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Gregor Schlierenzauer Reifezeugnis mit Bestnoten

 ·  Gregor Schlierenzauer winkt beim Finale der Vierschanzentournee das 45. Meisterstück seiner Karriere. In Österreich wird der Skispringer gefeiert wie ein Pop-Star. Doch dieser Hype macht ihn stutzig.

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© WITTERS Vergrößern „Ich muss versuchen, bei mir zu bleiben“: Gregor Schlierenzauer

Es war nur eine flüchtige Begegnung. Aber eine, die zumindest bei einem der beiden Beteiligten bleibenden Eindruck hinterlassen hat: Gregor Schlierenzauer traf am Flughafen von Helsinki auf Matti Nykänen. Der junge Österreicher erkannte den ehemaligen Sportstar sofort, doch seine Bemühungen, vom Finnen ein Autogramm zu erhalten, gestalteten sich schwierig. Nykänen war, wie sich Schlierenzauer erinnert, schon am Vormittag „ziemlich rauschig“.

Er konnte sich nur mit Mühe auf den Beinen halten, geschweige denn mit ruhiger Hand seinen Namen zu Papier bringen. Nykänen, der bald fünfzig wird, ist bis heute der erfolgreichste Skispringer der Welt. Seine 46 Triumphe im Weltcup sind noch immer der Maßstab seiner Nachfolger. Schlierenzauer ist ihm so dicht wie niemand zuvor auf den Fersen.

Für Nykänen, der nach seiner Laufbahn die Kontrolle über sein Leben verlor, dem Alkohol und Drogen verfiel, kann Schlierenzauer keine Bewunderung aufbringen: „Er ist auf dem Papier der mit den meisten Siegen in unserem Sport“, sagt der Tiroler, „doch er macht auch so viele Negativschlagzeilen. Darum wär’s gescheit, wenn einmal ein anderer kommt, der in der Öffentlichkeit mit dem Rekord in Verbindung gebracht wird.“ Die Chancen, dass er es schon bald und für vermutlich lange Zeit sein wird, stehen bestens.

An diesem Sonntag (16.30 Uhr / Live im Vierschanzentournee-Ticker bei FAZ.NET), beim Finale in Bischofshofen, winkt dem 22-Jährigen als Titelverteidiger das 45. Meisterstück seiner Karriere. „Es ist ein Event mit großer Tradition, da ist sehr viel Aufmerksamkeit darauf gerichtet, und es herrscht eine geile Stimmung. Es zeigt, dass man ein Guter ist, wenn man die Tournee gewinnt“, sagt der Führende der Gesamtwertung, der sich mit dem Norweger Anders Jacobsen ein packendes Duell liefert.

Schlierenzauer ist in seinem Metier eine Ausnahmeerscheinung. So wie Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel, Fußballgenie Lionel Messi oder Basketballprofi Dirk Nowitzki. „Sein Talent ist ein Geschenk. Er hat schon so viel erreicht - und das war trotzdem erst der Anfang“, sagt Alexander Pointner, der Cheftrainer der österreichischen Springer. Keiner in seinem bestens besetzten Kader arbeitet härter an sich als Schlierenzauer, der mit langen Oberschenkeln und seinem schmalen, aber drahtigen Oberkörper über beste Hebel verfügt.

Der Stubaitaler mit dem Flaum am Kinn und den buschigen braunen Haaren ist morgens der erste Athlet am Materialwagen und fachsimpelt mit den Technikern über die richtige Wachsmischung und legt oft nach dem Training noch alleine eine Zusatzschicht im Kraftraum ein. Vieles, was bei ihm in der kurzen Phase der Schwerelosigkeit nach dem Absprung so leicht ausschaut, ist Resultat seines beharrlichen Arbeitseifers, auch im Sommer.

Durch seine Rekorde hat er schon jetzt, während manche Altersgenossen gerade nach der Ausbildung das erste Gehalt bekommen, ausgesorgt. Alleine das Preisgeld, das ihm der Internationale Skiverband zahlte, beläuft sich auf mehr als eine Million Euro; hinzu kommt ein Sponsoringvertrag mit dem Brausehersteller Red Bull. Gemanagt wird Schlierenzauer, der als Hobbyfotograf gerade seine erste Vernissage „Stille Momente“ in Wien eröffnete, von seinem Onkel Markus Prock, dem ehemaligen Weltklasse-Rodler.

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06.01.2013, 13:33 Uhr

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