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Gregor Schlierenzauer Trittfest auf dem Weg zum nächsten Gipfel

Die Erwartungen einer skiverrückten Nation ruhen auf ihm. Doch er gibt sich ganz cool. Der sechzehn Jahre alte Österreicher Gregor Schlierenzauer führt auch nach dem zweiten Springen die Gesamtwertung der Vierschanzentournee an.

© REUTERS „Ich mach das schon ganz gut”

Gregor Schlierenzauer kann nicht alles haben: „Für den Schanzenrekord hat es noch nicht ganz gereicht, den lasse ich erst mal noch dem Sigurd Pettersen“, sagte er in Oberstdorf. Als sei es die selbstverständlichste Sache der Welt, dass ein Sechzehnjähriger bei seinem ersten Auftritt bei der Vierschanzentournee die Weltelite wie dumme Jungs aussehen lässt, genoss der österreichische Weltcup-Neuling das Ende des alten und den Beginn des neuen Jahres. Mit seinem überragenden Sieg in Oberstdorf, zehn Punkte vor dem Zweiten Andreas Küttel (Schweiz), und als Vierter in Garmisch-Partenkirchen holte er sich auf Anhieb die Führung in der Gesamtwertung der Vierschanzentournee.

Nun kommt Innsbruck, und die Erwartungen einer skiverrückten Nation ruhen auf ihm: „Ich freue mich wahnsinnig, dass ich jetzt auf meiner Hausschanze springen kann vor vielen tausend Fans“, sagte er am Neujahrstag. Er gibt sich ganz cool, doch ab und zu spielt die Jugend Gregor Schlierenzauer noch einen Streich. „Ich mach das schon ganz gut“, findet er, als eine Batterie von Objektiven und Mikrofonen auf ihn gerichtet ist – und wird doch für einige Sekunden rot.

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EImmer eine hochwertige Konkurrenzsituation“

Dieser Tiroler aus Fulpmes im Stubaital hat sich bis zu diesem Winter in Wettbewerben bewiesen, die von der Öffentlichkeit bestenfalls am Rande wahrgenommen werden. Und plötzlich steht er im Mittelpunkt, tut keinen Schritt mehr unbeobachtet. Mit der Unbekümmertheit eines Heranwachsenden reagiert er auf Drängen und Staunen und holt alle auf den Boden, die in ihm ein Wunderkind sehen, an dem es in absehbarer Zukunft kein Vorbeikommen gibt: „Ich hoffe, dass dies nicht meine letzte Vierschanzentournee ist“, sagt er – mit vollem Ernst.

Gregor Schlierenzauer © AP Vergrößern Gipfelstürmer Gregor Schlierenzauer

Er sei wie ein goldener Apfel vom Baum gefallen, behaupten die einen. Wie eine Rübe sei er aus dem Boden gekommen, und „und keiner weiß, warum“, behauptet der deutsche Bundestrainer Peter Rohwein. Doch Alexander Pointner, Cheftrainer in Österreich, weiß, dass ein neuer Stern nicht einfach vom Himmel fällt: „Er ist ja kein frisch G’fangner.“ Schlierenzauer habe „step by step in allen Altersstufen den Ausbildungsweg gemacht“. Im SV Innsbruck-Bergisel, dem Klub des österreichischen Skisprungidols Toni Innauer, mittlerweile Sportdirektor des Skiverbandes, ist Schlierenzauer zusammen mit Innauers Sohn Mario aufgewachsen. Beide leben und trainieren im Skigymnasium in Stams. „Sie haben miteinander sehr viele Tausende Sprünge gemacht. Es war immer eine hochwertige Konkurrenzsituation, und das bildet auch den Charakter aus“, sagt Innauer.

Ist die Karriere zu rasant?

Um ihm die nötige Charakterfestigkeit auch zu erhalten, haben Pointner und Innauer ihren Jungstar mit dem Ältesten im Team der Weltmeister und Olympiasieger, mit Andreas Widhölzl, aufs Zimmer gesteckt. „Es ist sicher gut, mit einem Routinier einen Schritt nach dem anderen über den Berg zu steigen. Wenn du bis kurz vor dem Gipfel mit einem mitgehen kannst, der trittfest ist, ist das von Vorteil für die letzten paar Schritte.“

Die erste Höhentour hat Schlierenzauer mit Bravour hinter sich gebracht und ist gerüstet für weitere Gipfelbesteigungen. Er habe fürs Skispringen etwas, was mit dem absoluten Gehör in der Musik vergleichbar sei, spüre einfach die Luftkräfte und könne optimal mit ihnen umgehen, sagt Innauer. Seine sensomotorischen Voraussetzungen ließen ihn zum Beispiel den Übergang vom Schanzentisch in die Flugphase optimal gestalten. „Normalerweise“, sagt Innauer, „ist dieser Bereich ein blinder Fleck, weil es so schnell geht.“ Geht es nicht auch mit der Karriere zu rasant? „Wir tun gut daran, wenn wir immer wieder mitschwingen lassen, dass er erst 17 wird“, meint Innauer aus eigener Erfahrung. Mit 15 war er das erste Mal bei der Tournee, und wie jetzt Schlierenzauer hielt er sich – und alle anderen ihn auch – für ungeheuer reif. „Aber man kommt dann erst später, im Rückblick drauf, dass doch manches in der Euphorie überzogen wird.“

Einer, der das Geschäft Spitzensport gut kennt, soll dafür sorgen, dass Schlierenzauer die Bodenhaftung nicht verliert. Sein Onkel Markus Prock, ehemaliger Rodel-Weltmeister, fungiert als Manager für den Sechzehnjährigen, der bereits einen Sponsorenvertrag unterschrieben hat. Es wird nicht der letzte sein: Im Moment fliegt ihm einfach alles zu. „Er ist eben noch ein fast unbeschriebenes Blatt“, sagt Innauer, „eines, wo alle Dinge nur in Schönschrift draufstehen.“ Am 7. Januar, dem Tag des letzten der vier Tourneespringen in Bischofshofen, wird Gregor Schlierenzauer 17 Jahre alt. Und dann soll auf diesem Blatt stehen: Gesamtsieger der Vierschanzentournee.

Quelle: F.A.Z.

 
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