Sarah Burke lag neun Tage im Koma, und während dieser Zeit drangen einige Informationen über ihren Gesundheitszustand an die Öffentlichkeit. Bei ihrem Sturz am 10. Januar in der Superpipe von Park City war ein wichtiges Blutgefäß gerissen. Als Folge einer massiven Hirnblutung blieb dann ihr Herz stehen. Obwohl die Ärzte die Kanadierin noch einmal wiederbeleben konnten, vermittelten Tests später ein erschreckendes Bild: Das Gehirn von Sarah Burke hatte „aufgrund des Mangels an Sauerstoff und Blut irreversible Schäden“ erlitten, hieß es. Am Donnerstag erlag Sarah Burke in einem Krankenhaus in Salt Lake City ihren schweren Verletzungen.
Auf die Nachricht über den Tod der 29-jährigen Kanadierin, die ein Star der Risikosportart Freestyle-Skifahren war und schon als große Favoritin auf die Goldmedaille in Sotschi in der Halfpipe gehandelt worden war, reagierten Wintersportler in Nordamerika mit großer Trauer und Bestürzung. „Sarah war größer als das Leben, ein phänomenaler Repräsentant ihres Sports und hat ihr Leben in vollen Zügen genossen“, sagte Peter Judge, Geschäftsführer des Kanadischen Freestyle-Ski-Verbandes (CFSA). Die kanadische Weltmeisterin Roz Groenewoud schrieb auf Twitter: „Danke, dass du sechs Jahre lang eine großartige Teamkollegin warst und mehr an mich geglaubt hast als ich selbst. Du wirst immer meine Heldin bleiben. Liebe dich Sarah.“
Auf einem Spendenkonto zur Abdeckung der Krankenhaus-Kosten, die sich auf etwa eine halbe Million Dollar belaufen sollen, war bis Freitagmorgen eine fünfstellige Summe eingegangen. Das Geld wird gebraucht. Denn Sarah Burke war nicht bei einem offiziellen Verbandswettbewerb gestürzt, sondern bei einem Training für einen ihrer Sponsoren. Es ist unklar, ob sie versichert war. Der Tod der Kanadierin, die unweit der olympischen Skihänge von Whistler lebte, wird denn auch die Winter X Games überschatten, die in der kommenden Woche in Aspen stattfinden.
Die Extremwettbewerbe, die vom Sportfernsehsender ESPN inszeniert werden, haben in Nordamerika viele Stars hervorgebracht. Sarah Burke hatte bei diesen jährlich ausgetragenen Events fünfmal gewonnen. Bei einer dieser Veranstaltungen hatte sie 2009 bei einem Sturz einen Wirbelbruch erlitten. Das hatte sie jedoch nicht stoppen können: „Ich mache das schon elf Jahre“, sagte sie. „Ich habe Glück gehabt, was Verletzungen betrifft. Es ist Teil des Sports. Jeder tut sich weh. Im Rückblick würde ich alles wahrscheinlich ganz genau so machen.“
Der Flirt mit dem Risiko macht die Disziplin mit den von Punktrichtern bewerteten gewagten Schrauben und Salti so attraktiv für Zuschauer und fürs Fernsehen. Die Verantwortlichen weisen aber gerne vorsorglich jede Debatte über die Gefahren zurück. Und das, obwohl die Wände der Halfpipes, die wie riesige Schneewannen aussehen, inzwischen auf sieben Meter angewachsen sind und Stürze aus solchen Höhen auf die harten Pisten unweigerlich schwere Blessuren nach sich ziehen können. „Es gibt überall Risiken“, sagte CFSA-Geschäftsführer Judge jetzt. „Freestyle ist eine sehr sichere Sportart, weil wir einen sicheren Sport aufbauen mussten, um zu den Olympischen Spielen zugelassen zu werden.“
Sarah Burke hatte 2010 ihren Landsmann Rory Bushfield geheiratet, ebenfalls ein Freestyle-Skifahrer. Die beiden standen im Mittelpunkt eines Dokumentarfilms, in dem sie ihre romantische Zuneigung zum Winter in den Bergen so beschrieben: „Das ist unser Leben. Hier haben wir uns getroffen. Hier spielen wir. . .“ sagt Sarah Burke, unterbrochen von Bushfield, der hinzufügt: „Und hier werden wir hoffentlich sterben.“