Home
http://www.faz.net/-gu7-75j7c
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Gregor Schlierenzauer Reifezeugnis mit Bestnoten

Gregor Schlierenzauer winkt beim Finale der Vierschanzentournee das 45. Meisterstück seiner Karriere. In Österreich wird der Skispringer gefeiert wie ein Pop-Star. Doch dieser Hype macht ihn stutzig.

© WITTERS Vergrößern „Ich muss versuchen, bei mir zu bleiben“: Gregor Schlierenzauer

Es war nur eine flüchtige Begegnung. Aber eine, die zumindest bei einem der beiden Beteiligten bleibenden Eindruck hinterlassen hat: Gregor Schlierenzauer traf am Flughafen von Helsinki auf Matti Nykänen. Der junge Österreicher erkannte den ehemaligen Sportstar sofort, doch seine Bemühungen, vom Finnen ein Autogramm zu erhalten, gestalteten sich schwierig. Nykänen war, wie sich Schlierenzauer erinnert, schon am Vormittag „ziemlich rauschig“.

Marc Heinrich Folgen:  

Er konnte sich nur mit Mühe auf den Beinen halten, geschweige denn mit ruhiger Hand seinen Namen zu Papier bringen. Nykänen, der bald fünfzig wird, ist bis heute der erfolgreichste Skispringer der Welt. Seine 46 Triumphe im Weltcup sind noch immer der Maßstab seiner Nachfolger. Schlierenzauer ist ihm so dicht wie niemand zuvor auf den Fersen.

Mehr zum Thema

Für Nykänen, der nach seiner Laufbahn die Kontrolle über sein Leben verlor, dem Alkohol und Drogen verfiel, kann Schlierenzauer keine Bewunderung aufbringen: „Er ist auf dem Papier der mit den meisten Siegen in unserem Sport“, sagt der Tiroler, „doch er macht auch so viele Negativschlagzeilen. Darum wär’s gescheit, wenn einmal ein anderer kommt, der in der Öffentlichkeit mit dem Rekord in Verbindung gebracht wird.“ Die Chancen, dass er es schon bald und für vermutlich lange Zeit sein wird, stehen bestens.

An diesem Sonntag (16.30 Uhr / Live im Vierschanzentournee-Ticker bei FAZ.NET), beim Finale in Bischofshofen, winkt dem 22-Jährigen als Titelverteidiger das 45. Meisterstück seiner Karriere. „Es ist ein Event mit großer Tradition, da ist sehr viel Aufmerksamkeit darauf gerichtet, und es herrscht eine geile Stimmung. Es zeigt, dass man ein Guter ist, wenn man die Tournee gewinnt“, sagt der Führende der Gesamtwertung, der sich mit dem Norweger Anders Jacobsen ein packendes Duell liefert.

Gregor Schlierenzauer hat die Wut auf sich und die Welt längst hinter sich gelassen © AFP Vergrößern Gregor Schlierenzauer hat die Wut auf sich und die Welt längst hinter sich gelassen

Schlierenzauer ist in seinem Metier eine Ausnahmeerscheinung. So wie Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel, Fußballgenie Lionel Messi oder Basketballprofi Dirk Nowitzki. „Sein Talent ist ein Geschenk. Er hat schon so viel erreicht - und das war trotzdem erst der Anfang“, sagt Alexander Pointner, der Cheftrainer der österreichischen Springer. Keiner in seinem bestens besetzten Kader arbeitet härter an sich als Schlierenzauer, der mit langen Oberschenkeln und seinem schmalen, aber drahtigen Oberkörper über beste Hebel verfügt.

Der Stubaitaler mit dem Flaum am Kinn und den buschigen braunen Haaren ist morgens der erste Athlet am Materialwagen und fachsimpelt mit den Technikern über die richtige Wachsmischung und legt oft nach dem Training noch alleine eine Zusatzschicht im Kraftraum ein. Vieles, was bei ihm in der kurzen Phase der Schwerelosigkeit nach dem Absprung so leicht ausschaut, ist Resultat seines beharrlichen Arbeitseifers, auch im Sommer.

Eine Etappe hat der Österreicher noch zu bewältigen auf dem Weg zum großen Ziel © dpa Vergrößern Eine Etappe hat der Österreicher noch zu bewältigen auf dem Weg zum großen Ziel

Durch seine Rekorde hat er schon jetzt, während manche Altersgenossen gerade nach der Ausbildung das erste Gehalt bekommen, ausgesorgt. Alleine das Preisgeld, das ihm der Internationale Skiverband zahlte, beläuft sich auf mehr als eine Million Euro; hinzu kommt ein Sponsoringvertrag mit dem Brausehersteller Red Bull. Gemanagt wird Schlierenzauer, der als Hobbyfotograf gerade seine erste Vernissage „Stille Momente“ in Wien eröffnete, von seinem Onkel Markus Prock, dem ehemaligen Weltklasse-Rodler.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Crashtest - Die Formel-1-Kolumne Der neue Weltmeister?

Mick Schumacher, der Sohn des Rekordchampions, gelingen erste Erfolge im Motorsport. Schon sprechen einige von einem neuen Weltmeister. Kann er den Erwartungen gerecht werden? Mehr Von Michael Wittershagen

24.09.2014, 13:11 Uhr | Sport
Jogi Löw bleibt Bundestrainer

Der 54-jährige sagte dem DFB, er habe nicht vor, seine Verpflichtung vorzeitig zu beenden - es gäbe nach dem Sieg der WM noch weitere Ziele. Er könne sich außerdem nichts Schöneres vorstellen. Mehr

23.07.2014, 17:06 Uhr | Sport
Eichlers Eurogoals Das große Fressen nach der WM

Bei der WM in Brasilien wurden Stars wie Ronaldo, Rooney oder Messi nicht satt. Nun stillen sie in den europäischen Ligen ihren großen Torhunger. Nur Beißer Suarez muss noch auf seine Vampir-Stunde warten. Mehr Von Christian Eichler

29.09.2014, 13:21 Uhr | Sport
Der noch größere Verein als Bayern

Mit dem FC Bayern hat er alles gewonnen, jetzt freut sich Fußball-Weltmeister Toni Kroos über seine neue Aufgabe bei Real Madrid. Mehr

17.07.2014, 22:06 Uhr | Sport
Finnlands Ministerpräsident im Gespräch Die Integration Russlands in den Westen war eine Illusion

Die Beziehungen zum Nachbarn Russland waren für Finnland stets eine heikle Angelegenheit. Im F.A.Z.-Interview spricht Ministerpräsident Alexander Stubb über eine Nato-Mitgliedschaft seines Landes, die Ukraine-Krise und den Streit über den Freihandel. Mehr

01.10.2014, 06:52 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 06.01.2013, 13:33 Uhr

Der Sport muss ins Boot steigen

Von Anno Hecker

Die Politik einigt sich auf einen Entwurf zu einem Anti-Doping-Gesetz. Man muss den Eindruck haben, der Spitzensport sitze nicht mit im Boot, wenn in Berlin über sein Schicksal entschieden wird. Mehr 1