24.10.2009 · Olympische Spiele 2010, Heim-WM 2011: Mit dem Weltcupauftakt in Sölden beginnen für die Skirennläuferin Maria Riesch am Samstag die zwei wichtigsten Jahre ihrer Karriere.
Von Elisabeth Schlammerl, SöldenDie Skiindustrie hatte einst die glorreiche Idee, den Beginn des alpinen Weltcup-Winters in den goldenen Herbst zu verlegen, um das Weihnachtsgeschäft mit der Skiausrüstung frühzeitig anzukurbeln. Die Firmen präsentieren also auch dieses Jahr wieder vor dem ersten richtigen Schneefall auf dem Rettenbachgletscher in Sölden ihre Protagonisten und Produkte, daran hat auch die Wirtschaftskrise nichts geändert. Allerdings wurde dieses Mal nicht mehr ganz so pompös aufgetrumpft wie in früheren Jahren.
Für Training blieb den Skirennläufern in den beiden Tagen vor den beiden Riesenslaloms am Samstag und Sonntag dennoch keine Zeit. Die deutsche Slalom-Weltmeisterin Maria Riesch hetzte am Donnerstag von der Vorstellung ihrer Skifirma zur Einladung des Weltcup-Generalsponsors und weiter zum PR-Termin ihres Kopfsponsors. Dazwischen musste sie noch ihren neu gestylten Helm in Empfang nehmen.
Neue Konkurrenzsituation
Aber Maria Riesch ist Stress ja gewohnt. Dass sie zumindest bei ihrem Skiausrüster im Schatten von Lindsey Vonn stand, dürfte ihr nicht besonders gut gefallen haben. Immerhin war sie da bisher die Nummer eins im Frauenteam gewesen. Der Wechsel der Gesamtweltcupsiegerin aus den Vereinigten Staaten zu Head hatte bei Maria Riesch zunächst für Irritationen gesorgt, denn wie alle anderen Skifirmen hatte der Vorarlberger Skibauer aus finanziellen Gründen den Service für die Sommermonate gestrichen. „Am Anfang habe ich mir schon gedacht: Puh, krass, da gibt es Sparmaßnahmen ohne Ende, und dann kaufen die die Lindsey ein“, gab sie zu. Doch der Ärger hat sich gelegt, und die Freundschaft, beteuern beide, habe auch keinen Schaden genommen durch die neue, zusätzliche Konkurrenzsituation. Lächelnd posierten sie am Donnerstag zum x-ten Mal für ein gemeinsames Foto.
Im deutschen Ski-Team ist Maria Riesch unterdessen noch immer die alpine Frontfrau, obwohl sie im vergangenen Winter Verstärkung bekam. In Sölden ist sie nicht die einzige deutsche Weltmeisterin, die am Samstag an den Start gehen wird. Kathrin Hölzl gewann im Riesenslalom in Val d’Isère vor acht Monaten den WM-Titel, die 20 Jahre alte Viktoria Rebensburg war die Riesenslalom-Beste bei den Junioren-Titelkämpfen Anfang März. Drei deutsche Weltmeisterinnen waren beim Auftakt nicht einmal in den erfolgreichen Zeiten von Katja Seizinger, Hilde Gerg und Martina Ertl am Start gewesen.
Hölzl und der WM-Titel
Kathrin Hölzl wiegelt aber ab, wenn die Sprache auf ihre Goldmedaille kommt. „Jetzt geht es doch wieder von vorne los“, sagt sie. „Das, was in Val d’Isère war, zählt nicht mehr.“ Die 25 Jahre alte Bischofswiesenerin ist eben pragmatisch, der stete Blick zurück, das weiß sie, hilft nicht auf dem weiteren Weg. „Wenn ich damit zufrieden wäre, hätte ich ja aufhören können. Aber ich möchte noch viel erreichen.“ Bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver im Februar zum Beispiel eine Medaille gewinnen und davor vielleicht den ersten Sieg im Weltcup schaffen.
Außerdem will sie endlich einmal beim Saisonauftaktrennen ganz vorne mitfahren, bisher war sie zweimal Achte geworden. „Das ist eigentlich das beste Rennen, um zu gewinnen“, findet sie. Denn alle Fahrerinnen seien nervös, und „jede schaut darauf, was die anderen machen“. Allerdings musste sie vor zwei Wochen eine kurze Trainingspause einlegen. Eine Blase am Fuß, verursacht durch neue, hohe Schuhe, hatte zu einer Blutvergiftung geführt.
Die Frage, die Kathrin Hölzl in den vergangenen Wochen wohl am häufigsten beantworten musste, ist die nach den Veränderungen in ihrem Leben durch den WM-Titel. „Es läuft alles ganz normal weiter“, sagte sie dann stets. Immerhin hat sie endlich einen Kopfsponsor gefunden und wird nun in Sölden zum ersten Mal für eine Allgäuer Molkerei werben, die laktosefreie Milch herstellt. Nach ein paar Ehrungen daheim in Bischofswiesen im Anschluss an die Saison legte sich der große Rummel bei ihr schnell. „Es gab kein Grundstück und keine Ehrenbürgerschaft“, erzählt sie „Und auch meine Steuern muss ich weiter bezahlen.“
Rieschs Kampf um Sponsoren
Da ergeht es Maria Riesch zwar nicht anders, aber die 24 Jahre alte Partenkirchenerin schaffte es immerhin, ihren Bekanntheitsgrad abseits der Piste zu steigern. Ihr neuer Manager Marcus Höfl betreut unter anderem Franz Beckenbauer, Boris Becker und Franziska van Almsick und verschaffte seinem Schützling in den ersten Monaten der Zusammenarbeit einen Zugang in die Welt der Promis. Maria Riesch tingelte den Sommer über durch Fernsehshows und stand dank eines Besuchs bei der Hochzeit Boris Beckers in den Klatschspalten. Den Trainern dürfte der Hang zum Glamourösen nicht immer gefallen, allerdings attestieren sie Maria Riesch großen Trainingsfleiß. Die PR-Tour sei mit Beginn der Saison erst einmal vorbei, sagte Cheftrainer Mathias Berthold. Und auch Maria Riesch weiß, dass sie sich jetzt auf das Wesentliche konzentrieren muss.
Ob sie tatsächlich in für deutsche Skirennläuferinnen bisher nicht erreichbare Werbedimensionen vorstoßen kann, hängt von ihrem Abschneiden bei den Winterspielen in Vancouver und ein Jahr später bei der Heim-WM in Garmisch-Partenkirchen ab. „Das sind die zwei wichtigsten Jahre meiner Karriere“, sagt sie. „Da möchte ich zuschlagen.“