http://www.faz.net/-gtl-76x4q
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 14.02.2013, 11:08 Uhr

Nächstes WM-Gold für Frankreich Schladmings „Grande-Ski-Nation“

Tessa Worley gewinnt bei der Ski-WM in Schladming Gold im Riesenslalom. Die kleine Französin siegt mit großem Vorsprung auf Tina Maze. Maria Höfl-Riesch wird Neunte.

von Patrick Mayer
© AP Neue Weltmeisterin im Riesentorlauf: die Französin Tessa Worley

Die französischen Skirennfahrer präsentieren sich bei der Weltmeisterschaft in Schladming als „Grande Nation“. Tessa Worley siegte an diesem Donnerstag nach zwei beherzten Läufen im Riesenslalom und holte damit schon das zweite Gold für Frankreich sowie die vierte Medaille insgesamt. Nicht Österreicher oder Amerikaner, die Franzosen stehen im Medaillenspiegel auf Platz eins.

Worley gewann mit satten 1,12 Sekunden Vorsprung auf die Favoritin, Tina Maze aus Slowenien. Bereits nach dem ersten Lauf hatte die nur 1,58 Meter kleine Französin in Führung gelegen. Sie war den WM-Hang in Schladming aggressiv und riskant angegangen – im Gegensatz zu den deutschen Athletinnen. Maria Höfl-Riesch und Olympiasiegerin Viktoria Rebensburg taktierten zwischen den Toren - wählten auf einer eisigen und ruppigen Strecke die scheinbar sichere Variante. Das schlug sich im Ergebnis nieder. Nach dem ersten Durchgang waren bereits alle Medaillenchancen dahin.

Mehr zum Thema

„Ich war gehemmt und kam überhaupt nicht auf den Schuh“, meinte Höfl-Riesch, nachdem sie mit 2,44 Sekunden Rückstand auf Worley nur auf Platz vierzehn rangierte. Und auch die Olympiasiegerin fand nicht zu ihrem gewohnten Stil – mit 2,07 Sekunden Rückstand fand sich Rebensburg auf Rang elf wieder. „Schon im ersten Lauf habe ich alle Medaillenchancen verpasst“, sagte Höfl-Riesch selbstkritisch. Sie sei nicht im „Nichts-zu-verlieren“-Modus gefahren. Im zweiten Durchgang beherzigte sie diese Taktik dann erfolgreich, fuhr gelöster und schob sich immerhin noch in die Top-Ten vor.

„Riesen-Fehler im Mittelteil“

Teamkameradin Rebensburg leistete sich einen „Riesen-Fehler im Mittelteil“, ließ bei der Zieleinfahrt ihre bekannte Körperspannung vermissen und büßte damit entscheidende Zeit ein. Im Ziel ließ sie sich auf den Boden fallen – auch, weil ihr Körper schmerzte. Mit einer Rippenprellung ins Rennen gegangen, erwischte sie kurz vor dem Ziel eine Bodenwelle, „und es fuhr mir richtig rein“. Es sollte nicht als Ausrede dienen. Sie wusste, Platz elf war nicht nur den körperlichen Beschwerden geschuldet, sondern auch erkennbaren Fahrfehlern.

Missgeschicke, wie sie die Top-Vier des ersten Laufes nicht zeigten. Tina Maze, in Schladming schon Weltmeisterin im Super-G und dominierende Athletin des Weltcup-Winters, meisterte in scheinbar stoischer Ruhe die Tücken der Strecke und lag nach ihrem Lauf hoffnungsfroh mit 1,16 Sekunden Vorsprung vorne. Ein Zeitpuffer, das die anderen Starterinnen nach ihr erst einmal wett machen mussten.

Anna Fenninger, 23 Jahre alte Österreicherin und Kombinations-Weltmeisterin von 2011, fuhr als Dritte des ersten Durchgangs unter dem Jubel ihrer Landsleute dem Ziel entgegen – und wie. Fenninger erwischte eine ideale Linie und erlaubte sich vor allem im oberen Teil der 1052 Meter langen Strecke kaum Fehler. Bei der Zwischenzeit lag sie noch 0,79 Sekunden vor Maze – doch es sollte nicht reichen. Mit dem minimalen Rückstand von sechs Hundertsteln kam sie ins Ziel. Und auch Kathrin Zettel, die „alte Dame“ des österreichischen Skisports, vermochte es nicht, Maze vom ersten Platz zu verdrängen.

