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Neujahrsspringen Neumayer erfüllt sich einen Traum

 ·  Die deutschen Skispringer haben endlich wieder einen Trumpf: Michael Neumayer landete völlig unerwartet beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen auf dem dritten Platz. Sieger wurde der 17 Jahre alte Österreicher Gregor Schlierenzauer.

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„Die Besten“, sagt Michael Neumayer, „sind immer noch ein Stück weg“. Wie bitte? Gehört denn einer nicht zu den Besten, wenn er im Weltcup auf dem Podest steht? Dieser Michael Neumayer hat am ersten Tag des neuen Jahres dem gebeutelten deutschen Skispringen einen Erfolg beschert, an den wohl nur die allergrößten Optimisten geglaubt haben.

„Nein, das hätte ich mir nicht träumen lassen“, sagte Bundestrainer Peter Rohwein. Ihm hatte schon in den vergangenen Tagen der heftigen Diskussionen Neumayer den Rücken gestärkt, verbal und als Siebter des Tournee-Auftakts in Oberstdorf. Beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen, der zweiten Station der deutsch-österreichischen Vierschanzentournee, hatte er dann nur den Österreicher Gregor Schlierenzauer und den Finnen Janne Ahonen vor sich. Es war die beste Plazierung eines deutschen Skispringers, seit Georg Späth vor genau vier Jahren, ebenfalls in Partenkirchen, ebenfalls Dritter geworden war.

Schlierenzauer übernimmt Gesamtführung

Neumayer liegt nun in der Gesamtwertung bei Halbzeit auf Rang fünf. Und doch blieb er so realistisch und bescheiden, wie er seit Jahren auftritt. „Man sieht“, sagte er, „dass es sich lohnt, zu kämpfen“. Und wie zu seiner Entschuldigung führte er die guten Bedingungen an: „Ich hatte Glück mit dem Wind“, sagte er. „Aber man muss ihn auch nutzen können.“ Irgendwann, so war das Gefühl, kommt eben der Tag, an dem alles passt.

Neumayer überraschend Dritter beim Neujahrsspringen

Auch Schlierenzauer, der den Rekord auf der neuen Olympiaschanze von Garmisch-Partenkirchen auf 141 Meter setzte, war sicher, dass er seinen in dieser Saison so überlegenen Landsmann Thomas Morgenstern - am Dienstag auf Rang sechs - an der Spitze würde ablösen können. „Ich weiß“, hatte er vor dem Springen gesagt, „dass der Knopf noch aufgeht. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ich von dem obersten Stockerl hinunterlachen kann.“ Nun lacht er sogar als Führender der Gesamtwertung: Mit 555,1 Punkten geht er in das dritte Springen in Innsbruck, Morgenstern ist knapp dahinter (551,9). Und auch Ahonen (551,7) muss den Gesamtsieg - es wäre sein fünfter und damit neuer Rekord - noch nicht abschreiben.

Vater Ahonen macht den Jungen das Leben schwer

Schlierenzauer wird am Tag nach dem Ende der Vierschanzentournee 18, Michael Neumayer acht Tage später 29. Janne Ahonen ist 30 Jahre alt, im kommenden Mai wird er zum zweiten Mal Vater. Erste Überlegungen, nach der vergangenen Saison die Karriere zu beenden, hat er beiseite geschoben: Der einstige Überflieger, der bei der Weltmeisterschaft als beste Plazierung den vierten Rang mit dem Team vorzuweisen hatte, wollte zeigen, dass doch noch mehr in ihm steckt. Er hat es nicht bereut, und die Konkurrenz muss sich darauf einstellen, dass Ahonen ihr wieder das Leben schwer macht.

Schlierenzauer und Morgenstern wollen sich davon nicht beeindrucken lassen. Die österreichische Leichtigkeit soll sie bei ihren Heimspielen wieder weiter als alle anderen durch die Lüfte tragen. Für den 21 Jahre alten Kärntner Morgenstern war es in Garmisch-Partenkirchen ein völlig neues Gefühl, in der „Lucky Box“, dem Standort des jeweils Führenden während des Springens, an einem Deutschen vorbeigehen zu müssen, der seinen Platz an der Sonne verteidigte. Anerkennend klatschte er Neumayer ab.

Neumayer springt nur im B-Kader

Neumayers Geschichte ist die eines jungen Mannes, der sich mit zähem Willen aus einem Tief wieder herausgekämpft hat. 1999 hatte er sich ein Schlüsselbein gebrochen, zwei Jahre später den rechten Mittelfuß. Im vergangenen Winter, nachdem er im ersten Springen auf Rang fünf gelandet war, stürzte er in Kuusamo im zweiten Weltcup-Wettbewerb, riss sich das Kreuzband und musste fünfeinhalb Monate pausieren. „Ich habe viel geschwitzt, viel getan im Sommer, abseits der Schanze.“ Noch immer hat auch die deutsche Physiotherapeutin Carolin Otterbein doppelte Arbeit mit ihm und dem anderen Rekonvaleszenten im Team: Zwei Einheiten täglich bekommen Neumayer und Michael Uhrmann, der in Garmisch-Partenkirchen das Finale verpasste.

Als Kind fuhr Neumayer Alpinrennen, bis ihn ein Cousin eines Tages auf eine Schanze brachte. Und sofort war die Entscheidung gefallen: Neumayer wollte nur noch Skispringer werden. Um voran zu kommen, wechselte er mit 17 Jahren auf die Wintersport-Eliteschule in Berchtesgaden. Nach Abitur und Wehrdienst wurde er Steuerfachangestellter. Um an der Fachhochschule in Kempten Betriebswirtschaft studieren zu können, zog er ins Allgäu, seit Herbst 2004 trainiert er am Stützpunkt Oberstdorf. Erstklassig ist er auch im Deutschen Skiverband nicht: Neumayer ist Mitglied des B-Kaders.

„Martin Schmitt macht Riesenfortschritte“

Nun ist er den Weltbesten auf den Fersen. „Wenn man Glück hat, kann man näher rücken, hinschnuppern nach ganz vorne.“ Dass ausgerechnet er nun der Beste im Team ist, freut ihn ganz besonders. Doch schon der nächste Gedanke geht weiter: „Das war für das ganze Team ein richtig wichtiges Ergebnis. Die Jungs haben sich alle gefreut, und auch die Trainer. Das tut denen auch gut. Ich hoffe, dass es eine kleine Zündung war“, sagte er. „Ich denke, dass auch die anderen auf einem guten Weg sind.

„Martin Schmitt macht Riesenfortschritte“ - er wurde in Garmisch-Partenkirchen 19. - „, der kommt auch bald dahin, wo ich jetzt bin. Dem fehlt nur noch ein ganz kleines Stückchen“. Uhrmann (38.), Späth (30.) und Hocke (32.) könnten sich alle ein Stück steigern, „und dann haben wir eine gute Mannschaft“. Zunächst darf er sein Ergebnis aber auch einmal für sich ganz alleine genießen. „Ich will einfach Spaß am Skispringen haben“, sagte er. Michael Neumayer hat ihn am Dienstag auch den 25.000 Zuschauern in Garmisch-Partenkirchen gebracht.

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