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Nordische Ski-WM Die Schwarzwald-Connection zieht nicht mehr an einem Strang

17.02.2005 ·  Ausnahme-Talente kommen derzeit kaum aus dem Schwarzwald, und auch sonst glänzen die drei Ski-Verbände der Region nicht gerade mit vorbildlicher Zusammenarbeit. Doch das kann sich möglicherweise bald ändern.

Von Claus Dieterle
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Das waren noch Zeiten, als die sogenannte Schwarzwald-Connection auf den Schanzen der Welt die Weiten und Bestnoten vorgab. So lange ist das noch gar nicht her. 2001 bei den Weltmeisterschaften in Lahti bestand das deutsche Team, das sich auf der Großschanze Gold holte, zu drei Vierteln aus „Schwarzwald-Adlern“: Sven Hannawald, Martin Schmitt, der auch solo auf der Großschanze gewann, und Alexander Herr. Nur der Bayer Michael Uhrmann durchbrach die baden-württembergische Dominanz.

Jetzt, bei der Heim-WM in Oberstdorf, haben sich die Verhältnisse verkehrt. Hannawald krank, Herr verletzt, Schmitt, der einzig Verbliebene aus dem Trio, lange außer Form, wenngleich er am Donnerstag in Oberstdorf im Training einen starken Eindruck hinterließ. Und Wolfgang Steiert, damals als Stützpunkttrainer in Hinterzarten der Steuermann im Schwarzwald-Bus, hilft inzwischen den Russen auf die Sprünge.

„Ganz natürliches Phänomen“

Was also bleibt von der Schwarzwälder Springer-Herrlichkeit, die mit Dieter Thoma, Christof Duffner und Hansjörg Jäkle viel Tradition zu bieten hat? „Da kommt im Moment zu wenig“, stellt Thomas Pfüller, Generalsekretär und Sportdirektor des Deutschen Skiverbandes (DSV), nüchtern fest. Natürlich gibt es Gründe.

Zum einen haben die anderen Zentren in Deutschland, wie die Bayern und besonders Oberhof in Thüringen, ihre Anstrengungen auch auf Druck des DSV verstärkt. Zum anderen kann „eine kleine Region wie der Schwarzwald nicht über Jahrzehnte die Weltklasse dominieren“, sagt Stefan Wirbser, der Präsident des Skiverbandes Schwarzwald. Selbst Steiert betrachtet die Delle als ganz natürliches Phänomen. „Wir hatten jetzt eine Reihe von außergewöhnlichen Athleten, aber solche Leute gibt es nicht immer.“

„Krieg der Täler“

Alles ganz normal? Pfüller relativiert. „Natürlich fehlen immer mal ein, zwei Jahrgänge mit herausragenden Springern, aber nicht auf die Dauer in einer Region mit dieser Tradition und diesen Voraussetzungen.“ Talente werden weiterhin geboren. Wirbser stellt mit Stolz fest, daß heute die Nachwuchsfelder „doppelt und dreifach so groß sind wie vor Martin Schmitts Zeiten“.

Die Masse ist also da. Bis zur Klasse ist es dennoch ein weiter Weg. Besonders weil der Erfolg an der Spitze immer auch latente Gefahren für den Nachwuchs birgt. „Man sonnt sich im Erfolg und vergißt darüber die Zukunft“, sagt Pfüller. Das ist allerdings kein schwarzwaldspezifisches Problem. Aber es scheint durchaus eines zu geben. In der Wintersportregion zwischen Freudenstadt und Hinterzarten ziehen nicht immer alle an einem Strang. „Das stimmt leider“, sagt Pfüller zu dem, was hinter vorgehaltener Hand etwas überspitzt als „Krieg der Täler“ bezeichnet wird.

Zuständigkeiten klar geregelt

Gegen gesunde Rivalität hat niemand etwas einzuwenden, „aber es ist ein Mangel, wenn man nicht zusammenarbeitet“, so Pfüller. Es sei ja schon merkwürdig, daß es in der Region drei Skiverbände gebe: Schwarzwald, Schwarzwald-Nord, und den Schwäbischen. Wirbser, der Präsident des ältesten deutschen Skiverbandes, erklärt das mit der Tradition.

Aber die Zuständigkeiten seien seit Anfang der siebziger Jahre klar geregelt: Die Schwaben kümmern sich um die alpinen, die Schwarzwälder um den nordischen Skisport. Und natürlich stünden die Vereine und auch die drei nordischen Zentren Hinterzarten, Furtwangen und Freudenstadt untereinander im Konkurrenzkampf. „Aber wir haben keinen Krieg, und bei uns gibt es auch kein Kirchturmsdenken im Leistungssport“, behauptet Wirbser.

Starker Stützpunkt gefordert

Das mag an der Spitze sogar der Fall sein, aber „das System verzweigt sich nach unten“, sagt Pfüller. Viele wurschteln einsam vor sich hin; wo Synergieeffekte dringend nötig wären, drohen eher Reibungverluste. „So kommt man nicht weiter“, sagt Pfüller. Nicht ganz zufällig hat es am vergangenen Freitag ein Treffen der drei Skiverbände gegeben. Thema: Effizienzsteigerung im Leistungssport, Professionalisierung und Verbesserung der Koordination in den Händen eines hauptamtlichen Leiters.

Pfüller redet Klartext: „Wir brauchen im Schwarzwald einen starken Stützpunkt mit einem starken Stützpunktleiter, der die Fäden in der Hand hält.“ Betonung jeweils auf „einen“. Wirbser erklärt das parallele Arbeiten mit der dezentralen Lage der Schanzen. „Das war bislang unser großer Nachteil, weil nicht ein Trainer mehrere Altersgruppen gleichzeitig betreuen konnte.“

„Hinterzarten wäre ideal“

Diese Lücke wird im Sommer mit der neuen 70-Meter Schanze, der vierten in Hinterzarten, geschlossen. Dann bietet das Zentrum von der 15- bis zur 95-Meter-Schanze alles, was das (Nachwuchs-)Springerherz begehrt. „Hinterzarten wäre mit seiner Infrastruktur der ideale Stützpunkt“, sagt Pfüller. Eine absolut logische Wahl, auch wenn man das vielleicht nicht überall im Schwarzwald so sehen mag.

Auch in Personalfragen hat der DSV-Sportdirektor eine Meinung: „Rolf Schilli wäre der starke Mann, den wir dort brauchen.“ Der Assistent von Bundestrainer Peter Rohwein und Heimtrainer von Martin Schmitt drängt sich förmlich auf. Doch Wirbser gibt sich defensiv: „Über Personalfragen haben wir noch nicht gesprochen.“ Nur soviel verspricht er: „Der Schwarzwald wird auch in Zukunft im Skispringen eine Rolle spielen.“

Quelle: F.A.Z., 18.2.1005, Sr. 41
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Jahrgang 1956, Sportredakteur.

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