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Im Gespräch: Streif-Kenner Rauffer „Du siehst nicht, wohin du springst“

Max Rauffer war nach Markus Wasmeier der einzige deutsche Skirennfahrer, der eine Abfahrt gewann. Im Interview spricht er vor dem Weltcup in Kitzbühel über seine Erlebnisse auf der legendärsten Strecke der Welt und darüber, warum seine Nachfolger den Sprung in die Weltspitze nicht schaffen.

© picture-alliance/ dpa/dpaweb Herausforderung Abfahrt: Rauffer rast in tiefer Hocke den Berg hinab

Max Rauffer startete von 1992 bis 2005 für das Team des Deutschen Skiverbandes (DSV) in den Speed-Disziplinen. Seinen größten Erfolg feierte der Bayer mit einem ersten Platz beim Abfahrtsrennen am 18. Dezember 2004 in Gröden – der einzige Sieg eines deutschen Abfahrers nach der Ära Markus Wasmeier. Rauffer galt viele Jahre als große Hoffnung in einem DSV-Männerteam, das zwischenzeitlich nicht mehr konkurrenzfähig war. Doch zahlreiche Verletzungen stoppten ihn  – unter anderem zwei Kreuzbandrisse und Wirbelbrüche. Nach seiner Aktivenlaufbahn studierte er Wirtschaftsingenieurwesen. Heute arbeitet er als „Manager Biologics und Sportmedizin“. Neben seinem Hauptberuf zeigt er als Ski-Guide Firmengruppen berühmte Abfahrtstrecken in den Alpen. Erst neulich war er mit einer Gruppe auf der „Streif“ – und schilderte deren Tücken. An diesem Freitag (11.30 Uhr) startet die Elite im Super G auf der wohl legendärsten Strecke der Welt.

Herr Rauffer, beim Abfahrtsrennen in Wengen überboten sich die Athleten mit neuen Rekordgeschwindigkeiten. Beim Franzosen Johan Clarey wurden 161,90 Stundenkilometer gemessen. Lässt sich sowas in Kitzbühel wiederholen?

Die Geschwindigkeiten sind beeindruckend. Aber wir waren früher auch nicht viel langsamer. Ich habe es einmal auf 156,80 Stundenkilometer gebracht. Wengen ist jedoch prädestiniert für solche Topzeiten. Im Haneggschuss geht es auf mehreren hundert Metern nur geradeaus. Auf diesem Teilstück nehmen die Fahrer unglaublich Geschwindigkeit auf. Andere Abfahrten haben in ihrer Kurssetzung noch mehr Kurven und sind daher etwas langsamer – auch Kitzbühel.

Gleich sechs Starter stellten an einem Wochenende einen neuen Geschwindigkeitsrekord auf. Es ging um Hundertstel. Überrascht Sie das nicht?

Die Zeitabstände sind insgesamt viel geringer als früher. Skitechnisch hat sich viel getan. Man sieht von außen fast keine Fehler mehr, egal, wer den Berg hinunterfährt.

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Das hieße ja, dass der Schnellste nur der Beste unter den Besten ist, der Primus inter pares sozusagen?

Alle Athleten, die in einem Zeitfenster von wenigen Sekunden bleiben, sind Weltklasse. Wer in diesem Rahmen am Ende die beste Zeit hat, ist der Held unter gleichen. Das relativiert auch die Ergebnisse der Deutschen. Es scheint, als würden sie – gemessen  an den Plazierungen – hinterherfahren. Das ist falsch: Auch sie sind absolute Top-Fahrer.

Die von den „Top Ten“ in dieser Saison weit entfernt sind. Dabei hatte Stephan Keppler vor dem Weltcup-Winter angekündigt, endlich in die Weltspitze vorstoßen zu wollen.

Wir Deutschen hatten schon immer ein großes Verletzungspech. Nehmen Sie doch nur die aktuelle Saison. Der Tobias Stechert fährt in Lake Louise auf einen hervorragenden fünften Platz, stürzt kurz darauf und fällt wochenlang aus. Solch eine Verletzung wirft einen jedes Mal von neuem zurück. Das ist auch Kopfsache. Jeder, der schon mal einen Autounfall hatte, fährt hinterher anders, verunsicherter. Stephan Keppler hatte mit vielen Stürzen und Verletzungen zu kämpfen. Und er hat deshalb permanent Schmerzen. 

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