http://www.faz.net/-gtl-75ps7

Ski alpin : Das Maß heißt Maze

Im Schnee gelingt ihr alles: Tina Maze Bild: REUTERS

Tina Maze nimmt die Rennen wie sie kommen und fährt in allen Disziplinen aufs Siegerpodest. „Es ist nie langweilig“, sagt die Slowenin, die 20 Mal mehr Preisgeld gewonnen hat als das gesamte Schweizer Männer-Team zusammen.

          Es ist schon fast beängstigend. Zumindest, wenn man sich die nackten Zahlen vor Augen hält. So, wie sie das jüngst in der Schweiz taten. Dort kämpfen die Ski-Männer derzeit erbittert um den Anschluss an die Weltspitze, und so rechneten sie dort vor Weihnachten aus, dass die Slowenin Tina Maze allein schon 20 Mal mehr Preisgeld verdient habe als das gesamte Schweizer Männer-Team zusammen - durch die fünf Weltcup-Siege und vier weiteren Podestplazierungen, die sie bis dahin geschafft hatte.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Die 29 Jahre alte Tina Maze ist ihren Konkurrentinnen im Moment nicht nur finanziell weit voraus. „Sie ist bis jetzt die beste Allround-Skifahrerin in dieser Saison“, sagt Lindsey Vonn, Gesamtweltcupsiegerin des Vorjahrs. Das Projekt Titelverteidigung hat der amerikanische Skistar so gut wie abgeschrieben. Der eine Grund dafür ist, dass sie zuletzt mit einer schweren Magen-Darm-Infektion zu kämpfen hatte, in deren Folge sie vier Wochen Weltcup-Pause einlegte und sechs Rennen verpasste. Bei ihrer Rückkehr am Wochenende in St. Anton wurde sie Sechste in der Abfahrt und Vierte im Super-G - kein überragendes, aber „ein gutes Wochenende, um darauf aufzubauen“, sagte Vonn.

          Der andere Grund aber ist, dass Tina Maze in diesem Winter mit einer Konstanz ein Spitzenresultat ans nächste reiht, die verblüffend ist. Nach Weihnachten machte sie genau da weiter, wo sie davor aufgehört hatte: mit drei Podiumplazierungen. Am Samstag, in der wegen des vielen Neuschnees verkürzten Abfahrt von St. Anton, landete sie beim Überraschungssieg der Amerikanerin Alice McKennis auf Rang vier - ehe sie tags darauf im Super-G zum sechsten Mal in dieser Saison ganz oben stand. Und sich damit einen Traum erfüllte: Der Super-G war die einzige Disziplin, in der sie bisher noch kein Weltcup-Rennen gewonnen hatte.

          Meisterin aller Klassen

          Nun ist die Riesenslalom-Weltmeisterin die sechste Skirennläuferin, die in allen fünf Disziplinen mindestens einen Weltcup-Sieg verbucht hat - neben der Österreicherin Petra Kronberger, der Kroatin Janica Kostelic, den Schwedinnen Pernilla Wiberg und Anja Pärson sowie Lindsey Vonn.

          „Es ist unglaublich“, sagte Tina Maze. „Ich habe das letztes Jahr schon probiert, und es hat sehr knapp nicht geklappt.“ Damals wurde sie in Bad Kleinkirchheim Zweite, geschlagen nur von der Schweizerin Fabienne Suter, die am Sonntag Dritte wurde. Vor einem Monat dann war sie dem „Ski-Grand-Slam“ noch einmal sehr nahe gekommen, damals war nur Lindsey Vonn schneller. Nun ist es geschafft. „Ich bin sehr zufrieden, dass ich jetzt in diesem Klub bin“, sagte Tina Maze. Und gab zu: „Ein bisschen Glück war auch dabei“ - vier Hundertstelsekunden nur trennten sie am Ende von der zweitplazierten Österreicherin Anna Fenninger.

          Sie ist erst die sechste Frau, die in allen fünf Disziplinen ein Weltcup-Rennen gewann Bilderstrecke
          Sie ist erst die sechste Frau, die in allen fünf Disziplinen ein Weltcup-Rennen gewann :

          Mazes Meilenstein hat freilich mit viel mehr als nur Glück zu tun. Wer als Allrounderin so viele Rennen bestreitet wie sie, muss erst einmal körperlich die nötigen Voraussetzungen mitbringen. Die erarbeitete sie sich durch hartes Training im Sommer. „Die Basis ist sehr wichtig“, sagt sie. Ihr Betreuerteam besteht aus drei Italienern und einem slowenischen Physiotherapeuten, angeführt wird es von ihrem Lebensgefährten Andrea Massi, den sie 2002 kennenlernte, als er Fitnesstrainer im slowenischen Verband wurde. Seit 2008 betreiben Maze und Massi ihr eigenes kleines Team. Zur körperlichen Fitness kommen bei der Slowenin Selbstsicherheit, mentale Stärke, technische Stabilität und das richtige Material - eine Kombination, die im Moment kaum zu schlagen ist. „Es gibt halt solche Phasen, in denen läuft es fast von alleine“, sagt Maria Höfl-Riesch, die am Sonntag Fünfte wurde. Sie hat solche Phasen selbst erlebt - nun ist es Tina Maze. Auch Viktoria Rebensburg zollt der Konkurrentin viel Respekt. „Sie fährt technisch sehr, sehr stark Ski“, sagt sie, „und sie schafft es, jedes Rennen auch runter zubringen, ob im Super-G oder im Slalom. Hut ab vor dieser Leistung.“

          Das gilt erst recht beim Blick auf die Gesamtwertung. Die führt Tina Maze mit 1189 Punkten an - 490 Zähler vor der zweitplazierten Maria Höfl-Riesch. Damit ist Tina Maze auf bestem Weg zu der sporthistorischen Marke, an der Lindsey Vonn in der vergangenen Saison hauchdünn gescheitert war: als erste Skirennläuferin 2000 Punkte in einem Winter zu schaffen. „Wenn ich so weitermache, sind die 2000 Punkte realistisch“, sagt Tina Maze. Im Moment spricht nicht viel dagegen, dass der Rekord fällt. Am Dienstag schon geht es für Tina Maze mit dem Nachtslalom in Flachau weiter. Abfahrt, Super-G, Slalom - sie nimmt es, wie es kommt. „Ich mache dieses Programm seit fünf Jahren“, sagt sie, da sei die Umstellung von Speed- auf Technikrennen kein Problem mehr. Im Gegenteil. „Dieses Programm gefällt mir“, sagt Tina Maze. „Es ist nie langweilig.“

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Trumps UN-Rede : Feurige Worte und tödliche Missverständnisse

          Donald Trump hebt die Bedeutung „souveräner Nationalstaaten“ hervor und teilt gegen Nordkorea aus. UN-Generalsekretär Guterres mahnt zur Einigkeit – mit einem Seitenhieb gegen den amerikanischen Präsidenten.

          Schwache Zahlen : Die unsichere Ernte der Grünen

          Vor vier Jahren lehnten die Grünen eine Koalition mit der Union ab. Nun würden sie gerne, doch es sieht schlecht aus. Die aktuellen Prognosen sprechen gegen Jamaika.
          Mathias Döpfner beim Zeitungskongress in Stuttgart.

          Verleger gegen ARD : Was Döpfner wirklich gesagt hat

          Der Verleger-Präsident Mathias Döpfner hält eine feurige Rede und teilt gegen die Medienpolitik, ARD und ZDF aus. Die ARD-Chefin Wille reagiert wie zu erwarten mit einem Beißreflex. Und produziert „Fake News“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.