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Magdalena Neuner Ein bisschen anders

 ·  Der Schritt von Magdalena Neuner verdient höchsten Respekt, auch wenn er dem Verband höchst ungelegen kommt. Wenigstens bis Sotschi hätte man gerne auf den Neuner-Erfolgsfaktor gebaut.

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Natürlich ist das ein harter Schlag für die Skijägerzunft. Nicht nur aus nationaler Sicht, denn auch international ist Magdalena Neuner das Gesicht dieser telegenen Sportart; die prägende Figur der vergangenen vier, fünf Jahre. Und wenn sich die auch menschlich unumstrittene Branchenführerin vor der Zeit von ihrem Metier verabschiedet, dann strahlt das sogar auf den gesamten Wintersport aus. Viele Stars gibt es ja nicht. Anders sind die vielen Reaktionen von jenseits des Schießstandes nicht zu erklären.

Was aber alle - von IOC-Vizepräsident Thomas Bach bis zu den Biathlon-Kollegen - übereinstimmend äußern, ist Verständnis für diesen Schritt. Das Verständnis für eine, die ein bisschen anders gestrickt ist als das Gros der Spitzensportler. Die - das gilt auch wirtschaftlich - eben nicht alles mitnimmt, was sie kriegen kann, die nicht Titel, Ruhm und Geld nachjagt, bis es nicht mehr geht. Die sich nicht an eine Karriere klammert, obwohl die noch fünf oder gar zehn Jahre so weitergehen könnte.

Die es tatsächlich schafft, auf dem Höhepunkt - oder vielleicht sogar davor? - abzutreten, weil sie auch im Leben danach Perspektiven und Herausforderungen sieht. Weil sie die schrille Welt des Sport-Show-Business mitsamt seines Starkults eben nicht für das Nonplusultra hält, sondern eigenen Wertvorstellungen folgt. Und die menschliche Größe besitzt, Beispiel Olympia 2010 - die zweifache Olympiasiegerin verzichtete auf einen Einsatz in der Staffel, um anderen einen schönen Abschluss der Karriere zu ermöglichen.

Droht bald die Mittelmäßigkeit?

Der Schritt von Magdalena Neuner verdient höchsten Respekt, auch wenn er dem Deutschen Skiverband höchst ungelegen kommt. Wenigstens bis Sotschi 2014 hätte man gerne noch auf den Neuner-Erfolgsfaktor gebaut. Droht bald die Mittelmäßigkeit? Gar ein Fiasko? Vor einer ähnlichen Situation hat der Deutsche Skiverband schon mehrmals gestanden.

Als Petra Schaaf-Behle abtrat, war Uschi Disl da; als die Gute-Laune-Bayerin ihre Karriere beendete, schob sich fast wie selbstverständlich die rothaarige Thüringerin Kati Wilhelm in den Blickpunkt; und als diese nach der Olympiasaison 2010 die Waffe in den Schrank stellte, sprach längst alles nur noch von Magdalena Neuner. Und schon vor zwei Jahren hieß es, dass mit Miriam Gössner schon wieder ein außergewöhnliches Talent heranreift.

Und doch liegt der Fall diesmal etwas anders. Das deutsche Team, das nach Olympia 2010 die Abgänge der großen Drei - Kati Wilhelm, Martina Beck und Simone Hauswald - zu verkraften hatte, befindet sich noch im Umbruch. Und die frischen Kräfte konnten sich bislang im tiefen Schatten von Magdalena Neuner und Andrea Henkel in aller Ruhe entwickeln. Dazu bleibt ihnen jetzt nur noch diese Saison. Konkurrenzfähig sind die deutschen Biathletinnen weiterhin, aber eine Sportlerin mit der Strahlkraft einer Magdalena Neuner ist so schnell nicht zu ersetzen. Wenn überhaupt.

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Jahrgang 1956, Sportredakteur.

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