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Neujahrs-Skispringen in Garmisch : Vierschanzentournee wird zum Zweikampf

  • -Aktualisiert am

Die Anwärter für den Gesamtsieg: Garmisch-Sieger Loitzl (l.) und Ammann Bild: dpa

Der Österreicher Wolfgang Loitzl gewinnt das Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen und übernimmt die Gesamtführung. Der Tourneesieg wird wohl im Duell mit Simon Ammann entschieden. Martin Schmitt landete auf Rang acht.

          Als er in seinem 222. Springen, dem ersten der Vierschanzentournee 2008/2009, wieder einmal Zweiter geworden war, machte Wolfgang Loitzl die Rechnung auf: „Ein Tournee-Sieg ohne Einzelsieg wäre mir lieber als mein erster Weltcup-Erfolg“. Seit Donnerstag sind seine Spekulationen überholt: Der knapp 29 Jahre alte Österreicher gewann in Garmisch-Partenkirchen das Neujahrsspringen vor dem in Oberstdorf erfolgreichen Simon Ammann und hat sich nun hauchdünn, mit einem halben Punkt Vorsprung, den Platz des ersten Favoriten auf den Gesamtsieg gesichert.

          Dritter in Garmisch-Partenkirchen wurde der Finne Harri Olli. Der Schwarzwälder Martin Schmitt, nach dem ersten Durchgang noch Dritter mit der zweitbesten Weite (135,0 Meter) hinter Ammann (140), fiel auf Platz acht zurück. In der Gesamtwertung ist er Sechster.

          Ein Duell wie ein eigener Wettbewerb

          Loitzl hört nicht auf zu rechnen: „Vor Oberstdorf waren wir bei null, danach auch beinahe, und jetzt sind wir es immer noch.“ Als trügen sie ihren eigenen Wettbewerb aus, setzen sich Loitzl und Ammann Springen für Springen von der Konkurrenz ab. Gregor Schlierenzauer, Loitzls Landsmann, ist als Vierter des Neujahrsspringens in der Gesamtwertung auf Rang drei schon mehr als zwanzig Punkte zurück.

          Sieger am Neujahrstag: Der Österreicher Wolfgang Loitzl schwebt zur Gesamtführung
          Sieger am Neujahrstag: Der Österreicher Wolfgang Loitzl schwebt zur Gesamtführung : Bild: REUTERS

          „Wenn man mit Schlierenzauer und Ammann im gleichen Atemzug als Favorit genannt wird, ist das schon eine sehr gute Sache“, hatte Loitzl vor der Tournee gesagt, nachdem er in Engelberg zweimal Zweiter geworden war. Jahrelang galt er als guter Skispringer, nie als überragender - vor allem aber lieferte er konstante Leistungen ab. „Vielleicht haben mich die Kampfrichter deswegen auch ein bisschen ins Herz geschlossen“, sagte er.

          Das ist Haltung: Viermal 20,0 im Finaldurchgang

          In Garmisch-Partenkirchen belohnten sie ihn wieder einmal für schöne Flüge; fünfmal wurde er bei insgesamt zehn Haltungsnoten mit der 20,0 ausgezeichnet, dem Höchstwert, viermal davon im Finaldurchgang. „Endlich waren die Wertungsrichter mutig“, sagte Toni Innauer, der nordische Sportdirektor im Österreichischen Skiverband. Er ist bisher der einzige Springer der Welt, der einmal in einem Durchgang durchweg die Note 20,0 bekam.

          Wie in den beiden vorangegangenen Jahren hatte Wolfgang Loitzl im vergangenen Sommer mit dem österreichischen B-Team trainiert, „damit ich mehr Ruhe habe und ein bisschen von den Top-Athleten wegkomme“. Er wollte sich nicht immer vergleichen müssen mit Thomas Morgenstern und Gregor Schlierenzauer, den Stars im Team, „und nicht immer unter Zugzwang sein, mithalten zu müssen“.

          Voller Optimismus heim nach Österreich

          Das Risiko, dass ihm Motivation verloren gehen könne, weil er von den weniger starken Springern nicht genügend gefordert wurde, ging er ein. „Dadurch habe ich ein paar Körner aufgespart für den Winter.“ Voller Optimismus fährt Loitzl, der in Bad Mitterndorf unweit der Skiflugschanze am Kulm in der Steiermark lebt, nun zu den beiden österreichischen Springen der Tournee. „Grundsätzlich sind alle vier nur normale Weltcupspringen“, sagt er, „aber prestigesträchtig wie wenig anderes“.