Bild Maze Wieder Silber: Tina Maze gewann schon ihre dritte WM-Medaille © dpa Bilderstrecke 

Als Letzte startete Tessa Worley, nachgewiesen eine unbestrittene Spezialistin im Riesentorlauf. Die WM-Dritte von 2011 kombinierte aggressives Tempo in tiefer Hocke mit beeindruckender technischer Abgeklärtheit bei den Schwüngen um die Torstangen. Es reichte. Und wie: Mit 1,12 Sekunden Vorsprung siegte sie vor der Favoritin – und Schladming jubelte wieder einmal in blau-weiß-rot.

Ski alpin, WM in Schladming

Riesenslalom der Damen:
Gold: Tessa Worley (Frankreich) 2:08,06 (1:04,90/1:03,16) Min.
Silber: Tina Maze (Slowenien) 2:09,18 (1:05,99/1:03,19)
Bronze: Anna Fenninger (Österreich) 2:09,24 (1:05,75/1:03,49)
4. Kathrin Zettel (Österreich) 2:09,60 (1:05,42/1:04,18)
5. Frida Hansdotter (Schweden) 2:10,34 (1:06,55/1:03,79)
6. Mikaela Shiffrin (USA) 2:10,36 (1:06,55/1:03,81)
... 9. Maria Höfl-Riesch (Partenkirchen) 2:11,08 (1:07,34/1:03,74)
... 11. Viktoria Rebensburg (Kreuth) 2:11,39 (1:06,97/1:04,42)
...17. Veronique Hronek (Unterwössen) 2:12,18 (1:08,14/1:04,04)

Quelle: FAZ.NET

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Erdbeben in Italien Zehn Sekunden und danach ist alles eingestürzt

Um 3.35 Uhr beginnen in der italienischen Region Umbrien die Möbel umzufallen, die Wände bewegen sich, Häuser fallen in sich zusammen. Eine Großmutter rettet ihre Enkel in einem Versteck. Mindestens 73 Menschen sterben, immer wieder finden die Helfer Überlebende. Mehr Von Maria Wiesner

24.08.2016, 16:10 Uhr | Gesellschaft
Einfach kochen Da haben Sie den Salat

Salat passt immer – besonders im Sommer. Sternekoch Frank Buchholz zeigt, wie Sie ihn schnell zubereiten und welche zwei Dressings unentbehrlich sind. Mehr Von Maria Wiesner

25.08.2016, 13:52 Uhr | Stil
Meitu-Börsengang Verdienen an Chinas Selfie-Sucht

In keinem anderen Land der Welt knipsen Frauen so viele Smartphonefotos von sich selbst wie in China. Damit kann man Kasse machen. Mit einem der größten Börsengänge des Jahres. Mehr Von Hendrik Ankenbrand, Schanghai

24.08.2016, 07:21 Uhr | Wirtschaft
Fernsehtrailer "Unter Verdacht"

"Unter Verdacht" läuft am Samstag, den 27.08. um 20.15 Uhr im ZDF. Mehr

25.08.2016, 17:30 Uhr | Feuilleton
Elektroautos Teslas Spitzenmodelle bekommen größere Batterien

In weniger als drei Sekunden von Null auf fast 100: Nach den Worten von Firmenchef Elon Musk sollen die neuen Tesla-Modelle die schnellsten Serienautos der Welt werden. Möglich macht das ein neues Bauteil. Mehr

23.08.2016, 23:05 Uhr | Wirtschaft

Ein neuer Stil für die Fußballfrauen

Von Daniel Meuren

Der Olympiasieg der Fußballfrauen ist erst vier Tage alt – und scheint so weit entfernt. Die neue Bundestrainerin Steffi Jones will vieles anders machen als Silvia Neid und zeigt das auch gleich. Mehr 15 19