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Ski alpin Die slowenische Diva Tina Maze

 ·  Eigenwillig, streitbar, fordernd - und jetzt auch das Maß der Dinge im alpinen Skisport. Doch nicht nur auf der Piste ist Tina Maze eine ebenbürtige Gegnerin für Lindsey Vonn.

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© AFP Vergrößern Geht ihren Weg ohne Kompromisse: Tina Maze, eine der besten Skirennfahrerinnen der Welt und neuerdings auch Sängerin

Tina Maze hat schon viel erlebt im Ski-Weltcup. Seit bald vierzehn Jahren fährt die Slowenin mit, beinahe ihr halbes Leben lang. Und doch lernt sie in dieser Saison den Beruf der Skirennläuferin von einer neuen Seite kennen. Die Neunundzwanzigjährige ist das Maß der Dinge in diesem Winter, dominiert im Riesenslalom, fährt im Slalom und Super-G auf das Podest und ist auch in der Abfahrt nicht weit weg von der Spitze. „Es ist schön, dass ich so fahre, wie ich es derzeit tue. Das ist aber neu für mich, so kenne ich mich nicht“, sagt sie.

Auch Lindsey Vonn muss sich daran gewöhnen, denn sie hat nun eine neue Herausforderin. In den vergangenen Jahren hieß das Duell um den Gesamtweltcup stets Vonn gegen Maria Höfl-Riesch. Die Deutsche war die Einzige, die die Siegesserie ihrer einst besten Freundin unterbrach und 2011 die große Kristallkugel gewann. Im vergangenen Winter zog die Amerikanerin dann allerdings konkurrenzlos an der Spitze auf und davon. Nun ist sie wieder in der Jäger-Rolle, sie muss aufpassen, dass ihr Tina Maze nicht enteilt.

263 Punkte Vorsprung hat die Riesenslalom-Weltmeisterin vor dem Rennwochenende in Val d’Isere auf Vonn, 234 trennen sie von Höfl-Riesch. Lindsey Vonn setzte bisher auf ihre Dominanz in Abfahrt und Super-G, hat auf Slalom-Starts verzichtet und im Riesenslalom nur ein paar Punkte geholt. Der Alpindirektor des Deutschen Skiverbandes, Wolfgang Maier, hält die Taktik der fünfmaligen Gesamtweltcupsiegerin für gefährlich. „Wenn sie weiter so pille-palle fährt, muss sie sich warm anziehen.“

Sich zu integrieren fällt Tina Maze schwer

Nicht nur auf der Piste ist Tina Maze eine ebenbürtige Gegnerin für die Meisterin der Psychospielchen aus Amerika. Die Slowenin agiert lieber, als zu reagieren. In St. Moritz sah sich Vonn mit dem Vorwurf konfrontiert, eine abfällige Bemerkung über Maze im Zielraum gemacht zu haben. Die Angelegenheit wurde sogar bei der höchsten Instanz, dem Internationalen Skiverband (Fis), vorgetragen, aber die Verantwortlichen schmetterten den Protest ab. Maze hatte sich wohl verhört, aber der Zwischenfall passt ganz gut ins Bild des neuen Ski-Duells.

Schon ein paar Mal hat die vielseitig Begabte aus Črna na Koroškem nahe der österreichischen Grenze die Fis beschäftig. Bei der WM 2011 in Garmisch-Partenkirchen zog sie die Zeitnahme in Zweifel, im vergangenen Winter trug sie unter ihrem Rennanzug Unterwäsche, die die Konkurrenz für regelwidrig hielt, weil sie zu wenig luftdurchlässig gewesen sein soll. Die Fis ordnete daraufhin an, auf das umstrittene Modell künftig zu verzichten. Mazes Antwort fiel pointiert aus. In Cortina d’Ampezzo entblößte sie im Zielraum ihren Oberkörper bis auf ein Bustier, auf dem stand „that’s not your business“ - das ist nicht eure Angelegenheit.

Maze gilt als eigenwillige und streitbare Athletin. Allein in den vergangenen beiden Jahren verschliss sie drei Serviceleute, ehe ihre Schweizer Skifirma im Sommer dem dringenden Wunsch nachkam und Andrea Vianello engagierte. Der Italiener hatte sich einst um die Ski von Alberto Tomba und später von Julia Mancuso gekümmert und scheint tatsächlich zu wissen, wie die slowenische Diva bei Laune zu halten ist. Er schätze Mazes Kompetenz, ließ er verlauten, aber stellte auch fest, dass sie sehr fordernd sei. Sich anzupassen, sich zu integrieren fällt Tina Maze schwer. Deshalb hatte sie sich 2008 auch vom Verband getrennt.

Der Spitze jedes Jahr ein Stückchen näher

Sie gründete mit ihrem Lebensgefährten Andrea Massi, bis dahin Fitnesscoach der slowenischen Mannschaft, ein Privatteam. Der Italiener holte seinen Landsmann Livio Magoni als Assistenten dazu. Der Einfluss aus dem Land des Dolce Vita „hat mich lockerer gemacht“, sagt Maze. So locker, dass sie sich mitten in der Vorbereitung auf diese Saison sogar Zeit nahm, ein Musikvideo aufzunehmen. Mit ihrem Song „My way ist my decision“ schaffte sie es in den slowenischen Charts innerhalb kürzester Zeit auf Platz eins. Eine nette Abwechslung, wie sie fand. „Aber mein Hauptberuf ist und bleibt Skifahrerin.“

Wie Lindsey Vonn ist Tina Maze auf den Erfolg fokussiert. Jedes Jahr kam sie der Spitze ein Stückchen näher. Der Sieg im Gesamtweltcup wäre für sie deshalb logisch. 2010 war sie Vierte, 2011 Dritte und im vergangenen Jahr Zweite. „Geht es nach der Mathematik, muss jetzt die Eins kommen“, sagt Maze. Vor allem körperlich fühlt sie sich so stark wie nie. Vor dieser Saison schickte Massi seine Freundin zum Klippenspringen, damit sie lernt, sich besser zu überwinden. Speziell bei schlechter Sicht hatte sie damit in den vergangenen Jahren Probleme. „Früher“, gibt sie zu, „habe ich nicht so gearbeitet.“ Mittlerweile wähnt sie sich auf Augenhöhe mit Lindsey Vonn. „Lindsey ist stark“, sagte sie in St. Moritz. „Aber sie ist nicht unschlagbar.“ Im Moment sieht es so aus.

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