          Sich vor heimischem Publikum in Innsbruck und Bischofshofen zu beweisen, ist die besondere Herausforderung. Loitzl nimmt sie an und zitiert einen Satz Schlierenzauers: „Ein Springer, der die Tournee nicht gewonnen hat, ist kein Weltklassespringer.“ Warum er plötzlich den entscheidenden Schritt nach vorn getan hat, warum er sich vom Durchschnitt abhebt, kann er begründen. Er habe im Sommer an seiner Schwäche in der Flugphase trainiert, „da kann man mehr gut machen als am Schanzentisch“. Diese Arbeit zahle sich jetzt aus.

          Doch irgendwie fühlt sich Wolfgang Loitzl trotzdem noch wie in einem Wintermärchen. „Ich war in der Vergangenheit nicht mit Podestplätzen überhäuft, bin also nicht verwöhnt. Deshalb konnte ich realistisch einschätzen, dass meine vier zweiten Plätze in dieser Saison sehr viel wert waren.“ Der Sieg vom Neujahrstag sei deshalb wie Weihnachten und Ostern zugleich. Ein netter Nebeneffekt macht sich auf seinem Konto bemerkbar. Doch Loitzl wird nicht übermütig: „Ich habe zwei Söhne, und Kinder kosten ohnehin viel Geld, da kommt mir das ganz gelegen.“

          Schmitt verpasst den letzten Schritt

          Dieses Preisgeld ist für Martin Schmitt kein Thema. Einzig die Enttäuschung, den letzten Schritt in die Weltklasse diesmal wieder nicht geschafft zu haben, zählte für ihn am Donnerstagabend. „Ich werde sicher noch ein bisschen brauchen, um das zu verdauen“, sagte er. Während Bundestrainer Werner Schuster die Begründung in Schmitts wachsender Ungeduld sucht, fand der viermalige Weltmeister eine Erklärung, die so ganz leicht nicht nachzuvollziehen ist: „Ich bin in der Luft auf dem falschen Fuß erwischt worden“, sagte er.

          Nach unverhohlenem Jubel über eine gute Mannschaftsleistung von Oberstdorf wurden in Garmisch-Partenkirchen wieder leisere Töne angeschlagen: Michael Uhrmann wurde als zweitbester Deutscher Vierzehnter, Michael Neumayer haderte mit den Bedingungen, nachdem er auf Platz 24 zurückgefallen war. Schuster allerdings sieht keinen Grund zur Resignation: „Wolfgang Loitzl musste fast 29 Jahre auf seinen ersten Weltcup-Sieg warten - jetzt werden wir es auch noch erwarten können, bis Martin wieder auf das Podest kommt.“

          Vierschanzentournee, Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen

          1. Wolfgang Loitzl (Österreich) 276,3 Pkt. (134,5/136,5 m); 2. Simon Ammann (Schweiz) 274,6 (140,0/134,5); 3. Harri Olli (Finnland) 258,6 (133,0/131,5); 4. Gregor Schlierenzauer (Österreich) 257,6 (134,0/130,5); 5. Martin Koch (Österreich) 249,0 (134,5/128,0); 6. Thomas Morgenstern (Österreich) 248,5 (128,0/132,0); 7. Anders Jacobsen (Norwegen) 247,0 (134,0/126,0); 8. Martin Schmitt (Furtwangen) 245,2 (135,0/124,0); 9. Dmitri Wassiljew (Russland) 239,6 (131,0/126,0); 10. Matti Hautamäki (Finnland) 237,1 (130,5/124,0); ...14. Michael Uhrmann (Rastbüchl) 222,9 (126,5/121,5); 20. Stephan Hocke (Schmiedefeld) 214,6 (125,5/119,0); 24. Michael Neumayer (Berchtesgaden) 211,2 (127,5/116,5); 30. Andreas Wank (Oberhof) 200,2 (118,0/121,0); 32. Felix Schoft (Partenkirchen) 109,8 (123,5); 38. Tobias Bogner (Berchtesgaden) 94,8 (116,0); 45. Pascal Bodmer (Meßstetten) 85,8 (113,5)

          Quelle: FAZ.NET

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