Home
http://www.faz.net/-gu7-7614g
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Im Gespräch: Streif-Kenner Rauffer „Du siehst nicht, wohin du springst“

Max Rauffer war nach Markus Wasmeier der einzige deutsche Skirennfahrer, der eine Abfahrt gewann. Im Interview spricht er vor dem Weltcup in Kitzbühel über seine Erlebnisse auf der legendärsten Strecke der Welt und darüber, warum seine Nachfolger den Sprung in die Weltspitze nicht schaffen.

© picture-alliance/ dpa/dpaweb Vergrößern Herausforderung Abfahrt: Rauffer rast in tiefer Hocke den Berg hinab

Max Rauffer startete von 1992 bis 2005 für das Team des Deutschen Skiverbandes (DSV) in den Speed-Disziplinen. Seinen größten Erfolg feierte der Bayer mit einem ersten Platz beim Abfahrtsrennen am 18. Dezember 2004 in Gröden – der einzige Sieg eines deutschen Abfahrers nach der Ära Markus Wasmeier. Rauffer galt viele Jahre als große Hoffnung in einem DSV-Männerteam, das zwischenzeitlich nicht mehr konkurrenzfähig war. Doch zahlreiche Verletzungen stoppten ihn  – unter anderem zwei Kreuzbandrisse und Wirbelbrüche. Nach seiner Aktivenlaufbahn studierte er Wirtschaftsingenieurwesen. Heute arbeitet er als „Manager Biologics und Sportmedizin“. Neben seinem Hauptberuf zeigt er als Ski-Guide Firmengruppen berühmte Abfahrtstrecken in den Alpen. Erst neulich war er mit einer Gruppe auf der „Streif“ – und schilderte deren Tücken. An diesem Freitag (11.30 Uhr) startet die Elite im Super G auf der wohl legendärsten Strecke der Welt.

Herr Rauffer, beim Abfahrtsrennen in Wengen überboten sich die Athleten mit neuen Rekordgeschwindigkeiten. Beim Franzosen Johan Clarey wurden 161,90 Stundenkilometer gemessen. Lässt sich sowas in Kitzbühel wiederholen?

Die Geschwindigkeiten sind beeindruckend. Aber wir waren früher auch nicht viel langsamer. Ich habe es einmal auf 156,80 Stundenkilometer gebracht. Wengen ist jedoch prädestiniert für solche Topzeiten. Im Haneggschuss geht es auf mehreren hundert Metern nur geradeaus. Auf diesem Teilstück nehmen die Fahrer unglaublich Geschwindigkeit auf. Andere Abfahrten haben in ihrer Kurssetzung noch mehr Kurven und sind daher etwas langsamer – auch Kitzbühel.

Gleich sechs Starter stellten an einem Wochenende einen neuen Geschwindigkeitsrekord auf. Es ging um Hundertstel. Überrascht Sie das nicht?

Die Zeitabstände sind insgesamt viel geringer als früher. Skitechnisch hat sich viel getan. Man sieht von außen fast keine Fehler mehr, egal, wer den Berg hinunterfährt.

Mehr zum Thema

Das hieße ja, dass der Schnellste nur der Beste unter den Besten ist, der Primus inter pares sozusagen?

Alle Athleten, die in einem Zeitfenster von wenigen Sekunden bleiben, sind Weltklasse. Wer in diesem Rahmen am Ende die beste Zeit hat, ist der Held unter gleichen. Das relativiert auch die Ergebnisse der Deutschen. Es scheint, als würden sie – gemessen  an den Plazierungen – hinterherfahren. Das ist falsch: Auch sie sind absolute Top-Fahrer.

Die von den „Top Ten“ in dieser Saison weit entfernt sind. Dabei hatte Stephan Keppler vor dem Weltcup-Winter angekündigt, endlich in die Weltspitze vorstoßen zu wollen.

Wir Deutschen hatten schon immer ein großes Verletzungspech. Nehmen Sie doch nur die aktuelle Saison. Der Tobias Stechert fährt in Lake Louise auf einen hervorragenden fünften Platz, stürzt kurz darauf und fällt wochenlang aus. Solch eine Verletzung wirft einen jedes Mal von neuem zurück. Das ist auch Kopfsache. Jeder, der schon mal einen Autounfall hatte, fährt hinterher anders, verunsicherter. Stephan Keppler hatte mit vielen Stürzen und Verletzungen zu kämpfen. Und er hat deshalb permanent Schmerzen. 

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Streif-Sieger Ferstl senior Wir hatten Strohballen und einen Lattenzaun

Nach Sepp Ferstl 1979 hat kein deutscher Skirennläufer mehr das berühmte Hahnenkamm-Rennen gewonnen. Sein Sohn Josef schaffte mittlerweile der Sprung in die erweiterte Elite der Abfahrtsläufer. Streif-Sieger Ferstl über das wahnsinnige Abfahrtsrennen in Kitzbühel und den Start seines Sohnes. Mehr

23.01.2015, 16:50 Uhr | Sport
275 Kilometer durch die Grüne Hölle

Beim großen Jungle Marathon Rennen müssen die Athleten durch den brasilianischen Regenwald laufen. Nicht alle stehen die Quälerei durch. Mehr

15.10.2014, 14:03 Uhr | Sport
Mythos Streif Die gefährlichste Strecke der Welt

Die Streif ist die anspruchsvollste, gefährlichste, brutalste Abfahrt der Welt. Am Mythos wird Jahr für Jahr gearbeitet. Mehr Spektakel als in Kitzbühel darf nirgends sein. Ist das noch Skifahren oder ist das schon Wahnsinn? Mehr Von Michael Eder, Kitzbühel

24.01.2015, 09:40 Uhr | Sport
Buenos Aires Poledance Meisterschaft in Südamerika

Athleten haben auf den Straßen von Buenos Aires ihren Sport gezeigt. Dabei turnten sie wortwörtlich in der Stadt herum. Mehr

22.11.2014, 14:13 Uhr | Gesellschaft
Verkürzte Kitzbühel-Abfahrt Entschärfte Legende

Der Nebel entschärft den Mythos Hahnenkamm-Rennen: Gestartet wird die Abfahrt um 13.45 Uhr - und erst am Seidlalm-Sprung. Die Schlüsselstelle Mausefalle und der Steilhang fallen heute weg. Mehr

24.01.2015, 12:57 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 24.01.2013, 22:13 Uhr

Wo lag der Fehler im System?

Von Anno Hecker

Der deutsche Sport geht reumütig vor Claudia Pechstein in die Knie. Die DOSB-Huldigung bildet aber nicht den Anfang vom Ende einer leidigen, schmerzhaften Geschichte, sondern den Beginn einer neuen Fragerunde. Mehr 1 7