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Nordische Kombination : Clowns werden zu Kannibalen

  • -Aktualisiert am

König der Kombinierer Eric Frenzel. Bild: dpa

„Was haben die Deutschen, was wir nicht haben?“, fragt sich die Konkurrenz: Die deutschen Kombinierer dominieren auch das Saisonfinale. Eric Frenzel gewinnt den Gesamt-Weltcup.

          Da war er wieder, Eric Frenzel, der Kannibale. Beim Weltcup-Finale in Schonach ließ der 28-jährige Kombinierer nichts mehr zu. Am Samstag gewann er den Schwarzwald-Pokal, und auch beim letzten Rennen der Saison überquerte er als Erster die Ziellinie. Damit holte sich Frenzel ganz souverän den Gesamt-Weltcup. Zum fünften Mal hintereinander. „Mir fehlen die Worte“, sagte er im Ziel, „meine Gefühle fahren zur Zeit Achterbahn.“

          Noch am Samstag hatte er sich mit seinem Teamkollegen Johannes Rydzek ein packendes Duell geliefert. Gestern versagten dem 25-jährigen Oberstdorfer im entscheidenden Rennen die Beine. Mit 30 Sekunden Vorsprung war er nach dem Springen in die Loipe gegangen, doch nach etwa acht Kilometern hatte ihn Frenzel eingeholt. Danach wurde er auch noch von weiteren Konkurrenten überholt. Mit einem neunten Platz beendete er die Saison.

          21 Siege in 23 Rennen

          Für Frenzel waren seine Weltcup-Siege 40 und 41 auch ein wenig Genugtuung für den Verlauf der Weltmeisterschaft, als er im Schatten des vierfachen Siegers Rydzek stand. „Für den Gesamtweltcup muss man über eine komplette Saison seine Leistungen zeigen“, sagt er. Die Dominanz der deutschen Kombinierer erreichte in diesem Winter ihren Höhepunkt. In 21 von 23 Rennen stand ein Athlet aus dem Team von Bundestrainer Hermann Weinbuch ganz oben. Allein für Frenzel wurde zehnmal die deutsche Hymne als Sieger gespielt. Rydzek kam auf acht Siege, Fabian Rießle auf zwei und einen steuerte Björn Kircheisen bei. Sechsmal war das Podest nur mit Deutschen besetzt.

          Johannes Rydzek (l) und Eric Frenzel: Einer der beiden gewinnt eigentlich immer.
          Johannes Rydzek (l) und Eric Frenzel: Einer der beiden gewinnt eigentlich immer. : Bild: dpa

          Und schuld daran hätten die Norweger. Behauptet zumindest Bundestrainer Hermann Weinbuch. Um korrekt zu sein: Jarl Magnus Riiber. Den 19-jährigen Kombinierer bezeichnet Weinbuch als Spezialspringer: „Er ist uns um die Ohren geflogen, er hat uns motiviert.“ Also haben die deutschen Kombinierer das Training auf der Schanze intensiviert, haben sich mit Symmetrie im Flug und Aerodynamik beschäftigt. Auch durch bewusstes Abnehmen konnten die Deutschen ihre Sprungleistungen steigern.

          Doch es wäre zu einfach, alles auf Riibers Erscheinen zu reduzieren. Nach den Olympischen Spielen 2014 haben Weinbuch und sein Trainerteam mit Ronny Ackermann und Kai Bracht einen über mehrere Jahre ausgelegten Trainingsplan aufgelegt. „In zwei von der Trainingsbelastung her etwas ruhigeren Jahren haben wir eine Art Plateau geschaffen, von dem aus sich unsere Athleten dann weiterentwickeln können“, erklärt Bundestrainer Weinbuch. Im vergangenen Sommer wurde dann der Trainingsumfang erheblich gesteigert. „Der Reiz, den wir damit im Vergleich zu den Vorjahren gesetzt haben, hat sich sehr positiv ausgewirkt, speziell was die Ausdauer im Laufen angeht“, erläutert der Coach weiter. Dazu gibt es eine durchgehende Ideologie – von der jugendlichen Trainingsgruppe bis ins Weltcup-Team.

          Entsprechend breit ist das deutsche Team mittlerweile in der Spitze aufgestellt. „Für uns spricht sicher, dass wir nicht nur einen Top-Athleten haben“, sagt der Coach, „die Last ist auf drei, vier Schultern verteilt.“

          Neben Rydzek und Frenzel sind dies auch noch Rießle und Björn Kircheisen, mit 33 Jahren der Oldie im Team. Dieses Quartett stachelt sich nicht nur im Wettkampf, sondern auch in jedem Training an. „Sie zeigen sich gegenseitig, wo der Hammer hängt“, berichtet Weinbuch. Und sie wissen: Wer im deutschen Team vorne ist, der ist auch unter den Weltbesten ganz vorne. Den Beweis dafür lieferten sie bei der Weltmeisterschaft ab. In Lahti war nicht nur Johannes Rydzek an allen vier Goldmedaillen beteiligt, beim Wettbewerb von der kleinen Schanze belegten Rydzek, Frenzel, Kircheisen und Rießle die ersten vier Plätze.

          Sieger, immer wieder Sieger: Eric Frenzel kommt meistens als Erster ins Ziel.
          Sieger, immer wieder Sieger: Eric Frenzel kommt meistens als Erster ins Ziel. : Bild: dpa

          Und für die Zeit nach diesem Quartett ist auch schon gesorgt. Die Talente Manuel Faisst, Terence Weber und Jakob Lange drängen nach. Und Tobias Simon, am Sonntag Bester auf der Schanze war. Allerdings kritisierte Weinbuch bei Faisst, dass der sich nach einem guten Saisonstart nicht mehr weiter gesteigert habe.

          Doch nicht nur wegen Wunderkind Riiber, der in den vergangenen Wochen wegen einer ausgekugelten Schulter gefehlt hat, sind die Norweger schuld an der deutschen Überlegenheit. Bei den Olympischen Spielen in Sotschi hatten sich Rydzek, Rießle und Kircheisen in der letzten Kurve gegenseitig behindert. Graabak und Magnus Moan profitierten und gewannen Gold und Silber. „Sie haben uns als „Clowns“ verspottet“, erinnert sich Weinbuch. Die Häme traf.

          Statt mit bissigen Kommentaren wird die Überlegenheit des deutschen Teams mit vielen Fragezeichen begleitet. Takanori Kono, Japans Cheftrainer, fragt verzweifelt: „Was haben die Deutschen, was wir nicht haben?“ Immerhin kann er mit Stolz sagen, dass es seinem Athleten Akito Wakabe als Einzigem gelungen war, die deutschen Kombinierer zu besiegen.

          Quelle: F.A.Z.

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