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Shorttracker Tyson Heung Vom Eise befreit

10.02.2010 ·  Tyson Heung, in Kanada geboren, beginnt nach den Winterspielen ein neues Leben in seiner Heimat. Bei Olympia geht er im Shorttrack für Deutschland an den Start - als Underdog. Am Höhepunkt seiner Karriere tritt er ab.

Von Rainer Seele
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Die Geschichte von Tyson Heung wird bald zu Ende sein, jedenfalls jenes Kapitel, das den Sportler Heung betrifft. Die Öffentlichkeit in Deutschland wird das vermutlich kaum wahrnehmen, sie nimmt ja auch jetzt nur wenig Notiz von Heung. Obwohl er doch hierzulande einer der Besten seines Fachs ist, obwohl er bereits an den Olympischen Winterspielen in Turin teilgenommen hat und auch für Olympia in Kanada nominiert wurde, was in ihm besondere Empfindungen ausgelöst hat. Schließlich ist der deutsche Shorttracker bei seinen Wurzeln angekommen: Er wurde in Brampton in Kanada geboren, und er sagt deshalb, dass dies nun der Höhepunkt seiner Karriere sei.

Heung ist schon jetzt, noch ehe die Wettbewerbe in Vancouver begonnen haben, auf dem Gipfel angelangt. Es hätte nicht besser kommen können für ihn. In diesen Tagen verbinden sich all seine Elemente, die kanadischen und die deutschen, er genießt das Aufeinandertreffen zweier Welten im Zeichen Olympias. Und vielleicht fällt es ihm danach auch leichter, Abschied zu nehmen vom Sport. Heung, 30 Jahre alt, wird nach dieser Saison das Eis verlassen, und er wird sich auch von Deutschland lösen. Er will ein neues Leben in seiner Heimat beginnen.

Geschwindigkeit, Geschicklichkeit, Ellbogeneinsatz

Es ist allerdings keineswegs so, dass Heung sich nicht heimisch fühlen würde in Deutschland. Er wohnt in Dresden, hat Land und Leute schätzen gelernt – und ebenso die Möglichkeiten, die sich ihm als Shorttracker in Dresden bieten. Dort hat die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft einen Stützpunkt für eine Sparte eingerichtet, die in Deutschland ein Nischendasein fristet.

Dort arbeitet Bundestrainer Eric Bedard, ebenfalls ein Kanadier, regelmäßig mit den besten Läuferinnen und Läufern. „Wir haben ein bisschen Erfahrung“, sagt Heung über die Qualität der Deutschen, die sich unter Bedards Betreuung weiterentwickelt haben – die deutsche Männer-Staffel strebt in Vancouver, natürlich mit Heungs Unterstützung, die Finalteilnahme an.

Aber trotz aller Fortschritte sind die Deutschen in einem Gewerbe, in dem es auf Geschwindigkeit und Geschicklichkeit und Ellbogeneinsatz ankommt, immer noch Lernende. „Es dauert, etwas aufzubauen“, sagt Heung, und er scheint es ein wenig zu bedauern, das Werk seines Landsmanns Bedard nach Olympia nicht mehr begleiten zu können. Jedenfalls sagt er: „Leider werde ich dann nicht mehr da sein.“

„Normalerweise“ der schnellste Deutsche

Heung hatte auch der kanadischen Nationalmannschaft angehört, er war dort etwa auf Rang sechs geführt worden – es waren allerdings sehr harte Zeiten für ihn, nicht zuletzt wegen einer Doppelbelastung. Der Shorttracker studierte auch noch, Mathematik und Physik, kein anderer Läufer im kanadischen Team war einem solchen Stress ausgesetzt. Da war die Möglichkeit, vor Olympia 2006 in Turin die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen, ein willkommener Ausweg. Heung – seine Mutter stammt aus der Nähe von Würzburg, sein Vater aus Hongkong – findet, mit diesem Überschreiten einer Grenze die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Sogar seine kanadischen Kollegen, sagt er, hätten ihn dazu beglückwünscht.

In Bedards Gruppe wurde Heung zu einer Führungsfigur, über 500 Meter ist er der schnellste Deutsche, „normalerweise“. Im Jahr 2007 gewann er den Weltcup auf dieser Strecke. In Vancouver wird es bei der Hatz über 500 Meter für Heung nicht zu einer Medaille reichen; er wäre zufrieden, würde er unter den Top Ten landen. Heung weiß, dass der Druck für die Kanadier auf eigenem Terrain wesentlich größer ist; er spürt deshalb auch keine Wehmut, nicht mehr für dieses Land zu starten. „Es ist einfacher, als Underdog zu laufen.“ Als Deutscher eben.

Seine Zukunft aber liegt in Kanada, eindeutig. Heung will sich in Montreal eine Stelle als Lehrer suchen, weil dort auch seine Freundin lebt, eine ehemalige Shorttrack-Läuferin. Sie hatte schon 2006 gehofft, dass er aufhören würde – und, wie Heung erzählt, in Turin „eine gute Flasche Wein“ gekauft, um darauf anzustoßen. Er hat seine Partnerin enttäuscht. Aber bald wird Heung das Glas doch noch erheben. Weil er dann endgültig vom Eis befreit sein wird und getrost nach Kanada zurückkehren kann.

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