Home
http://www.faz.net/-gu7-15srk
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Sonntag, 19. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kommentar Die Liga der Dilettanten

10.03.2010 ·  Elegantes Logo, dicker Pokal und fettes Preisgeld: Als die Champions Hockey League gegründet wurde, war den Machern nur das Beste gut genug. Ganze zwei Jahre später ist das Projekt gestorben. Und nicht mal die Antrittsprämien wurden gezahlt.

Von Marc Heinrich
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Elegantes Logo, dicker Pokal und ganz viel Preisgeld: Als die Champions Hockey League 2008 aus der Taufe gehoben wurde, war den Machern des Internationalen Eishockey Verbandes (IIHF) für ihre „Königsklasse“ nur das Allerbeste gut genug. Sie sprachen stolz von der Geburtsstunde einer neuen Ära. Ihrer Branche wollten sie mit dem Wettbewerb, der in vielen anderen Sportarten bestens funktioniert, endlich auch mal wieder zu jenem Glanz verhelfen, der ihr gewöhnlich nur bei ausgesuchten Großereignissen wie Olympia zuteil wird. Endlich sollten die besten Klubmannschaften ein weithin beachtetes Turnier ausspielen. Zehn Millionen Euro an Siegprämien pro Saison wurden in Aussicht gestellt - Summen, die man außerhalb des Fußballs nur selten kassieren kann. Im Eishockey schon gar nicht, wie spätestens jetzt jeder weiß.

Das ambitionierte Experiment ist nach einem kurzen Praxistest gescheitert. Die Cracks der Lions Zürich sind die ersten und auf absehbare Zeit letzten Champions-League-Gewinner. Wegen ökonomischer und organisatorischer Probleme wurde eine Fortsetzung in diesem Herbst endgültig abgesagt; nachdem der CHL zuletzt eine zwölfmonatige Zwangspause verordnet worden war, „um sich strukturell neu aufzustellen“, wie von den IIHF-Funktionären beim Halbjahreskongress in Tunis (!) beschlossen worden war. Von September an hätten acht Landesmeister, darunter der deutsche, ihre Kräfte messen sollen. Die Klubs und Ligen konnten sich aber weder über die Termine noch die Finanzen einigen - und das zwingend benötigte Interesse der Fernsehsender blieb ebenfalls aus.

Gasprom konnte unbehelligt sein Engagement aufkündigen

Bei der Planung des ambitionierten Wettstreits trat ein Dilettantismus zutage, der die CHL im Nachhinein als ein Kunstgebilde entblößt, das auf keinem soliden Fundament stand. So passt es ins schlechte Bild, dass der Haupt-Finanzier, das russische Energieunternehmen Gasprom, trotz bestehender Verträge unbehelligt und über Nacht sein Engagement aufkündigen konnte. Die Investorengruppe bestand darüber hinaus aus einem schwedischen Industriellen, der im Ölgeschäft neureich geworden ist, und einer Firma, die unter einer Briefkastenadresse in der Karibik residiert. Alle Verträge liefen über eine Beteiligungsgesellschaften mit Sitz auf den Cayman-Inseln - seriöses Geschäftsgebaren sieht anders aus.

Beschäftigen werden die Nachwehen der CHL zwei deutsche Klubs - aber anders als erhofft. Die Eisbären und die Hannover Scorpions werden wie ihre Konkurrenten aus dem Debütjahr vor Gericht ziehen müssen, um wenigstens ihre Antrittsprämie in Höhe von 300.000 Euro zu erhalten. Langsam dürfte es vielen Beteiligten dämmern: Der vermeintliche Eishockey-Urknall war in Wahrheit ein schlechter Knallbonbon.

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Absprung verpasst

Von Jörg Hahn

Martin Schmitt und Michael Greis hätten einen Abgang mit Applaus verdient. Doch zumindest der Skispringer hat vielleicht den richtigen Zeitpunkt schon verpasst. Mehr