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NHL-Toptorschütze Thomas Vanek Ein richtiger Österreicher

 ·  Der 25 Jahre alte Eishockey-Profi Thomas Vanek ist der erfolgreichste Torschütze in der NHL. Darüber freut sich nicht zuletzt seine alte Heimat - sie zählt seine „Austrotreffer“.

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Es gehört zu den vielen sonderbaren Gepflogenheiten im Sport, dass man den Handelsreisenden in der Branche so lange wie möglich ein Etikett anklebt, auf dem steht, aus welcher Stadt oder aus welchem Land sie kommen. Ganz egal, wo sie ihr Handwerk gelernt haben und aus welchem Teil der Welt ihre Eltern stammen. Man nehme den Fall von Thomas Vanek, einem 25 Jahre alten Eishockeyprofi, dessen Mutter und Vater Anfang der achtziger Jahre aus der Tschechoslowakei auswanderten und in Österreich ansässig wurden.

Vanek ging mit 14 Jahren in die Vereinigten Staaten, um an einer High School im abgelegenen Bundesstaat South Dakota vor allem eines zu lernen – die hohe Kunst, mit dem Puck umzugehen. Danach war er vier Jahre an der University of Minnesota Leistungsträger einer der besten Collegemannschaften der Vereinigten Staaten. Seit seinem Wechsel zu den Profis reist er nun jeden Winter kreuz und quer durch Nordamerika. Doch für die Menschen daheim ist und bleibt er einer der Ihren. So wie der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger, der wie Vanek in Graz aufwuchs. Merke: Einmal Österreicher, immer Österreicher.

24 „Austrotreffer“ in 30 Begegnungen

Das lässt sich aber noch steigern. So hat die Wiener Zeitung „Die Presse“ neulich ein Wort geprägt, um dem Stellenwert Vaneks in der Liga noch etwas mehr Nachdruck zu verleihen: Wenn er eines jener Tore schießt, für die ihm der Klub im Rahmen eines Siebenjahresvertrags 50 Millionen amerikanische Dollar zahlt – eine der höchsten Gagen in der nordamerikanischen Profiliga NHL –, dann nennt sie das „Austrotreffer“. Und von denen hagelt es zurzeit viele. Der Stürmer der Buffalo Sabres ist mit 24 Toren in 30 Begegnungen der erfolgreichste Torschütze der Liga.

Eine derartige Ausbeute traute man Thomas Vanek schon früh zu. Er hat, wie Mannschaftskollege Jochen Hecht sagt, „eine gute Hand, ein gutes Auge und gute Koordinationsfähigkeiten“ und kurvt gerne gefährlich vor dem Tor herum, wo er dem Tormann die Sicht versperrt und Fernschüsse geschickt abfälscht. Aber in einer so schnellen Mannschaftssportart wie dem Eishockey nützen Talent und gute Stocktechnik bisweilen nur wenig.

„Der begabteste Spieler, den ich je erlebt habe“

So verbannte ihn etwa Trainer Lindy Ruff in den Play-offs am Ende seiner ersten Saison in die Zuschauerränge. „Er ist wahrscheinlich der rundherum gesehen begabteste Spieler, den ich je erlebt habe“, sagte der Coach der Buffalo Sabres. Aber Vanek war müde und ausgelaugt. Er brauchte eine Lektion: Ohne ein Höchstmaß an körperlicher Fitness kann man nicht in den mehr als 80 Spielen pro Saison seine Leistung bringen und in jenen entscheidenden Sekundenbruchteilen rascher reagieren als der Gegner. So müht sich der Blondschopf mit der Rückennummer 26 seit jener Zeit jeden Sommer in Minnesota im Kraftraum. „Ein halber Schritt mit der Scheibe kann den Unterschied ausmachen“, sagt er.

In der vergangenen Saison hat allerdings auch die beste Vorbereitung nichts genützt. Da wirkte er wie einer, der unter dem psychischen Druck der durch den hochdotierten Vertrag entstandenen Erwartungen in die Knie ging. Tatsächlich hatte Vanek gar nicht so viel Geld verlangt. Mehrere Millionen Dollar als Bonus gehen auf das Konto der Edmonton Oilers, die aufgrund der tarifvertraglichen Regeln eine überzogene Summe für Vanek ausgelobt hatten, weil sie sich nur so eine Chance ausrechneten, den jungen Torjäger aus Buffalo loseisen zu können. Die Sabres mussten mitziehen, um ihren Hoffnungsträger nicht zu verlieren. Der Poker sorgte für schlechte Stimmung zwischen den Klubs.

Neuerdings sieht man Vanek auch im eigenen Drittel

Denn die wirtschaftlich angeschlagene Region in der Nähe der Niagarafälle gehört zu den ärmsten in den Vereinigten Staaten. Der Eishockeyklub, der in der jüngsten Vergangenheit nur knapp den Titelgewinn verpasste, ist der einzige Silberstreif in einem deprimierenden Alltag. Doch auch die Sabres müssen mit jedem Cent rechnen. In diesem Jahr ist die Mannschaft trotz der vielen Vanekschen Glanzlichter im Angriff noch weit davon entfernt, in den Play-offs die besten Teams vom Eis zu fegen. Man darf froh sein, erst einmal nur die K.-o.-Runde der besten Sechzehn zu erreichen. Würde heute abgerechnet, hätten die Buffalo Sabres dieses Ziel gerade so erreicht.

Vanek hat denn auch beschlossen, dass ein Spieler seines Formats nicht einfach nur vorne vor dem Tor des Gegners lauern kann. Man sieht ihn neuerdings auch im eigenen Drittel, wo er den Gegner stört, sich den Puck angelt und oft genug sogar in Unterzahl Wirkung zeigt. Keiner in der NHL hat in dieser Saison mehr Kontertreffer erzielt als Vanek, dessen Sprintqualitäten wohlbekannt sind.

„Star geworden. Mensch geblieben“

Vaneks Erfolg hat natürlich auch die Fans in der Alpenrepublik aufgeweckt. „Es ist fantastisch, von den Leuten zu Hause zu hören“, sagte er neulich einem Reporter der „Buffalo News“. „Ich gebe viele Interviews. Das ist gut für das österreichische Eishockey. Und immer mehr junge Spieler kommen jetzt hierher. Es ist Teil meines Jobs, dafür zu sorgen, dass Eishockey da drüben bekannter wird und die Nachwuchsspieler einen Traum haben, den sie verfolgen können.“

Seit kurzem wissen sie in der Heimat sogar, wie er mit dem Reichtum umgeht. „Ich bin nicht einer, der heimkommt und schaut, wie viel Geld er hat“, versicherte er der österreichischen Nachrichtenagentur APA. „Es hat sich auch da nicht viel geändert, mein Lebensstil ist nicht anders. Wir haben ein größeres Haus, aber das war schon vorher so geplant. Und ich habe mir einen Sportwagen, einen Aston Martin, gekauft. Aber auch nur einen gebrauchten.“ So etwas freut auch „Die Presse“. Und so titelte sie: „Star geworden. Mensch geblieben“. Ein richtiger Österreicher halt.

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