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Modernisiertes Skispringen Wer hat gewonnen?

Es reicht nicht mehr, weit und möglichst schön zu springen. Mathematische Formeln zum Spiel des Windes machen den Wettkampf fairer. Doch Fluch der Innovation: Das Skispringen lässt den Zuschauer im Stadion oft ratlos zurück.

© dpa Im Wind liegen, um zu gefallen: Skispringer vor den Augen der Wertungsrichter

Um sich behaupten zu können im Wettstreit um die Gunst des Publikums und um mehr Sendezeit, kommen Sportarten nicht umhin, sich regelmäßig zu modernisieren; wenn sie im Schatten des dominierenden Fußballs gedeihen wollen. Dabei geht es gerade den Winter-Wettbewerbern stets darum, das eigene Tun so packend zu inszenieren, wie es ihren Vorbildern, den Biathleten, gelingt: Die Skijäger erfreuen sich einer nie dagewesenen Beliebtheit, seit sie Sprints und Verfolgungsrennen eingeführt und mit viel Marketinggeschick Stars mit Wiedererkennungswert aufgebaut haben, die sie konkurrieren lassen.

Marc Heinrich Folgen:

Skisprung-Funktionäre gehören zu den besonders mutigen Querdenkern, die in immer kürzeren Abständen mit Innovationen überraschen: Änderungen am Material, mathematische Formeln, die nach dem Aufsetzen auf dem Boden den Einfluss der Böen auf die erzielte Weite relativieren, Trainer, die auf einen roten Knopf drücken dürfen und ihren Leuten gegen Punktausgleich eine untere Luke und weniger Anlaufrisiko auf der Schanze zuweisen dürfen. Modifikationen, die für mehr Gerechtigkeit bei der Bewertung von Leistung sorgen sollen, Modifikationen, die den Laien jedoch verwirren, vor allem die Zuschauer an der Schanze. Unmittelbar nach der Landung der Springer sind die Ergebnisse nur noch für Fernsehzuschauer überschaubar. Diese Entwicklung ist riskant, weil sie sich abkoppelt von den Fans im Skistadion. Sie dienen als Staffage für schöne Fernsehbilder, können aber spontan nicht mit Gewissheit sagen, wer Sieger und wer Besiegter ist. Doch die Einschaltquoten stimmen. In Deutschland lag der Fernseh-Marktanteil beim Springen in Oberstdorf bei 27,1 Prozent - und das ist den Verbandschefs das wichtigste Argument, weil es sich in werthaltige Sponsoringverträge ummünzen lässt.

Vierschanzentournee Garmisch-Partenkirchen © dpa Vergrößern Stimmungsvolle Staffage: das Publikum an der Schanze

Noch immer fährt ein Skispringer in luftiger Höhe an, stößt sich von der Schanzenkante ab und rauscht dem Tal entgegen. Doch seit der Internationale Skiverband die Anzugsfläche verknappt hat, ist Skispringen zu einer neuen Disziplin geworden. Die Garderobe war bis zum Sommer tragendes Element, die Ski waren da, um stabil in der Luft zu liegen. Nun haben sich die Proportionen zwischen den wichtigsten Bestandteilen der Ausrüstung verschoben, die Belastung auf die Ski nahm zu. Entstanden ist ein anderes Gefühl fürs Fliegen, wobei die Athleten noch immer nicht wissen, wie ihnen geschieht, und daher heftig experimentieren; die Disqualifikation des Tournee-Mitfavoriten Kofler wegen eines nicht normgerechten Outfits ist vorläufiger Höhepunkt der technischen Tüftelei. So sorgt die Unsicherheit für zusätzliche Spannung.

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Dass die Deutschen mit den komplizierter gewordenen Konditionen gut zurechtkommen, sagt einiges über ihre Reife. Der Arbeitseifer, mit dem Bundestrainer Werner Schuster seine Leute beseelt hat, zahlt sich zudem aus. Er hat die Berliner Experten des Instituts für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten an Bord geholt und wie kaum ein Kollege unter den ungewohnten Bedingungen üben lassen. Die Rückstände auf die Weltspitze sind so kleiner geworden. Zur Freude der marktführenden Österreicher! Schusters Pendant aus der Alpenrepublik, Alexander Pointner, macht gerne deutlich, wie sehr er an einem Nachbarschaftsduell auf Augenhöhe interessiert ist. Für sein höchst professionelles Team bestand die Gefahr, sich zu Tode zu siegen. Piefkes, die den erfolgsverwöhnten Seriensiegern den Kampf ansagen, wären eine neue Herausforderung - und dadurch gut für die weitere Attraktivität des Schanzen-Geschäfts. Ohne irgendjemanden zu verwirren.

Vierschanzentournee Garmisch-Partenkirchen © dpa Vergrößern Wichtig ist, was das Fernsehbild zeigt

Quelle: F.A.Z.

 
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