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Miriam Gössner Auf den Spuren der alten Königin

Biathlon-Hoffnung Miriam Gössner wehrt jeden Vergleich mit Magdalena Neuner ab. Ihre Erfolgsserie geht auch in Oberhof weiter. Sie flitzt so leichtfüßig über den regenschweren Tiefschnee, dass sich der Rest wie Amateure vorgekommen sein muss.

© dpa Vergrößern „Wir wollen als Mannschaft die Lücke schließen. Ich bin nicht alleine da“: Miriam Gössner

Es gibt zwei Fragen, die Miriam Gössner richtig nerven. Die nach ihrem Gewicht, und die, ob sie denn - in ein, zwei Jahren vielleicht - die neue Magdalena Neuner werden könne. Im ersten Fall, es geht um zehn Kilogramm, ringt sich die 22 Jahre alte Biathletin aus Garmisch ein „ja, im Vergleich zu letztem Jahr bin ich schlanker, aber damals hatte ich auch zuviel drauf“ ab, nur bei der Frage nach den Details bittet sie um Verständnis: „Das Thema ist für mich abgehakt. Aber es war meine eigene Entscheidung, abzunehmen.“

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Es war eine gute Entscheidung. Denn mit dem Gewicht der Vorsaison würde Miriam Gössner jetzt ganz bestimmt nicht die Weltcup-Konkurrenz von Berger bis Domratschewa dermaßen in Grund und Boden laufen. Wie am Samstag vor den 23.500 lärmenden Zuschauern in der Oberhofer Nebelschüssel am Grenzadler.

Da flitzte die „Miri“ so leichtfüßig über den regenschweren Tiefschnee, dass sich der Rest wie Amateure vorgekommen sein muss: Tora Berger, Andrea Henkel, Marie Dorin Habert, sie alle hatten im Sprint sämtliche zehn Scheiben abgeräumt, und doch war ihnen Miriam Gössner am Ende voraus - obwohl sie zweimal in die Strafrunde musste.

Trotz zweier Strafrunden gewinnt Miriam Gössner in Oberhof den Sprint © dpa Vergrößern Trotz zweier Strafrunden gewinnt Miriam Gössner in Oberhof den Sprint

Und nimmt man den Sieg und die beiden zweiten Plätze in Pokljuka vor Weihnachten hinzu, steht da jetzt eine richtige Erfolgsserie, die Miriam Gössner auf Platz zwei im Gesamt-Weltcup geführt hat. Da drängt sich die Frage nach der neuen Neuner doch geradezu auf. Die Antwort ist eindeutig. „Nein, die bin ich nicht.“

Was jetzt nicht heißen soll, dass sie sich in Zukunft keine Spitzenposition zutraut. Das auf alle Fälle, aber sie ist eben nicht Lena II., sondern Miri I. „Ich will mich nicht verstellen. Ich bin ich.“ Darum geht es ihr. „Ich habe großen Respekt vor der Lena. Sie hat uns riesengroße Fußstapfen hinterlassen. Aber ich will es auf meine Weise machen“, sagt sie. Wobei gewisse Parallelen unverkennbar sind.

Was kann man Miriam Gössner zutrauen?

Natürlich denkt sie gar nicht daran, sich die Nachfolge-Last alleine aufzubürden. Miriam Gössner spricht immer vom Team, von der guten Stimmung, lobt Andrea Henkels dritten Platz, „die hat doch ein tolles Rennen gemacht“, vergisst auch nicht, Rang neun von Nadine Horchler zu erwähnen und sagt: „Wir wollen als Mannschaft die Lücke schließen. Ich bin nicht alleine da.“ Das habe die Staffel ja mit dem dritten Platz in Oberhof bewiesen: „Das hat uns nicht jeder zugetraut.“ Was aber kann man Miriam Gössner zutrauen?

Eigentlich alles, sofern sie ein bisschen Stabilität in ihre Schießleistungen bekommt. Bislang ist das in der Stehendposition noch zu viel Achterbahn. Allerdings nur im Wettkampf. Im Training räumt Miriam Gössner die Scheiben fast wie selbstverständlich ab. Ein mentales Problem? Eher eines der Erfahrung. „Man darf nicht vergessen, dass sie erst 22 ist und zwei Jahre Schießtraining durch ihren Abstecher zum Langlauf verloren hat“, sagt Frauentrainer Ricco Groß. Und sie macht ständig neue Erfahrungen.

Die Erfolgsserie führte sie auf Platz zwei im Gesamt-Weltcup © dpa Vergrößern Die Erfolgsserie führte sie auf Platz zwei im Gesamt-Weltcup

Bei der Staffel am Donnerstag musste sie zweimal in die Strafrunde, „weil der Diopter zu war. Ich habe nichts mehr gesehen.“ Tags darauf gab sie lachend zu, wieder etwas gelernt zu haben. „Ich weiß jetzt, dass man einen Diopter auch durchpusten kann.“ Nein, bei den Fragen zu ihrer Wankelmütigkeit am Schießstand bleibt sie locker, und wagt sich sogar aus der Deckung: „Ich bin noch lange nicht an meinem Schießlimit angekommen.“

Was noch wichtiger ist: Sie hat jenen Bonus wieder, der ihr zusätzliche Sicherheit verleiht. Sie ist eine der wenigen Biathletinnen, die nicht auf die „Null“ angewiesen sind. Ihr genügen 80 Prozent Trefferleistung. Das hat der Samstag ja gezeigt. Die läuferische Klasse, mit der Miriam Gössner der deutschen Langlaufstaffel als Gast bei der WM 2009 in Liberec zu Platz zwei und ein Jahr später in Vancouver zur olympischen Silbermedaille verholfen hat, ist wieder da. „Ich bin froh, da wieder anknüpfen zu können“, sagt sie.

„Warum sollte es nicht ein drittes Mal klappen?“

Auch Cheftrainer Uwe Müssiggang freut sich, weil die Laufleistung immer noch die Basis des Erfolgs ist - und der Gradmesser. Weil das deutsche Team nach Magdalena Neuner jetzt gleich wieder eine hat, die die Bestzeit bringt. „Das ist im Training die Richtschnur für alle anderen.“ Und führt zur dritten Frage, die Miriam Gössner immer wieder gestellt wird: Wieviel Langläuferin noch in ihr steckt? „Och, wenn sich die Gelegenheit ergibt, die Form stimmt, dann würde ich das sofort wieder machen.“

Die Gelegenheit kommt sehr bald. Die Hände sind schon weit ausgestreckt. „Wir brauchen noch eine Verstärkung für die Frauenstaffel bei der WM in Val di Fiemme“, sagt Thomas Pfüller, der Generalsekretär des Deutschen Skiverbandes. Das kann ja nur eine sein. „Wenn die Miri weiter so läuft, dann ist sie diese Verstärkung. Es hat ja schon zweimal funktioniert. Warum sollte es nicht ein drittes Mal klappen.“

Dreifacher Doppelsieg © AFP Bilderstrecke 

Damals war sie allerdings noch keine Top-Biathletin. Zeitlich wäre es machbar, weil die Nordische Ski-WM (20. Februar bis 3. März) eine Woche nach der Biathlon-WM (6.-17. Februar.) anfängt. Ein ziemlich strapaziöses Programm, das da auf die „Miri“ zukommt. Für die Biathleten soll sie die Kastanien aus dem Feuer holen, für die Langläufer auch - so begehrt war Miriam Gössner noch nie.

Quelle: F.A.S.

 
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