Österreicher Michael Walchhofer. Sein Schweizer Kollege Ambrosi Hoffmann findet gar, dass „dieses Austesten der Grenzen, das hohe Tempo, die weiten Sprünge“ zum Skirennsport gehörten. „Das macht den Reiz aus.“ Der Forderungen der Athleten an die Fis beschäftigten sich deshalb mehr mit den Auswirkungen der Stürze als mit der Ursache. Auf ihrer Wunschliste steht der Einsatz eines medizinischen Teams oder ein zweiter Hubschrauber an jeder Weltcup-Strecke. Hoffmann stellte eine ganz andere, etwas ketzerische These auf. Wenn es bei Skirennen keine spektakulären Stürze mehr gäbe, „würde unsere Sportart dann überhaupt noch interessieren?“

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