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Olympia-Kommentar : Eine Chance im Scheitern

Der bayrische Wille ist eindeutig: Wir wollen kein „Olympia dahoam“ Bild: dpa

Das „Nein“ zur Münchner Bewerbung mag bitter sein für manchen Sportkameraden. Aber in diesem Votum liegt auch eine Chance für die olympische Bewegung. Falls sie sich denn ehrlich fragt, woran es gelegen hat.

          Von dieser heftigen Niederlage wird sich die olympische Bewegung in Deutschland so schnell nicht erholen. Zumindest erlebt unsere Generation kaum mehr ein Wintermärchen des Sports in München.

          Dazu ist zu viel passiert in den vergangenen Jahren: Erst verloren die Olympiabewerber das Rennen gegen die südkoreanische Kampagne um die Ausrichtung 2018 mit Pauken und Trompeten. Jetzt, als die Politiker und der Sport eine Basis im Volk suchten, scheiterten sie am Willen der Bürger.

          Das ist keine Schande, im Gegenteil: Es ist eine große Qualität unserer Gesellschaftsform, dass die Menschen mitreden dürfen, wenn es um ihr Geld und ihre Lebensumgebung geht. Wie wohl die Russen vor der Umsetzung des viele Milliarden teuren Prestigeprojekts in Sotschi 2014 – brutal in den Berg gesprengt – gestimmt hätten, wenn Putin mal gefragt hätte? Auch in Peking, seit kurzem Mitbewerber um die Winterspiele 2022, stand die Mitbestimmung nicht auf dem Handzettel der Olympia-Organisatoren.

          Insofern ist es beruhigend zu wissen, dass hierzulande nun die Wahrheit auf dem Tisch liegt: Selbst Menschen einer Sportnation wie Deutschland lehnen das Superfest ab. Das mag bitter sein für manchen Sportkameraden. Aber in diesem Votum liegt auch eine Chance für die olympische Bewegung. Falls sie sich denn ehrlich fragt, woran es gelegen hat.

          Niederlage könnte irgendwann zum Sieg werden

          Wer fühlt sich schon neun Jahre vor einer Feier in Stimmung? Wer hat sieben Jahre nach dem Sommermärchen des Fußballs 2006 noch eine Gänsehaut? Es gibt sicherlich viele kleine Ursachen für das Scheitern. Wesentlich aber war eine im negativen Sinne unschlagbare Kombination, das Gefühl von Verschwendung zum Wohle eines Privatklubs: So haben die Olympiagegner argumentiert, als sie von „Knebelverträgen“ des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) sprachen, von Raffzähnen und Möchtegernfürsten.

          Zwar entspricht längst nicht jedes Bild des gemeinen Olympiers der Realität. Aber die Ablehnung in Deutschland sollte dem neuen IOC-Boss Thomas Bach schwer zu denken geben: In München ist er mit seinem Klub nicht mehr willkommen. Wenn die Botschaft auch auf dem Olymp ankommt, dann könnte aus der Niederlage des Sports irgendwann ein Sieg werden.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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