http://www.faz.net/-gtl-rwkh

NOK-Widerspruch gescheitert : Tauziehen um Ingo Steuers Olympia-Teilnahme geht weiter

  • Aktualisiert am

Nicht ohne Ingo: Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy mit ihrem Trainer (l.) Bild: dpa/dpaweb

Nach dem Berliner Urteil geht das Tauziehen um die Olympia-Teilnahme des Eiskunstlauftrainers Ingo Steuer weiter. Das NOK kündigt Berufung an. Seine Schützlinge Sawtschenko und Szolkowy indes wollen ohne Steuer nicht starten.

          Das juristische Tauziehen um eine Olympia-Teilnahme des Stasi-belasteten Eiskunstlauf-Trainers Ingo Steuer geht weiter. Vier Tage vor Eröffnung der Winterspiele in Turin hatte zunächst das Berliner Landgericht am Montag überraschend den Widerspruch des Nationalen Olympischen Komitess (NOK) abgewiesen und die Einstweilige Verfügung des 39jährigen Chemnitzers gegen seine Olympia-Ausbootung bestätigt. Das NOK kündigte daraufhin an, gegen diese Entscheidung Rechtsmittel einzulegen. Damit bleibt weiter offen, ob Steuer die Europameisterschafts-Zweiten im Paarlauf, Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy, in der „Palavela“-Halle betreuen kann.

          „Wenn das Gericht formalrechtliche Gründe sieht, bin ich überzeugt davon, daß diese jederzeit richtig gestellt werden können“, erklärte NOK-Generalsekretär Bernhard Schwank. Eine Berufung vor dem dafür zuständigen Kammergericht in Berlin wird nach Informationen aus NOK-Kreisen wohl erst nach den Turin-Spielen in einem Hauptsacheverfahren verhandelt werden. Dabei wird es um die Grundsatzfrage gehen, ob ein Sportler oder Trainer einen Anspruch auf eine Olympia-Nomierung hat oder das NOK autonom entscheiden darf. Vorsorglich hat das NOK Steuer noch am Montag beim Organisationskomitee der Winterspiele (Toroc) als offiziellen Trainer des deutschen Teams bestätigt. Damit sind die formalen Voraussetzungen für seinen Einsatz an der Bande erfüllt.

          „Wenn Ingo nicht fliegt, fliegen wir auch nicht“

          „Die Sportorganisationen müssen die Gesetze in ihren Ländern respektieren. Und es ist das Recht eines Athleten, ein ordentliches Gericht anzurufen, auch wenn wir damit nicht glücklich sind“, sagte Jacques Rogge, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), zu dem Fall.

          Darf doch mit nach Turin: Ingo Steuer

          Der einstige Weltklasse-Paarläufer und seine Athleten gingen durch ein Wechselbad der Gefühle. „Ich bin erleichtert, das ist eine Riesensache für die Sportler. Und nur um die ging es“, sagte Steuer. Als die Hiobsbotschaft von der angekündigten NOK-Anfechtung wenig später in Chemnitz eintraf, herrschte tiefe Bestürzung bei dem Trio. „Wenn Ingo nicht fliegt, fliegen wir auch nicht“, kündigte die gebürtige Ukrainerin Sawtschenko unter Tränen an. Das Traumpaar wollte an diesem Dienstag nach Turin fliegen; Steuer hatte noch kein Ticket.

          „Ein rechtsstaatliches Verfahren des NOK ist nicht zu erkennen“, begründete der Vorsitzende Richter des Berliner Landgerichts, Wolfgang Krause, sein überraschendes Urteil. Inhaltlich könne das Gericht keine Wertung vornehmen, dennoch betonte der Richter: „Im übrigen ist alles sehr lange her. Das ist alles Geschichte.“ Steuer, Olympia-Dritter von 1998, wird vorgeworfen, zwischen 1985 und 1989 als „IM Torsten“ tätig gewesen zu sein.

          NOK-Generalsekretär: Gerichtsentscheidung nicht nachvollziehbar

          Der Beschluß des NOK-Präsidiums vom 25. Januar, Steuer wegen seiner früheren Tätigkeit für das Ministerium für Staatssicherheit der DDR nicht für die Turin-Spiele zu berücksichtigen, sei nicht belegt, weil kein Protokoll oder anderes Schriftstück dazu vorgelegt worden sei. „Jeder Beschluß muß zu den Akten genommen werden“, sagte Krause. Was und von wem entschieden wurde, bleibe unklar. „Es ist nicht zu erkennen, daß das NOK eine Ermessensüberprüfung vorgenommen hat“, so der Richter.

          NOK-Generalsekretär Schwank konnte diese Entscheidung „nicht nachvollziehen“. Das Präsidium des NOK sei am 25. Januar form- und fristgerecht eingeladen worden und habe die Nominierung Steuers beraten. „Es gab eine breite Diskussion. Das Für und Wider wurde abgewogen, das Präsidium hat sein Ermessen in dieser Frage ausgeschöpft“, so Schwank.

          NOK lehnte Vergleichsangebot ab

          Nach Richters Beurteilung sei das NOK der Empfehlung der so genannten Unabhängigen Kommission zur Stasi-Überprüfung gefolgt, obwohl deren Sitzung am gleichen Tag nur wenige Stunden vorher stattgefunden habe. „Damit ist signifikant, daß das NOK kritiklos der Stasi-Kommission gefolgt ist“, sagte Krause. Die Anwältinnen Steuers wiesen zudem noch darauf hin, daß nur zwei der vier Kommissions-Mitglieder bei der Sitzung anwesend waren und ihr Mandant nur eine halbe Stunde gehört wurde.

          „Ein aus inhaltlichen Gründen in der Endkonsequenz völlig unverständliches Urteil, das mit Sicherheit Konsequenzen für die künftige Bewertung von Stasi-Vorgängen im deutschen Sport hat“, sagte der Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB), Manfred von Richthofen. Kritisch sieht auch IOC-Mitglied Thomas Bach den Richterspruch: „Ich hoffe aus grundsätzlichen Erwägungen, daß die Entscheidungshoheit der NOK's und anderer Sportverbände, über die Zusammensetzung ihrer Mannschaften zu entscheiden, nicht in Frage gestellt wird.“

          Ein Vergleichsangebot, daß der Trainer unmittelbar vor dem Paarlauf-Wettbewerb am Samstag anreist und sofort nach der Kür am Montag zurückfliegt sowie auf jegliche Interviews verzichtet, lehnte das NOK ab. „Für das NOK gibt es nur eine Nominierung oder eine Nichtnominierung. Eine Nominierung mit Einschränkungen kommt für uns nicht in Frage“, erklärte NOK-Anwalt Igor Rücker.

          Weitere Themen

          Fanenergie sichtbar machen Video-Seite öffnen

          Neues Spielzeug im Stadion : Fanenergie sichtbar machen

          Wenn die Fans besonders laut schreien, trifft Robert Lewandowski häufiger - könnte eine These lauten, die man mit den neuen Daten überprüfen könnte. Dem Unternehmen Siemens nach geht es aber primär um die Fans - und dass sie noch lauter schreien, als sie es vielleicht ohnehin schon tun.

          Schwerer Unfall bei Schumacher-Rennen

          Formel 3 : Schwerer Unfall bei Schumacher-Rennen

          Beim Weltfinale der Formel 3 in Macao ist die Nachwuchs-Fahrerin Sophia Flörsch verunglückt. Das Rennen musste unterbrochen werden. Über den Zustand der Deutschen gibt es nun erste Informationen.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.