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Langlauf Evi Sachenbacher führt die Fröhlichkeit nur vor

 ·  „Das Gesicht des Langlaufs“ blickt kurz vor Beginn der WM traurig drein. Evi Sachenbacher lächelt zwar immer noch, doch mit ihren großen braunen Augen, die einst strahlten, sucht sie Halt und Hilfe.

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Es ist so etwas wie das Markenzeichen der erfolgreichen Frauen aus Reit im Winkl: strahlende Augen, das betörende Lächeln, stets gute Laune. Die Markenzeichen der drei Frauen, die als einzige den Ehrenring der Gemeinde tragen: Rosi Mittermaier, dreifache alpine Medaillengewinnerin der Olympischen Winterspiele von 1976, hat nicht nur die Ski-Nation damit betört. Maria Hellwig hat singend den Ort auf allen Fernsehkanälen repräsentiert. Evi Sachenbacher wurde nach ihren Olympiaerfolgen (Gold und Silber in Salt Lake City) und WM-Medaillen zum neuen Liebling weit über die Grenzen des oberbayerischen Schneedorfs hinaus.

„Das Gesicht des Langlaufs“ wurde herumgereicht, Fernsehauftritte, Fototermine für Magazine, eine Gala hier, die nächste Ehrung dort. Die deutschen Skifans hatten endlich wieder einen Star. Und nun das Heimspiel: Langlauf-Weltcup in Reit im Winkl, der letzte Test vor den Nordischen Skiweltmeisterschaften in Oberstdorf, die am Mittwoch beginnen.

Fans würden sie am liebsten anschieben

„Jetzt wackelt das Stadion“ verkündet der Sprecher, als „die Evi“ im 10-Kilometer-Rennen am Samstag auf die Strecke geht; unter dem Auf und Ab des Dachs aus Regenschirmen mühen sich die Zuschauer lautstark, die kleine Person in Schwung zu bringen. Sie würden sie am liebsten schieben im Anstieg, um die Kurven tragen, ihr Flügel verleihen im Schlußspurt. Doch als sie im Ziel ist, das Rennen gelaufen, kehrt wieder einmal - wie so oft in diesem Winter - die Ernüchterung ein.

Drei Russinnen stehen bei der Siegerehrung ganz oben, Evi Sachenbacher rangiert auf Rang zwanzig. Immerhin ist sie damit an diesem Tag beste Deutsche; Claudia Künzel, die bisher erfolgreichste Langläuferin des Deutschen Skiverbandes (DSV), fehlt wegen einer fiebrigen Erkältung.

Unbeantwortete Fragen

Evi Sachenbacher lächelt immer noch, als sie in der neugierigen Runde steht, sie wahrt den Schein der unbekümmert Fröhlichen. Doch die großen braunen Augen, die einst strahlenden, blicken traurig, suchen irgendwo Halt und Hilfe. Evi Sachenbacher weiß, daß jetzt wieder die Fragen kommen werden, die sie nicht eindeutig beantworten kann.

Im Sommer vor der WM-Saison hat sie sich einen neuen Trainer gesucht, hat sich mit Wolfgang Pichler weitgehend unabhängig von der deutschen Mannschaft vorbereitet. War es die richtige Entscheidung? „Habt ihr die Ergebnisse gesehen, das ganze Jahr über?“ fragt DSV-Cheftrainer Jochen Behle provozierend dagegen. „Ich glaube schon, daß es richtig war“, verteidigt Evi Sachenbacher eher zaghaft den Wechsel.

Viele Krankheiten

Gebetsmühlenhaft zählt sie auf, wie oft Krankheit sie zurückgeworfen und den vermeintlichen Leistungsanstieg gebremst haben. Immer wieder die Stirnhöhlen, Nebenhöhlen. „Ich kann nicht nur sagen, ich werde eben krank, sondern muß auch sehen, woher das kommt“, sagt Behle. Er hat Evi Sachenbacher schon nach der vergangenen Saison heftig kritisiert, hat sie dazu gebracht, das Trainingspensum erheblich zu steigern. „Ich habe auch schon gehört, daß man erst einmal nicht mehr so gut ist, wenn man mehr trainiert“, versucht sie zu erklären, „ich grübele auch die ganze Zeit.“ Alle, die Athletin und die Trainer, haben sich „den Leistungsverlauf anders vorgestellt“, so Behle. Und für die WM zu hoffen, daß Evi Sachenbacher wenigstens unter die besten zehn der Weltelite kommt in einem Einzelrennen, „das wäre utopisch“.

Hoffnung auf das schier Unmögliche

Auch sie glaubt nicht an Wunder, aber „die Wettkämpfe in Oberstdorf waren ja noch nicht und vielleicht passiert doch noch eines“. Denn sie kann es besser, darin besteht Einigkeit. Gerade ist sie wieder einmal der Öffentlichkeit vorgeführt worden. Ein Fensterhersteller wird in Zukunft mit ihr werben und sie unterstützen - „allerdings schon mit einer kleinen Leistungskomponente“, wie der Geschäftsführer sagt.

Immer noch sei sie viel gefragt, erklärt Evi Sachenbacher beinahe trotzig, sie und ihr Manager sagten viele Termine ab. Daß sich die Gewichte verschoben haben, daß Claudia Künzel in den Fokus gerückt ist, „das ist mir nur recht und das ist für die Mannschaft gut“. Vom gestörten Klima innerhalb des Teams will sie nichts mehr wissen, der Neid, den sie im vergangenen Jahr zu spüren glaubte, habe sich gegeben. „Die Stimmung ist gut“, sagt sie und nickt heftig dazu, als müsse sie sogar sich selbst davon überzeugen.

„Schnell abhaken“

Dabei möchte Evi Sachenbacher am liebsten die Saison „ganz schnell abhaken“, denn „wenn es eben dieses Jahr nicht klappen möchte, dann eben nicht. Nächstes Jahr sind ja noch die Olympischen Spiele in Turin.“ Davor freilich liegt das kommende Frühjahr, „und dann werden wir ein Fazit ziehen und Maßnahmen ergreifen“, sagt Behle. Das Frühjahr nach einem Winter, der Evi Sachenbacher den strahlenden Glanz aus den Augen genommen hat.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14. Februar 2005
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