15.05.2010 · Als viertes Team der nordamerikanischen Sportgeschichte haben die Eishockeyspieler der Philadelphia Flyers einen 0:3-Rückstand in den Play-offs aufgeholt und die Serie gegen die Boston Bruins noch gewonnen - und das, obwohl sie auch im siebten Spiel 0:3 hinten lagen.
Den Philadelphia Flyers ist als viertem Team der nordamerikanische Sportgeschichte ein grandioses Playoff-Comeback gelungen. Die Mannschaft um die beiden kanadischen Olympiasieger Chris Pronger und Mike Richards gewann am Freitagabend (Ortszeit) auch das siebte und entscheidende Playoff-Spiel der Nordamerikanischen Eishockey-Liga NHL bei den Boston Bruins mit 4:3 - nach 0:3-Rückstand im ersten Drittel - und zog somit ins Halbfinale ein.
Der Triumph war Philadelphias vierter Sieg nacheinander. Die Zeitung „Boston Globe“ nannte das Scheitern der Bruins einen der „zweifellos schlimmsten Zusammenbrüche der Sportgeschichte“, für den „Philadelphia Inquirer“ haben die Flyers „die Geschichtsbücher umgeschrieben“.
Boston hatte die ersten drei Partien der Best-of-Seven-Serie gewonnen. Zuvor hatten in der NHL nur die Toronto Maple Leafs (1942) und die New York Islanders (1975) nach einem 0:3- Rückstand noch den Sprung in die nächste Playoff-Runde geschafft. Das gleiche war zudem 2004 den Boston Red Sox in der Major League Baseball (MLB) gelungen.
„Ich habe noch nie eine bessere Stimmung in unserer Kabine gesehen. Wir haben uns alle High Fives gegeben, sogar der Besitzer kam rein und hat uns alle abgeklatscht. Es ist ein großartiges Gefühl, wir haben hart gearbeitet, hart gekämpft und immer an uns geglaubt“, sagte Flyers-Stürmer Scott Hartnell. Dabei sah zunächst alles nach einem Sieg der Gastgeber aus. Boston lag vor 17.565 Zuschauern im ausverkauften TD Bank-Garden durch Tore von Michael Ryder (3. Minute), und zweimal Milan Lucic (9./15.) bereits mit 3:0 vorn.
Entscheidendes Tor in Überzahl
„Es ist schon ziemlich enttäuschend, 3:0 zu führen, im Spiel und in der Serie und am Ende trotzdem noch zu verlieren“, sagte der verletzte Dennis Seidenberg. Seidenberg verfolgte die Partie ebenso wie sein verletzter Teamkollege Marco Sturm (Kreuz- und Innenbandriss) aus der Bruins-Loge und musste von dort mit ansehen, wie Philadelphia durch James van Riemsdyk (18.), Hartnell (23.) und Daniel Briere (29.) zurückkam.
Den entscheidenden Treffer erzielte Simon Gagne, als er in der 53. Minute eine Überzahl-Situation nutzte. Boston hatte zuvor aufgrund eines Wechsel-Fehlers zu viele Spieler auf dem Eis gehabt und erhielt eine zwei Minuten-Strafe. Bruins-Trainer Claude Julien sprach anschließend von einer vertretbaren Entscheidung der Schiedsrichter. „Unser Spieler fuhr auf die Bank zu und entschied sich dann, doch weiterzuspielen. Das kann man pfeifen, die Schiedsrichter achteten schon während der bisherigen Play-off-Spiele darauf.“
„Es ist schmerzhaft, das mitzuerleben, vor allem, weil ich eine Chance gehabt hätte, in der nächsten Runde wieder spielen zu können“, sagte Seidenberg. Der Verteidiger laboriert seit dem 3. April an einer tiefen Schnittwunde im linken Unterarm. Im Finale der Eastern Conference trifft Philadelphia auf die Montreal Canadiens. Das zweite Vorschlussrundenduell bestreiten die San Jose Sharks mit dem deutschen Ersatz- Torhüter Thomas Greiss und die Chicago Blackhawks.