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Verletzung vor Winterspielen : Auch Luitz muss Olympia-Hoffnung begraben

  • -Aktualisiert am

Schock: Stefan Luitz muss aufgeben Bild: HORCAJU/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Schwerer Dämpfer für die deutschen Alpinen: Stefan Luitz muss in Alta Badia wegen einer Knieverletzung aufgeben. Die Verletzung stellt sich als Kreuzbandriss heraus. Ein Olympiastart ist unmöglich.

          Das Malheur passierte am vierten Tor, kurz vor dem fünften war das Rennen für Stefan Luitz vorbei, und er fuhr neben der Strecke Richtung Tal. Es ist erst einmal ein gutes Zeichen, wenn ein Athlet selbst auf Skiern abfahren kann, aber Luitz hatte am Sonntag weder ein Tor ausgelassen, noch war er gestürzt, sondern er musste den ersten Durchgang des Weltcup-Riesenslaloms von Alta Badia abbrechen – und das ist meistens kein gutes Zeichen. Unten zog er sich erst einmal in das kleine Zelt zurück, in dem die Athleten ihre Skischuhe überprüfen lassen müssen. Mit Tränen in den Augen saß er auf einem Stuhl, die Freundin an seiner Seite. Nach Auskunft von Wolfgang Maier, Alpindirektor des Deutschen Skiverbandes, sei ihm das linke Knie „seitlich aufgeklappt“. Danach habe er keinen Druck mehr auf den Ski geben können.

          Nach einer halben Stunde war der erste Schreck überwunden. Luitz konnte wieder lachen, als er auf den Arzt wartete. Nach der Untersuchung von Oliver Saringer, Physiotherapeut der deutschen Mannschaft, und Christian Hoser, Mannschaftsarzt des Österreichischen Skiverbandes, war der Optimismus jedoch schon wieder verflogen. Maier schüttelte resigniert den Kopf, und Luitz verließ wortlos den Zielraum, um sich nach Innsbruck fahren zu lassen, wo am frühen Abend eine Magnetresonanztomographie durchgeführt wurde. Das Ergebnis bestätigte den ersten Verdacht. Wie Felix Neureuther Ende November erlitt nun auch Luitz einen Kreuzbandriss, den zweiten in seiner Karriere nach 2013. Er wurde noch am Abend in Innsbruck operiert. „Das frustet uns schon extrem. Da fehlen dir mit der Zeit die Worte“, sagte Maier. „Jedes Mal, wenn wir uns anstrengen, kriegen wir einen drauf. Da fragt man sich schon, was tut man da eigentlich.“

          Luitz war nach den beiden Podestplätzen in Beaver Creek und Val d’Isère als einer der Favoriten in den dritten Riesenslalom des Winters gestartet, aber die Hoffnung, die wunderbare deutsche Erfolgsgeschichte an diesem Wochenende fortschreiben zu können, endete schon nach zehn Sekunden. Weil Fritz Dopfer nach seiner langwierigen Verletzung nach eigenen Worten noch „überfordert“ war mit der anspruchsvollen Strecke und sich nicht fürs Finale der besten 30 qualifizierte, holte der Allgäuer Alexander Schmid beim überlegenen Sieg des Österreichers Marcel Hirscher auf Platz 26 als einziger Deutscher Weltcup-Punkte. „Letztes Jahr hatten wir drei in der ersten Gruppe, jetzt gar keinen mehr“, sagte Maier, als feststand, dass nach Neureuther nun auch Luitz für den Rest der Saison ausfällt.

          Der Verlust des zweiten Medaillenkandidaten für die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang „trifft uns extrem“, gibt Maier zu. Luitz hatte nach dem Ausfall des Kollegen in den ersten Wochen des Weltcup-Winters erstaunlich schnell die Rolle der Nummer eins übernommen – und sich im Vergleich zur vergangenen, sehr stabilen Saison noch einmal gesteigert. „Stefan hat an den richtigen Schrauben gedreht“, hatte Dopfer am Tag vor dem Riesenslalom erzählt. „Es gibt bei uns im Team wenige, die das so ernsthaft angehen.“ Die alpinen Olympia-Hoffnungen müssen nun auf jener Mannschaft ruhen, die noch bis vor ein paar Jahren keine Zukunft im DSV zu haben schien.

          Bevor Mathias Berthold 2014 den Cheftrainerposten bei den Männern übernahm, hatte es Überlegungen gegeben, künftig keine Abfahrer mehr zu fördern, sondern sich ganz auf die Slalom- und Riesenslalomgruppe zu konzentrieren. Berthold sah jedoch genügend Potential und überredete die Verantwortlichen, weiterhin in die schnelle Sparte zu investieren. Einen Tag nach dem Super-G-Sieg von Josef Ferstl blieb in der Abfahrt von Gröden zwar die nächste Überraschung aus, auch weil ein paar Athleten mit höheren Startnummern die bei Sonnenschein traditionell besser werdenden Bedingungen nutzten. Mit den Plätzen zwölf bis 14 von Andreas Sander, Thomas Dreßen und Ferstl überzeugten die Deutschen mannschaftlich, zumal Manuel Schmid bei seinem Weltcup-Debüt Sechzehnter wurde und in Dominik Schwaiger auch der fünfte Starter mit Platz 29 Weltcup-Punkte holte. „Sie sind cool gefahren und zeigen ganz klar, dass das Team komplett im Aufwärtstrend ist“, fand Maier am Samstag. Man müsse „die Füße am Boden lassen“ und „das Ding langsam wachsen lassen“. Es ist erstaunlich genug, dass die deutschen Männer auch ohne Neureuther und Luitz wohl nicht ganz chancenlos zu Olympia reisen werden.

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