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Magdalena Neuner im Gespräch „Neben meinem Freund aufzuwachen, ist auch ganz schön“

 ·  Die Sportlerin des Jahres 2012 war das Gesicht ihrer Sportart. Nach der vergangenen Saison trat Magdalena Neuner zurück. Dennoch steht die 25 Jahre alte Rekordweltmeisterin noch immer im Rampenlicht.

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© dapd Vergrößern Ohne Gewehr, aber wieder mit Auszeichnung: die ehemalige Biathletin Magdalena Neuner

Sie sind ja schwerer für ein Interview zu kriegen als in Ihrer aktiven Zeit...

. . . Stimmt schon. Ich habe definitiv genug zu tun. Langweilig ist mir jedenfalls nicht.

Was heißt das: Genug zu tun?

Das öffentliche Interesse ist nach wie vor sehr hoch. Ich habe viele Anfragen für Interviews, Fernsehauftritte oder Sponsorentermine. Ich war unterwegs bei Fotoshootings, Werbeaufnahmen, bei Autogrammstunden, bei Kampagnen, bei Podiumsdiskussionen, also ein buntes Programm. Die freuen sich, dass ich jetzt mehr Zeit habe.

Jetzt sind Sie ja doch dauernd unterwegs. Ist dies das beschauliche Leben, das Sie sich vorgestellt haben?

Ich bin doch viel öfter zu Hause als früher. Wenn es bei meinen Terminen ungünstig läuft, habe ich auch mal eine Übernachtung dabei. Aber es sind eben nicht mehr diese langen Abwesenheitszeiten wie früher. Es ist ja auch keine regelmäßige Arbeit. Manchmal habe ich vier, fünf Termine pro Woche, dann mal nur zwei.

Sie haben mal gesagt: „Ich muss nicht auf jede Couch.“ Nach welchen Kriterien wählen Sie aus?

Es gibt schon die ganz besonderen Couches. Ich fand es schön, dass ich bei der ZDF-Sendung „Menschen 2012“ eingeladen war. Da ist man dabei, wenn man etwas Besonderes geleistet hat. Es war auch sehr spannend mit den Klitschko-Brüdern und Sylvester Stallone. Das ist schon eine einmalige Gelegenheit. Aber das meiste - von Quizshows bis zu Kochsendungen - müssen wir leider absagen.

Die Terminflut wird nachlassen. Gibt es etwas, was Sie beruflich reizen würde?

Ich denke schon, dass es mit den Terminen erst mal so weitergeht, auch wenn es sich irgendwann auf die Sponsorentermine beschränken wird. Aber da ich die Verträge und ihre Laufzeit kenne, weiß ich, dass ich die nächsten drei, vier, fünf Jahre noch ziemlich gut beschäftigt bin. Und irgendwann möchte ich auch mal eine Familie gründen. Mir begegnen immer wieder interessante Angebote, und deswegen warte ich jetzt erst mal ab.

Vermissen Sie etwas in Ihrem neuen Leben? Biathlon zum Beispiel.

Ich vermisse nur ganz wenig. Biathlon überhaupt nicht. Was ich schon ein wenig vermisse, sind die gemeinsamen Stunden mit meinen Trainingskameradinnen, ob das hier in Mittenwald war oder mit der Miriam Gössner auf dem Zimmer. Es war ja schon sehr freundschaftlich. Wobei ich sagen muss: Neben meinem Freund aufzuwachen ist auch ganz schön.

Hat sich mit dem Abstand von ein paar Monaten Ihre Sicht auf den Sport verändert?

Ich mache ja schon noch viel Sport, bestimmt mehr als ein Hobbysportler, aber ansonsten bin ich nur noch Biathlon-Fan.

Schalten Sie regelmäßig ein, wenn der Weltcup im Fernsehen läuft?

Ich bleibe deswegen jetzt nicht extra zu Hause. Am Wochenende, wenn ich zu Hause bin, gucke ich schon. Aber immer geht das nicht. Ich hatte vor dem ersten Saisonrennen schon ein bisschen Bammel und habe mich gefragt: Wie wird das für dich sein, wenn du hier auf der Couch sitzt? Es war dann aber total normal, und ich fand es überhaupt nicht seltsam, nicht dabei zu sein.

Mit wem haben Sie noch Kontakt?

Am meisten Kontakt habe ich noch zu Miriam Gössner und Nadine Horchler. Und dem Andi Birnbacher habe ich per SMS zum Sieg gratuliert. Und man läuft sich ja doch noch hin und wieder über den Weg. Da gibt es schon noch einigen Kontakt. Den möchte ich auch weiter pflegen.

Was trauen Sie Ihren früheren Teamkolleginnen zu? Die haben sich ja beschwert, weil sie das Gefühl haben, dass man ihre Leistungsfähigkeit in Frage stellt.

Ich finde, sie machen es richtig gut. Die Miriam ist läuferisch extrem gut drauf, die hat echt einen Riesensprung gemacht, auch Nadine Horchler hat sich extrem gemacht. Ich sehe überhaupt nicht so schwarz wie viele andere. Man muss den Mädels aber auch ein bisschen Zeit geben. Sie stehen unter einem extremen Erwartungsdruck. Aber ich freue, weil ich glaube, dass sie noch besser werden.

Wie groß ist denn der Erwartungsdruck, unter dem Sie stehen? Sind Sie am 29. Dezember, wenn Sie auf Schalke Abschied feiern, noch konkurrenzfähig?

Ich muss erst mal meine Sachen zusammensuchen, um zu sehen, ob ich noch alles habe. Das Langlaufen funktioniert noch ganz gut, aber Schießen wird eher kamikazemäßig.

Wann haben Sie das letzte Mal ein Kleinkalibergewehr in der Hand gehabt?

Bei meinem letzten Weltcup-Rennen in Chanty-Mansijsk. Wäre also ganz gut, wenn sich die Zuschauer ein bisschen in Acht nehmen. Nein, ich versuche schon, vorher ein paar Schuss zu machen, aber ich muss mit der Waffe meiner Schwester üben, weil ich selber ja keine mehr habe. Aber die ist jetzt auch auf Wettkämpfen unterwegs, und da möchte ich sie möglichst nicht stören.

Sie haben eine Schwester, die Biathlon macht?

Ja. Sie ist 18 Jahre alt und im Deutschland-Cup aktiv.

Da eröffnen sich neue Perspektiven...

Mal schauen, aber natürlich würde ich mich freuen.

Wird man Sie beim ein oder anderen Biathlon-Weltcup im Stadion sehen?

Ich bin definitiv in Ruhpolding, weil ich da auch einige Sponsorentermine habe. Aber ich halte mich ganz bewusst zurück. Erstens, weil es für mich sehr stressig wäre, und zweitens, weil sich die Medienvertreter auf die Sportler konzentrieren sollen und nicht auf mich.

Was müsste passieren, um noch mal Geschmack an einem Comeback zu finden?

Mir fällt ehrlich gesagt nichts ein. Für mich war die Zeit im Biathlon, und das war ja mein halbes Leben lang, supertoll. Ich möchte keinen Tag missen, ich habe so viel erlebt. Aber ich habe für mich den richtigen Zeitpunkt für den Abschied gefunden. Ich genieße das Leben, wie es gerade ist. Und es ist schön, wenn man bei minus 16 Grad nicht rausmuss zum Training. Ich mache immer noch viel Sport, aber eben wann ich will. Ich habe jetzt andere Herausforderungen in meinem Leben, und insofern gibt es nichts, was mich zum Biathlon zurückbringen könnte.

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