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Neues Rekordspiel : Eishockey-Marathon endet erst um 2.33 Uhr

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Soweit die Kufen tragen: Eishockey kann manchmal eine lange Angelegenheit sein. Bild: Imago

Als längstes Match im Eishockey galt bisher ein Stanley-Cup-Finale vor 81 Jahren mit 176 Minuten. Nun wird die Bestmarke klar geknackt. Doch der aberwitzige Rekord sorgt nicht nur bei den Spielern für Probleme.

          Mit dem mutmaßlich längsten Spiel der Eishockey-Historie haben die norwegischen Teams Storhamar Dragons und Sparta Warriors Geschichte geschrieben. Der 2:1-Erfolg der Gastgeber im Play-off-Viertelfinale der höchsten norwegischen Profiliga stand erst nach 217 Minuten und 14 Sekunden fest. Joakim Jensen sorgte am Montagmorgen um 2.33 Uhr in der achten Verlängerung für den Siegtreffer in der Partie, die am Sonntagabend um 18.00 Uhr in der Nordlichthalle von Hamar begonnen hatte. Der insgesamt 189. Torschuss des Spiels war der entscheidende.

          Freude oder Erschöpfung? Storhamars Spieler fallen nach dem siegbringenden Tor in einer Traube vor den verbliebenen Fans zusammen.

          Selbst den Protagonisten kam das Treiben in der sich immer weiter leerenden Halle bisweilen wie eine „Parodie“ vor, sagte der Siegtorschütze des legendären Spiels. Irgendwann habe man in den Pausen nur noch lachen müssen, berichtete Jensen. Gesundheitlich aber kamen die Akteure an Grenzen. „Ich hatte schon in der zweiten Verlängerung Krämpfe“, gestand Jensen. Der Trainer der Gastmannschaft, Lenny Eriksson, hatte gar kein Vergnügen am Rekord. Er empfand Jensens Treffer, der seiner Mannschaft die Niederlage und den 2:3-Rückstand in der Viertelfinale-Serie einbrachte, als „Befreiung“: „Es war grenzwertig und beinahe unverantwortlich. Das Verletzungsrisiko war wirklich hoch.“

          Was die Angelegenheit zusätzlich erschwerte: Die Essensvorräte in der Halle waren weit nach Mitternacht längst aufgebraucht. Während die Heimmannschaft in den späten Abendstunden noch von einem nahegelegenen Restaurant mit Pizza und Pasta versorgt wurde, waren am Hallenkiosk irgendwann selbst die Schokoriegel vergriffen. „Am Ende haben wir alles zu uns genommen, was wir in die Hände kriegen konnten, unter anderem Schokoladenkuchen“, berichtete Gästetrainer Eriksson. Den Siegtreffer für die Storhamar Dragons um halb drei in der Nacht erlebte nur ein Bruchteil der anfänglich mehr als 5000 Zuschauer mit; die meisten hatten die Halle zu jenem Zeitpunkt erschöpft verlassen.

          Für die Rekordspieler wartet schon das nächste Problem: Sie müssen bereits am Dienstagabend zum sechsten Spiel der maximal sieben Partien umfassenden Serie wieder aufs Eis. Ob dann schon wieder alle bei Kräften sind, bezweifeln selbst die Trainer. „Wir müssen es irgendwie schaffen, den gleichen Willen aufs Neue aufzubringen“, sagte Sparta-Trainer Eriksson. Schließlich dauerte das kräftezehrende Rekordspiel fast dreieinhalb Mal so lange wie üblich.

          In den Meisterschaftsendrunden beim Eishockey wird bei unentschiedenem Spielstand nach den regulären 60 Minuten üblicher Weise so lange verlängert, bis ein weiteres Tor fällt. Als weltweit längstes Match galt bisher ein Stanley-Cup-Finale der nordamerikanischen Profiliga NHL aus dem Jahr 1936. Damals siegten die Detroit Red Wings nach 176:30 Minuten in der sechsten Verlängerung 1:0 gegen die Montreal Maroons. Als bislang zweitlängste Begegnung wurde ein Spiel aus der Deutschen Eishockey Liga geführt. Vor knapp neun Jahren gewannen die Kölner Haie erst nach Mitternacht daheim nach 168:16 Minuten in der sechsten Verlängerung 5:4 gegen die Adler Mannheim.

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