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Lindsey Vonn Frau im Nebel

Reif für den Geschlechterkampf? Lindsey Vonn beweist in Lake Louise ihre einsame Klasse in Abfahrt und Super G - doch um den Ski-Star ranken sich mysteriöse Geschichten.

© dpa Vergrößern Unbestritten der Star: die amerikanische Skiläuferin hat ihr Lachen wieder gefunden

Natürlich Lindsey Vonn. Wer sonst hätte bei den beiden Abfahrten der Frauen und dem Super G am Wochenende in Lake Louise schon oben stehen sollen? Zum einen ist sie schließlich die alles überragende Schussfahrerin, zum anderen würde sie in Lake Louise vermutlich noch auf einem Ski gewinnen. Auf keiner anderen Strecke hat sie schließlich so oft den Siegerpokal hoch gehalten wie in diesem kleinen Örtchen in den Rocky Mountains.

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2004, 2005, 2006, 2007 und 2008 sowie in beiden Rennen 2009 und 2011 war sie dort in der Schussfahrt schon allen davongefahren, und dazu waren noch die Erfolge im Super G 2010 und 2011 gekommen. Allein Maria Höfl-Riesch war es 2010 gelungen, in beiden Abfahrten vor der Amerikanerin zu landen. Die Deutsche, die diesmal die Ränge drei und sechs in der Abfahrt belegte und im Super-G Fünfte wurde, belegte, nahm die Überlegenheit ihrer einst dicksten Freundin mit Humor. „Wir sollten sie doch mal gegen die Herren antreten lassen.“

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Den Vorschlag, in Lake Louise mal bei den Männern starten zu können, hatte die Amerikanerin im Herbst unterbreitet, aber der Internationale Ski-Verband (Fis) hatte dieses Ansinnen nach einigem Hin und Her abgelehnt. Dass es sich um eine PR-Geschichte handelte und sie in einem derartigen Wettkampf keine Chance haben würde, davon sind viele überzeugt - dass die Fis aber dieses Spektakel mit dem Hinweis auf die Regularien untersagte, halten genauso viele für falsch.

Sogar schneller als die Männer

Schließlich hat es der alpine Rennsport in den Vereinigten Staaten besonders schwer, und daran ändert auch die Tatsache nichts, dass der amerikanische Verband neben Lindsey Vonn in Bode Miller, Ted Ligety und Julia Mancuso über weitere Fahrer mit Superstar-Charakter verfügt. Um also in Nordamerika Schlagzeilen zu generieren, käme so ein Kampf der Geschlechter gerade recht - und mittlerweile darf man fast sicher sein, dass es irgendwann auch dazu kommen wird.

156606035 © AFP Vergrößern Wenn sie gesund bleibt, kann sie keiner schlagen - aber ist sie gesund?

Rechtzeitig vor den Rennen der Frauen in Lake Louise hatte der „Calgary Herold“ gemeldet, dass es 2013 ein Showrennen geben werde, das mit einem Rockkonzert gleich zum Event ausgebaut werde. Ausgeheckt haben diese Idee der kanadische Verbandspräsident Max Gartner sowie Red Bull, der Hauptsponsor von Lindsey Vonn. Am Wochenende wurde flugs lanciert, sie habe an einem Messpunkt mit 137 Kilometern pro Stunde eine höhere Geschwindigkeit erreicht als eine Woche zuvor die Männer an derselben Stelle. Klingt gut, hat aber keine Aussagekraft, weil Wetterverhältnisse und vor allem Streckenführung nicht identisch waren.

Kein Rekord hält für immer

Ihre Siege 12, 13 und 14 in Lake Louise allerdings konnte das nicht schmälern. Am Freitag behielt Lindsey Vonn im Nebel den besten Durchblick und gewann trotz zweier Fahrfehler überlegen mit 1,73 Sekunden Vorsprung vor ihrer Landsfrau Stacey Cook und 1,74 Sekunden vor Maria Höfl-Riesch und der Liechtensteinerin Tina Weirather. Am Samstag ging es knapper und trotzdem eindeutig zu: Wieder war ihr, diesmal mit 0,52 Sekunden Rückstand, Stacey Cook am nächsten gekommen, mit 0,62 Sekunden Rückstand folgte die Schweizerin Maria Kaufmann-Abderhalden als Dritte. Am Sonntag siegte sie vor ihrer Landsfrau Julia Mancuso. Es war der 56. Weltcupsieg für die Amerikanerin, die sich in der ewigen Bestenliste nun auf Platz zwei vor der Schweizerin Vreni Schneider schob.

Platz eins gerät damit in Sichtweite, was wieder als Beleg gelten dürfte, dass so gut wie kein Rekord für immer hält. Die 62 Siege der Österreicherin Annemarie Moser-Pröll galten schließlich als unerreichbar. Bleibt Lindsey Vonn gesund, könnte es allerdings schon in dieser Saison so weit sein. Die Frage ist allerdings, ob die Amerikanerin überhaupt gesund ist. Ihre Darmerkrankung im November bleibt weiterhin ein Rätsel. Ein paar Tage war sie in Vail untersucht worden und danach ohne einen offiziell verkündeten Befund entlassen worden. Auch in Lake Louise hatte sie im Training wieder über Magenschmerzen geklagt, war dann aber im Rennen eine Klasse für sich.

- © AFP Vergrößern Schneller als die Männer: Lindsey Vonn

Natürlich helfen auch solche mysteriösen Geschichten, um in den Vereinigten Staaten in einer Nischensportart für Aufsehen zu sorgen, aber wenn dieser Vorwurf im Skizirkus überhaupt geäußert wird, dann nur hinter vorgehaltener Hand. Allerdings kennt die Branche solche Geschichten. Vor den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver, als alle von ihr Goldmedaillen erwarteten, erklärte Lindsey Vonn in einer herzzerreißenden Pressekonferenz, dass ihr Start wegen einer Schienbeinprellung stark gefährdet sei. Das hinderte sie - wie von allen erwartet - aber nicht daran, überlegen die Goldmedaille in der Abfahrt zu gewinnen.

Kein Verhältnis mit Tiger Woods

Mittlerweile wird spekuliert, dass hinter der Darmerkrankung in Wahrheit Depressionen stehen, ausgelöst durch die Scheidung von ihrem Mann Thomas Vonn und dem zerrütteten Verhältnis zu ihrem Vater. Auch der Steuerskandal im Frühjahr, als sie eine Million Dollar zahlen musste, soll eine Rolle gespielt haben. Was also dahintersteckt, bleibt verworren - derweil gewinnt die Amerikanerin einfach weiter und hat nur ein Gerücht dementiert. Nein, widersprach sie anderslautenden Boulevard-Meldungen, sie habe kein Verhältnis mit dem Golfstar Tiger Woods. Das aber würde garantiert für noch mehr Aufsehen sorgen als ein Rennen gegen Männer.

Vonn of the U.S. celebrates her first-place finish during the Women's World Cup Super G skiing in Lake Louise © REUTERS Vergrößern Drei Starts, drei Siege: Happy Wochenende

Quelle: F.A.Z.

 
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