08.04.2010 · Die Augsburger Panther haben den Favoriten und Titelverteidiger Eisbären Berlin im DEL-Play-off-Viertelfinale besiegt. Im Interview erklärt Trainer Mitchell, warum die Berliner trotzdem die beste Eishockey-Mannschaft sind, was mit Augsburg noch möglich ist und weshalb er im Sommer wieder Tausende Kilometer im Auto fahren wird.
Larry Mitchell ist seit gut zwei Jahren Trainer der Augsburger Panther. In Deutschland geboren und in Kanada aufgewachsen, lebt der 42-jährige Eishockey. Am Mittwoch hat seine Mannschaft im fünften Viertelfinalspiel um die deutsche Meisterschaft Titelverteidiger Eisbären Berlin aus dem Wettbewerb geworfen.
Wie geht es Ihnen nach dieser Überraschung?
Ich bin stolz und glücklich auf mein Team. Es hat als Kollektiv überzeugt. Wir haben in der ersten Runde Mannheim rausgeworfen und jetzt Berlin. Mit jedem Spiel haben wir Selbstvertrauen getankt.
Waren Sie sicher, dass Ihre Spieler die Eisbären besiegen können?
In der Vorrunde hat Berlin in einer eigenen Liga gespielt. Vielleicht war es das, was alle Gegner motiviert hat, zu versuchen, das Unmögliche möglich zu machen. Wir wussten, dass wir Berlin schlagen können, denn das war uns in der Serie zweimal gelungen. Was wir nicht wussten, war, ob wir in der O2-World vor 14.000 Zuschauern bestehen würden. Als uns das gelungen war mit unserem 5:3 im dritten Spiel, hatten wir das nötige Selbstbewusstsein.
Sind Sie wirklich das bessere Team?
Wir haben in acht Spielen gegen die beste Mannschaft viermal gewonnen. Und ich bleibe dabei: Die Eisbären sind die beste Mannschaft in Deutschland.
Was können Sie jetzt noch erreichen?
Das ist ein großes Fragezeichen. Wir genießen den Moment kurz, dann bereiten wir uns auf Wolfsburg vor. Die haben uns letztes Jahr aus den Play-offs geworfen. Wir haben nicht das Recht, von der Meisterschaft zu sprechen. Die Rolle als Außenseiter liegt uns. Wir haben genug Wut im Bauch, um uns für letztes Jahr zu revanchieren.
Sie haben den kleinsten Etat der Liga. Wie motivieren Sie Ihre Mannschaft?
Das Team sind die Spieler. Aber ein kleines bisschen bin ich auch stolz auf mich. Ich bin im vergangenen Sommer 7000 Kilometer mit dem Auto durch Amerika gefahren, um Spieler zu finden, die charakterlich stark sind.
Ist die deutsche Liga attraktiv für Amerikaner?
Deutschland ist attraktiv. Unsere Finanzen sind es leider nicht. Vielleicht wird es besser, wenn wir unser Stadion ausgebaut haben. Die Bagger warten schon.
Kämpfen Ihre Spieler für den Verein oder dafür, sich für bessere Verträge in anderen Klubs zu empfehlen?
Das ist ein wunder Punkt. Alle unsere Leistungsträger haben schon woanders für viel Geld unterschrieben. Da ist die DEL gefordert. Den Vereinen mache ich keinen Vorwurf. Aber die DEL muss vorschreiben, dass Verträge erst nach Ende der Saison geschlossen werden dürfen. Ich habe meinen Spielern immer versprochen, dass ich dafür kämpfen werde, dass sie im nächsten Jahr mehr Geld bekommen.
Wer geht?
Das ist ganz einfach: Die Deutschen bleiben, auch unser Torwart Dennis Endras. Die Ausländer gehen. Das ist die Hälfte der Mannschaft. Eigentlich macht mich das noch mehr stolz, dass die Spieler so mit dem Herzen bei den Augsburger Panther sind.
Bedeutet das, Ihr Sommerprogramm steht schon fest?
Sobald die Play-offs vorbei sind, fliege ich nach Nordamerika und setzte mich ins Auto. Ich muss mich jetzt nicht beeilen. Die Spieler warten.