Der alpine Skisport in Deutschland ist seit Jahren auf der Suche nach mehr Aufmerksamkeit, nach mehr Fernsehzeit, nach mehr Sponsoren, nach mehr Erfolg. Erst Skispringen, dann Biathlon - die Alpinen standen mangels Siegen und attraktiven Vorfahrern oft im Schatten der hauseigenen winterlichen Konkurrenz. Wenn jemand hierzulande von Skirennen schwärmte, dann vor allem aus nostalgischen Gründen: Weißt du noch: die Rosi, die Seizinger, die Ertl, die Gerg, der Wasi! Alles verdammt lang her.
Doch nur Skispringen, Biathlon, Langlauf, damit ist auch kein Winter zu füllen; der Alpinbereich, sagt Verbandspräsident Alfons Hörmann gerne, habe in der Außenwahrnehmung eine alles entscheidende Bedeutung für den Deutschen Ski-Verband. Entsprechend sehnsüchtig fiel das Warten auf ein Comeback der deutschen Skifahrer aus. Nun ist es so weit, die DSV-Frauen um Maria Riesch, Viktoria Rebensburg und Kathrin Hölzl haben die aktuelle Saison genutzt, um an die großen Erfolge ihrer Idole anzuknüpfen, nachdem sie vor einem Jahr schon einmal mit zwei WM-Titeln (Maria Riesch/Slalom, Kathrin Hölzl/Riesenslalom) aufhorchen ließen.
Wieder als Premiumsportart geworden
Und nun dreimal Gold bei Olympia in Vancouver sowie der Weltcup-Gesamterfolg im Riesenslalom (Kathrin Hölzl), dem an diesem Samstag ein weiterer im Slalom (Maria Riesch) folgen kann - die aufsehenerregenden Erfolge der deutschen Skidamen kommen spät, aber doch genau zur rechten Zeit. Sie machen Lust auf die WM im nächsten Jahr in Garmisch-Partenkirchen, sie sorgen für Einschaltquoten, für Interesse von Sponsoren.
Gewöhnlich wird es im Sommer ruhig um die Skifahrer; als Halbjahres-Wettkampfsportler müssen sie, wenn es im Oktober in Sölden aufs Neue losgeht, erst wieder um öffentliche Wahrnehmung kämpfen. Das wird sich nun ändern. Vor allem Maria Riesch und Viktoria Rebensburg haben sich einen goldumrandeten Namen gemacht, der über den Sommer in Erinnerung bleiben wird. Und im nächsten Jahr bietet Garmisch-Partenkirchen dann die große Chance, die Erfolgsgeschichte fortzuschreiben, den alpinen Skisport hierzulande endgültig wieder als Premiumsportart im Bewusstsein der Menschen zu verankern. Wenn dies gelingt, wird es das Verdienst der Damen sein; die Männner rutschen in Person des Ein-Mann-Teams Felix Neureuther weiterhin arg hinterher.