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Langläuferin Miriam Gössner : Endlich ohne Ballast

Den Ballast auf ihrem Rücken ist sie in Val di Femme los: Langläuferin Miriam Gössner Bild: dpa

Nur skaten, nicht schießen: Biathletin Miriam Gössner bekämpft den Frust und folgt dem Ruf der deutschen Langläufer. Die brauchen die 22-Jährige bei der WM dringend, auch wenn sie nicht weiß, wo sie im Vergleich mit den Spezialistinnen steht.

          Einfach draufloslaufen. Ohne diesen dreieinhalb Kilo schweren Schießrucksack, ohne diese leidigen Zwischenstopps auf vereisten Kunststoffmatten, ohne dieses rhythmuszerhackende Stop and go. Einfach Vollgas geben. Keine tanzenden Windfähnchen, die man beachten muss, keine Rasten, an denen man drehen muss, keine Scheiben, die man treffen muss, keine Strafrunden, in denen man für Fehler büßen muss. Mensch, haben es die Langläufer gut, wird Miriam Gössner manchmal denken. Und ich mache es mir so schwer.

          Sie jagt ohne Ballast über den Kurs

          Aber jetzt hat die 22 Jahre alte Biathletin aus Garmisch diesen Aushilfsjob als Langläuferin bei den Nordischen Ski-Weltmeisterschaften in Val di Fiemme, und den wird sie genießen: „Ich freue mich wahnsinnig drauf.“ Auf die 10 Kilometer an diesem Dienstag (12.45 Uhr), auf die Staffel zwei Tage später. Nach all dem Schießstand-Stress bei der WM in Nove Mesto muss es geradezu befreiend sein, mal ohne diesen ganzen Ballast über den Kurs zu jagen. Laufen, skaten, das ist ihre wahre Stärke. Auch wenn sie vielleicht nicht mehr ganz in der überragenden Form wie zu Jahresbeginn ist.

          Mit ihrem Kleinkalibergewehr hat Miriam Gössner bei der Biathlon-WM ja wirklich nicht viel Spaß gehabt. Zu viele Fehler, keine Medaille. Zwei sechste Plätze sind für eine, die schon drei Saison-Siege auf dem Konto hat, nicht das Nonplusultra. Und jetzt, da der Biathlon-Zirkus Pause macht, passt Val di Fiemme gerade so in den persönlichen Kalender. Womöglich auch ein bisschen als Frustbewältigung. Trainieren müssen hätte sie sowieso, nur eben mit Gewehr, aber vielleicht ist es ganz gut, die Waffe ein paar Tage in die Ecke zu stellen, „um den Kopf frei zu bekommen“. Nein, es war überhaupt keine Frage, dass sie diese zweite WM-Chance wahrnimmt. „Wenn einem etwas Spaß macht, ist das keine Zusatzbelastung.“

          Olympisches Silber in Vancouver

          Sie macht das ja nicht zum ersten Mal. „Ich hatte doch schon tolle Zeiten mit den Mädels.“ Miriam Gössner und Langlauf, das ist eine Erfolgsgeschichte. Die WM 2009 in Liberec war mit Platz zwei in der Staffel schon ein Highlight, aber olympisches Silber in Vancouver war der Gipfel. Man traute ja seinen Augen kaum, als die damals 19 Jahre alte Leihgabe in der Staffel erst die Riesenlücke zur Spitzengruppe schloss und dann im Finale auch noch Olympiasiegerin Charlotte Kalla aus Schweden stehen ließ.

          Frech, unbekümmert, dynamisch - eine Weltklasseleistung. In Vancouver war Miriam Gössner sogar in eine kleine Identitätskrise geskatet. Langlauf künftig mit oder ohne Gewehr, hieß die Frage, die gar nicht mehr so eindeutig zu beantworten war. Sie wollten die „Miri“ ja auch nicht mehr gehenlassen, die Langläufer. Jochen Behle, damals noch Bundestrainer, hat sogar augenzwinkernd behauptet, er werde ihr Kleinkalibergewehr auf Nimmerwiedersehen in einem tiefen Loch verschwinden lassen. Das Gewehr ist im Gegensatz zu Behle immer noch im Einsatz, von der Olympiastaffel ist nur noch Katrin Zeller übrig. Auch deshalb, weil sich Evi Sachenbacher-Stehle seit dieser Saison als Biathletin versucht. Der schwierigere Umstieg, sagt Miriam Gössner aus Erfahrung: „Es ist viel einfacher, vom Biathlon zum Langlauf zu wechseln. Da muss man nur skaten.“

          Skate-Spezialistin: Gössner läuft meist schneller als die Konkurrenz Bilderstrecke

          Aber mit Höchstgeschwindigkeit, und da gibt es insofern ein kleines Fragezeichen, als Miriam Gössner zwar eine der drei schnellsten Biathletinnen ist, aber nicht weiß, wo sie derzeit im Vergleich mit den Spezialistinnen steht. „Aber ich hoffe, dass ich für die Mannschaft eine Verstärkung bin.“ Wenn Langlauf-Chef Frank Ullrich, früher übrigens Biathlon-Bundestrainer der Männer, davon nicht überzeugt wäre, hätte er sie nicht angefragt. Nein, Miriam Gössner wird dringend gebraucht. Klar ist aber auch, dass sie nach getaner Arbeit flugs in ihren Hauptberuf zurückkehren wird. „Einen Tag nach der Staffel stehe ich in Oslo wieder auf der Matte.“ Samt Gewehr. Biathlon-Weltcup am Holmenkollen - das ist für die Tochter einer Norwegerin fast ein Heimspiel. Lästige Fragen nach dem Schießen kann sie dann locker zweisprachig beantworten.

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