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Ski alpin Die persönliche Gewinnzone erweitern

 ·  Olympiasiegerin Viktoria Rebensburg ist eine der besten Riesenslalomläuferinnen. Nun will sie auch in den Speed-Disziplinen in die Weltspitze vorstoßen. Ihren verpatzten Auftakt in den Weltcup hat sie abgehakt.

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© dpa Vergrößern Gut unterwegs: Riesenslalom-Spezialistin Viktoria Rebensburg verfolgt hohe Ziele

Natürlich war Viktoria Rebensburg sauer. Mächtig sauer. Man musste kein großer Menschenkenner sein, um das zu merken, es stand in ihrem Gesicht geschrieben, es klang aus den knappen Sätzen hervor, mit denen sie im Zielraum des Gletscherstadions von Sölden das ernüchternde Ende ihres persönlichen Weltcup-Auftakts beschrieb. Ausgeschieden im zweiten Lauf, nach Platz drei im ersten Durchgang des Riesenslaloms. In ihrer Spezial-Disziplin, in dem Wettbewerb, in dem sie 2010 Olympiasiegerin geworden ist, und in dem sie im vergangenen Winter die kleine Kristallkugel gewonnen hat, die Saisonwertung im Weltcup, zum zweiten Mal in Folge. Es spricht vieles dafür, dass Viktoria Rebensburg vom SC Kreuth die beste Riesenslalom-Läuferin ist, die derzeit im Weltcup zu sehen ist - und um so ärgerlicher war daher dieser Tag Ende Oktober in Sölden.

An diesem Samstag nun hat Viktoria Rebensburg die nächste Chance: beim zweiten Riesenslalom in Aspen im amerikanischen Bundesstaat Colorado. Der verpatzte Weltcup-Auftakt, sagt sie, „ist abgehakt. Ich habe mich natürlich zunächst geärgert, aber ich habe den Ausfall dann bald mit dem Trainer-Team analysiert.“ Eine Bodenwelle hatte sie von der Ideallinie abgebracht, sie kam in eine Rille, das Aus war nicht mehr zu vermeiden. So blieb als Muntermacher für Aspen nur ihre drittbeste Zeit im ersten Lauf - und natürlich die Erinnerung ans Jahr 2011. Da gewann sie den Riesenslalom im amerikanischen Promi-Hotspot. „Ich mag den Hang und das anspruchsvolle Gelände“, sagt Viktoria Rebensburg, für ihre Begriffe ist es der „anspruchsvollste Riesenslalomhang im Weltcup“ überhaupt.

Flexibleres, variableres und individuelleres Training

Auch aus diesem Grund glaubt sie nicht, dass sich die Umstellung auf die neuen Riesenslalomski in Aspen nun stärker auswirken wird als noch in Sölden. Mit den längeren, schmäleren, weniger taillierten Riesenslalombrettern, die in dieser Saison vorgeschrieben sind, hat sie sich inzwischen abgefunden, gezwungenermaßen. Am Anfang dachte sie noch: „Hilfe, was soll da kommen?“, sie fürchtete, nicht mehr so messerscharf wie bisher die Schwünge auf der Taillierung fahren zu können. Doch diese Befürchtung hat sich mittlerweile erledigt. „Es ist wie so oft im Leben“, sagt Viktoria Rebensburg, „wenn man sich auf die Sache mal einlässt, dann gewöhnt man sich dran“.

Eine positive Neuerung immerhin gab es zur neuen Saison auch: Das Trainerteam der Alpin-Damen wurde aufgestockt, fünf Betreuer kümmern sich jetzt um die acht Top-Athletinnen des Deutschen Ski-Verbands - ein Zuwachs, von dem auch Viktoria Rebensburg profitiert, nicht nur, weil ihr langjähriger Wegbegleiter Herbert Renoth nun auch dabei ist. „Man kann das Training jetzt flexibler und variabler gestalten, noch individueller auf die Bedürfnisse der Athleten eingehen“, sagt sie. Das soll auch den Speed-Ambitionen der Viktoria Rebensburg zugute kommen.

Schon in der vergangenen Saison hatte sie eine Ausweitung ihrer persönlichen Gewinnzone angepeilt, hatte versucht, sich neben ihrer Kernkompetenz im Riesenslalom zunehmend auch in den schnellen Disziplinen zu Hause zu fühlen, im Super-G und in der Abfahrt - mit wechselndem Erfolg. Sie schied einige Male durch unglückliche Fehler aus, Erfahrungssache hauptsächlich: „Ich war von der Linienwahl her teilweise zu direkt, dann bin einfach am nächsten Tor daneben gestanden.“ Im Super-G gibt es keinen Trainingslauf, sondern nur eine Besichtigung des Kurses, „dann muss der Lauf sitzen“, beim ersten Versuch. Dass sie Risikobereitschaft und Linienwahl freilich auch perfekt zu kontrollieren versteht, zeigte sie dann beim Weltcup-Finale im März in Schladming: Da gewann Viktoria Rebensburg nicht nur den Riesenslalom - sondern auch den Super-G.

Die kleine Kristallkugel verteidigen

„Da weitermachen, wo ich aufgehört habe“, das wünscht sich Viktoria Rebensburg daher nun für die neue Saison, denn: Schladming ist im Februar Schauplatz der alpinen Ski-Weltmeisterschaften. Trotz ihres Doppelsiegs beim Weltcup-Finale sieht sie sich im Super-G aber immer noch in der Rolle des Herausforderers - anders als im Riesenslalom, in dem sie eine Medaille gewinnen will, „am liebsten die goldene“. Und noch eins hat sie sich vorgenommen für diesen Winter: ihre kleine Kristallkugel im Riesenslalom zu verteidigen. Es wäre ihre dritte in Folge. Das hat noch nie eine deutsche Skirennläuferin geschafft, und seit der Schweizerin Lise-Marie Morerod in den siebziger Jahren auch keine andere mehr.

Die Studentin des Sportmanagements lässt das aber eher noch kalt. „Mein Anspruch ist natürlich gewachsen“, sagt sie, aber: „Wo ich diese Saison am Ende in der Wertung lande, werde ich dann im Frühjahr sehen.“ In dieser Hinsicht ruht die sonst in abenteuerlichen Schräglagen über schwierigste Hänge carvende Skirennläuferin ganz in sich. Warum auch nicht - Viktoria Rebensburg hat Zeit. Man vergisst das schnell, wenn man ihre ganzen Erfolge sieht, aber: Viktoria Rebensburg ist im Oktober gerade mal 23 Jahre alt geworden.

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