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Rodeln Ein Dämpfer für die Konkurrenz

 ·  Mit einer Regeländerung sollten die deutschen Rennrodler gebremst werden. Aber die Konkurrenz hat sich verpokert. Nun sind sie noch überlegener als zuvor.

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© dpa Vergrößern Allein unter Deutschen: Der drittplazierte Italiener Armin Zöggeler (r.) feut sich eher gezwungen neben Sieger David Möller und dem Zweiten Felix Loch (l.)

Armin Zöggeler starrte finster ins Publikum. Der Methusalem des Rodelsports aus Italien hatte sich beim Weltcup in Winterberg gerade auf Platz drei ins Ziel gerettet, nachdem er im zweiten Lauf gegen eine Bande gerasselt war. Jetzt stand er auf dem Podest, flankiert von fünf Deutschen, und wartete darauf, dass Helena Fromm, Olympia-Dritte im Taekwondo von London und gebürtige Sauerländerin, ihm gratulieren würde.

Fromm schüttelte erst den Deutschen die Hände, David Möller, dem Sieger, Felix Loch, dem Zweiten und Weltcup-Führenden, Julian von Schleinitz, Johannes Ludwig und Andi Langenhan, Plätze vier bis sechs. Dann war Zöggeler dran. Er zog Helena Fromm zu sich, küsste sie auf beide Wangen, die Zuschauer johlten, Zöggeler reckte die Arme, er lächelte kurz. Dann blickte er wieder ernst ins Publikum.

Die Stimmung ist gedrückt bei der Konkurrenz der Deutschen. Sie waren in den vergangenen Jahren stets erfolgreich gewesen, vor allem die Frauen, während Männer und Doppelsitzer den einen oder anderen Mitstreiter aus anderen Nationen in der Spitze geduldet hatten.

41 Mal unter den besten drei

Doch seit dieser Saison schaffen es die ausländischen Mitbewerber kaum auf das Podest. In dieser Saison fuhren die Deutschen vor dem Weltcup in Winterberg am vergangenen Wochenende 41 Mal unter die besten drei (36 Mal zum gleichen Zeitpunkt 2012). Siebenmal waren sie auf dem Podium unter sich (fünf) und gewannen fünf von fünf Teamstaffeln (drei).

In Winterberg machten sie munter weiter: Platz eins und zwei für Möller und Loch, Platz eins bis drei bei den Frauen (Natalie Geisenberger, Anke Wischnewski, Tatjana Hüfner), Platz zwei für die Doppelsitzer Toni Eggert und Sascha Benecken. „Die Deutschen haben noch mal einen Schritt gemacht“, sagt René Friedl, Trainer der Österreicher. „So stark waren wir zuletzt in tiefsten DDR-Zeiten“, erzählt Bundestrainer Norbert Loch, „da ist natürlich die Frage, wie wir dahin gekommen sind.“

Loch hält kurz inne. Dann redet er über das deutsche System. Über die Nachwuchskader, aus denen Talente sprudeln wie Leitungswasser aus dem Hahn: „Das ist das Wichtigste.“ Über die vier Rodelbahnen in Winterberg, am Königsee, in Oberhof und in Altenberg, so viele Eisrinnen hat keine anderes Land auf der Welt. Über die Stützpunkte, die sich neben den Bahnen angesiedelt haben, anders als in Italien, Russland oder Kanada, wo es kaum eine Anbindung zu den Anlagen gibt.

Über den schnellen Start seiner Rodler („das A und O“), den Konkurrenzdruck in der eigenen Mannschaft, die hauptamtlichen Trainer („das Allerallerwichtigste“). Loch denkt noch an die Bundeswehr und Polizei, die seine Athleten finanziell absichern, und an die Disziplin des Doppelsitz-Partners von Tobias Wendl: Tobias Arlt hat vor der Saison abgespeckt.

Die Gegner haben sich verpokert

Das System ist stark, keine Frage. Aber da ist noch etwas. Eine Regeländerung, die der Internationale Rennrodel-Verband (Fil) im Sommer durchwinkte. Bis zur vergangenen Saison durften die Rodler zwischen Kufe und Laufschiene ihrer Schlitten dünne Gummiplättchen einbauen. Die wirkten wie Stoßdämpfer beim Auto: Die Kufen schluckten Unebenheiten. Jeder Kontaktverlust zum Eis reduziert das Tempo und die Steuerbarkeit.

Im Sommer 2012 verbot die Fil sämtliche dämpfende Elemente - auf Antrag der deutschen Gegner. „Die dachten, wenn wir nicht besser werden, schwächen wir die anderen“, sagt Loch. Vor der Saison mussten alle umrüsten. 30 000 Euro gaben die Deutschen für den Umbau ihrer knapp 150 Schlitten aus. Vor dem ersten Weltcup Ende November in Innsbruck wusste niemand, ob sich am Kräfteverhältnis etwas geändert haben würde.

Das Gegenteil war der Fall: Die Deutschen, stets schnell bei der Suche nach Ersatzlösungen, gewannen alles. „Das war ein großer, psychologischer Vorteil“, sagt Loch. Seit Innsbruck arbeiten die Deutschen dann nur noch am Feinschliff, etwa am ohnehin starken Start. Die Konkurrenz musste derweil das Setup der Schlitten überprüfen, noch mehr experimentieren in Training und Wettkampf - ein Nachteil im vorolympischen Winter.

Hoffnung aufs Wetter

Und sonst? Bleibt nur die Hoffnung auf das Wetter, auf Kälte, „da rückt das Feld zusammen“, sagt der österreichische Trainer Friedl. In Winterberg war es kalt, sein Doppelsitzer-Team Andreas und Wolfgang Linger gewann, zum ersten Mal in dieser Saison. Weil die deutschen Seriensieger Wendl/Arlt im ersten Lauf wie eine Flipperkugel von Bande zu Bande geprallt waren und Achte wurden.

Ansonsten trug nur noch David Möller zu etwas Abwechslung bei. Er verweigerte nach seinem Sieg zunächst die Teilnahme an der Plauderstunde beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen, diskutierte mit einem Funktionär („David, komm, David!“), trottete doch vor die Kamera und trug der Reporterin seinen Ärger vor: „Seit zwei Jahren interessiert ihr euch nicht für mich!“ Dann lief die Kamera: „Nach zwei Weltmeisterschaften ohne Medaille wäre es mal wieder schön, auf dem Podest zu stehen.“ Wenn er so weiterfährt, sollte die Fernsehpräsenz in zwei Wochen bei der Weltmeisterschaft in Kanada kein Problem sein.

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