An diesem Wochenende feiert der alpine Ski-Weltcup seinen Auftakt in Sölden. Die Gedanken kreisen aber auch schon um die Olympischen Winterspiele im Februar im kanadischen Vancouver.
Vor dem Start in die Saison spricht Lindsey Vonn, die erfolgreichste Skirennläuferin der vergangenen Jahre über olympische Ziele und ihre Freundin und Konkurrentin Maria Riesch.
Sie starten beim alpinen Ski-Weltcup-Auftakt am Wochenende in Sölden mit neuem Material. Das bedarf einer gewissen Eingewöhnung. Ist es nicht riskant, in einer olympischen Saison die Skimarke wechseln?
Das ist sicher nicht ideal. Aber ich habe in meiner Situation die beste Entscheidung getroffen.
Maria Riesch, Ihre größte Konkurrentin und beste Freundin im Weltcup, war zunächst nicht begeistert, dass Sie nun auch bei Head unter Vertrag sind. Jetzt sind Sie der Superstar in diesem Team. Haben Sie Verständnis dafür, dass sie damit Schwierigkeiten hat?
Ich glaube, es ist für uns beide schwierig. Für mich, weil ich die Nummer eins bin nach meinen Erfolgen. Alle schauen auf mich, alle wollen mich schlagen. Und Maria hat den Druck, die Nummer eins zu werden. Aber wir können über diese Dinge reden.
Schadet Ihr Materialwechsel der Freundschaft also nicht?
Nein. Es ist gut, wenn du mit jemanden auch über alle sportlichen Probleme reden kannst, über den Druck, den wir haben, die vielen Termine. Und jetzt unterhalten wir uns auch darüber, welche Ski wir testen und wie wir damit zurechtkommen. Wir können gut vergleichen, denn wir sind ja fast gleich groß und gleich schwer: Unsere Firma kann neue Modelle bauen, die für uns beide passen. Also haben wir doch auch Vorteile.
Ist der Druck größer geworden nach der vergangenen Saison, in der Sie nicht nur zum zweiten Mal den Gesamtweltcup gewannen, sondern in Val d'Isère auch zwei WM-Titel?
Im Weltcup nicht. Aber von den Medien in meiner Heimat bekomme ich im Hinblick auf die Olympische Spiele mehr Druck. In Amerika interessieren sich die Leute doch kaum für den Weltcup, sondern da zählen nur Olympia-Medaillen. Die Leute glauben, dass ich in Vancouver im Februar fünf Goldmedaillen gewinnen werde. Das ist aber unrealistisch.
Was ist realistisch?
Ich wäre schon froh, wenn ich eine Medaille holen würde. Davon träume ich schon, seit ich ein kleines Mädchen war. Das Einzige, was mir in dieser Saison wirklich wichtig ist: bei den Olympischen Spielen auf dem Podest zu stehen.
Die Spiele finden nicht weit entfernt von Ihrer Heimat statt. Oder fühlen Sie sich mittlerweile schon mehr in Europa daheim? Sie sind oft in Garmisch-Partenkirchen, haben eine Wohnung in Kirchberg.
Wir ziehen aber jetzt um. Das US-Skiteam wechselt nach Zell am See, denn in Kirchberg trainieren jetzt die Kanadierinnen.
Sie haben viele Fans in Deutschland. Weil Sie eine Freundin von Maria Riesch sind? Oder haben Sie noch eine andere Erklärung?
Vielleicht auch deshalb, weil ich Deutsch spreche. Das ist wichtig für mich, denn ich will mich dort, wo ich mich aufhalte, mit den Menschen in deren Sprache unterhalten können.
Das ist aber nicht unbedingt typisch für eine Amerikanerin?
Ich bin auch keine typische Amerikanerin. Ich bin die Einzige in meinem Team, die Deutsch spricht. Ich bin schon früher oft nach Europa gekommen. Und da habe ich Europa lieben gelernt. Ich mag die Leute hier, denn sie sind alle nett, und sie respektieren meine Leistung. Die Sympathie beruht also auf Gegenseitigkeit.
Sie haben einmal gesagt, nach Ihrer Karriere wollen Sie nicht nur in Amerika leben, sondern auch in Europa.
Ja, ich bin auch gerne in Norwegen. Da lebt ein Teil der Familie meines Mannes Thomas. Ich könnte mir schon vorstellen, dort ein paar Monate im Jahr zu leben.
Spricht Ihr Mann auch Deutsch?
Sein Vater ist zwar in Garmisch-Partenkirchen geboren und erst als junger Mann nach Amerika ausgewandert, aber er hat Thomas leider nicht Deutsch beigebracht. Es ist für meinen Mann nicht ganz einfach. Denn wenn ich in Salzburg trainiere, rede ich mit den Trainern dort natürlich nur Deutsch. Ich habe schon zu Thomas gesagt: Entweder du lernst die Sprache ein bisschen, oder du sitzt eben dabei und verstehst nichts. Jetzt hat er sich ein Computer-Lernprogramm besorgt und will nun definitiv Deutsch lernen. Ich werde ihn auch pushen.
Wie wichtig ist es für Sie, dass Ihr Mann Sie zu den Rennen begleitet?
Ich kann mich besser auf den Wettkampf fokussieren; seit ich verheiratet bin, habe ich mehr Selbstvertrauen. Thomas hat mir beigebracht, dass ich nicht immer 100 Prozent geben muss, um ein gutes Resultat zu erzielen. Früher habe ich zu viel riskiert und bin oft im Netz gelandet. Er war ja selbst Rennläufer und hat in seiner Karriere viel gelernt. Und das gibt er nun an mich weiter.
Im vergangenen Jahr wurden Sie für den Award eines Fernsehsenders als beste Sportlerin des Jahres nominiert. Das hat vor Ihnen nur Bode Miller geschafft.
Das war für mich ein großer Schritt. Durch Bode und mich ist der Skisport in Amerika wieder ein bisschen mehr in den Vordergrund gerückt. Jetzt genieße ich Respekt in meiner Heimat.
Treten Sie auch gerne im Fernsehen auf wie Ihre Freundin? Maria Riesch hat ja ein Faible für die Glitzerwelt. Sie war in diesem Jahr in vielen Fernsehshows zu Gast und sogar bei der Hochzeit von Boris Becker.
So etwas gefällt mir auch. Aber ich habe nicht so viele Gelegenheiten dazu wie Maria. Es ist einfach schön, mal etwas ganz anderes zu machen, abseits vom Skirennsport. Ich war mal bei „Law and Order“, das ist meine Lieblingssendung, am Set und habe mit dem Regisseur geredet. Vielleicht ergibt sich da ja mal was.
Können Sie in Amerika eigentlich noch unerkannt über die Straße gehen?
Bisher schon noch. Aber ich hoffe, dass sich das nach den Olympischen Spielen ändern wird.