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Kufen-Handel mit den Russen : Sperre und Geldstrafe für Machata

  • Aktualisiert am

Bobpilot Manuel Machata wird gesperrt und muss zahlen Bild: dpa

Der Handel mit Bobkufen ist schon vor der Einführung der Einheitskufen eine gängige Praxis. Selbst Cheftrainer Langen praktizierte dies früher. Nun wird Pilot Manuel Machata für seinen Deal mit einem Russen hart bestraft.

          Die Aufarbeitung der historischen Bob-Pleite von Sotschi hat ein erstes prominentes Opfer gefordert. Der ehemalige Viererbob-Weltmeister Manuel Machata ist vom Bob- und Schlitten-Verband für Deutschland (BSD) wegen seines Kufen-Handels bei den Olympischen Winterspielen mit einer einjährigen Wettkampfsperre belegt worden und muss darüber hinaus 5000 Euro Geldstrafe zahlen.

          „Diese relativ harte Strafe gegen Manuel Machata soll ein erster Schritt sein, um nationale Interessen zu wahren“, meinte BSD-Präsident Andreas Trautvetter am Montag in einer Pressemitteilung des Verbandes. Zwar will das BSD-Präsidium nach einwöchiger Aufarbeitung der Causa Machata die Leihgabe seiner Privat-Kufen an den russischen Doppel-Olympiasieger Alexander Subkow nicht im Zusammenhang mit dem schlechten Abschneiden des eigenen Bob-Teams sehen, dennoch hat das harte Urteil in der Geschichte des Wintersportverbandes Seltenheitswert.

          „Natürlich ist uns bekannt, dass auch in der Vergangenheit Kufen international verliehen und gehandelt wurden. Wir werden die Olympischen Winterspiele von Sotschi zum Anlass nehmen, um klare Regelungen für deutsche Athletinnen und Athleten in unseren Regularien festzulegen“, betonte Trautvetter. Machata selbst wollte sich am Montag offiziell zu dem Urteil nicht äußern und verwies auf seinen Manager Axel Watter.

          „Für diese Sperre gibt es keine Rechtsgrundlage. Daher werden wir Rechtsmittel einlegen. Rechtsanwalt Thomas Fleischer aus Wiesbaden wird die Interessen von Manuel Machata vertreten“, sagte Watter am Montag der Nachrichtenagentur dpa. Immerhin handele es sich um Privatkufen. Nur wenn Machata Kufen des Instituts für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) in Berlin sowie Verbandsmaterial weitergegeben hätte, wäre ihm ein Verstoß gegen die Athletenvereinbarung nachzuweisen.

          Erst der Verband, dann der internationale Markt

          So sei die Leihgabe an Subkow eher so etwas wie „Nestbeschmutzung“ oder hätte einfach nur ein „Geschmäckle“. Der BSD hätte es begrüßt, wenn Machata als Mitglied der Nationalmannschaft vorher mit dem Verband „über die Verwendung des Materials“ gesprochen hätte. So habe er „mit seinem Verhalten den Interessen des Verbandes großen Schaden zugefügt“, heißt es in der Pressemitteilung.

          Auch Cheftrainer Christoph Langen hatte früher eigenes Material an die Konkurrenz verkauft - allerdings nach seinem Rücktritt vom Leistungssport. „Ich hatte aber erst den Verband gefragt, ob er mein Material kaufen möchte, dann kam es auf den internationalen Markt“, meinte Langen. Die Karriere des 29 Jahre alten Piloten Machata ist nun erst einmal auf Eis gelegt.

          „Jeder kann dagegen wetten“

          Immerhin hatte er beim Weltcup-Finale Ende Januar in Königssee eine Kampfansage für die Heim-Weltmeisterschaft 2015 in Winterberg gestartet, nachdem er im Olympia-Winter als viertbester BSD-Pilot nur im Europacup starten durfte. „Ich werde dort Weltmeister. Jeder kann dagegen wetten“, postete er auf sozialen Netzwerken. Sein angepeilter WM-Start im Sauerland wird nun wahrscheinlich durch Juristen entschieden. Und dann steht noch die sportliche Qualifikation an.

          „Wir werden Machata nicht in ein Loch fallen lassen. Ihm verbleiben dann immer noch drei Jahre, wo er sich mit Leistungen anbieten kann“, meinte BSD-Sportdirektor Thomas Schwab im Sender Sky Sport News HD.

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