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Garmisch-Partenkirchen Uhrmann vergibt im Übereifer auch die zweite Chance

Die deutschen Skispringer konnten auch beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen keinen Podestplatz erkämpfen. Der Tscheche Jakub Janda siegte vor Janne Ahonen aus Finnland, der die Gesamtwertung der Vierschanzentournee anführt.

© REUTERS Anfahrt zum Siegsprung: Jakub Janda

Die deutschen Skispringer dürfen bei der Vierschanzentournee schon lange nicht mehr an den großen Erfolgen von Martin Schmitt und Sven Hannawald gemessen werden. Wohl aber an den Ergebnissen der vergangenen beiden Jahre und an den ersten Weltcupspringen in diesem Winter. Deshalb wäre eine Plazierung auf dem Podium beim zweiten Springen am Neujahrstag in Garmisch-Partenkirchen keine überzogene Erwartung gewesen. Schließlich hatte Georg Späth auf der Olympiaschanze in den vergangenen beiden Jahren jeweils den dritten Rang erreicht und Michael Uhrmann vor dem Tournee-Start mit vier Plazierungen unter den besten Drei überzeugt. Herausgekommen ist wie in Oberstdorf zum Auftakt drei Tage zuvor ein siebter und neunter Rang, dieses Mal hatte sich Uhrmann als bester Deutscher zwei Plätze vor Späth eingereiht.

Der Niederbayer vergab wie in Oberstdorf mit seinem zweiten Sprung eine bessere Plazierung. „Ich wollte unbedingt aufs Podest und habe unheimlich viel Risiko reingelegt, das war ein bißchen zu viel des Guten.“ Uhrmann hatte 18,1 Punkte Rückstand auf den Tagesbesten, Jakub Janda. Der Tscheche, der in Garmisch-Partenkirchen seinen fünften Saisonsieg feierte, gewann mit 264,7 Punkten vor dem Finnen Janne Ahonen (262,2 und dessen Teamkollegen Matti Hautamäkki (260,3). Ahonen behauptete mit seinem zweiten Platz die Gesamtführung in der Tournee-Wertung mit 5,8 Punkten Vorsprung vor Janda. Uhrmann liegt auf Rang sechs und Späth auf dem neunten Platz.

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Drastischer Zuschauerrückgang

Der deutsche Cheftrainer Peter Rohwein gibt sich trotz der abermaligen Enttäuschung kämpferisch vor dem dritten Springen am Mittwoch in Innsbruck. „Wir sind dran, und sind doch nicht dran“, findet er und rügte gleichzeitig seinen übereifrigen Vorspringer Uhrmann: „Der unbedingte Wille nach vorne zu springen, ist das eine, aber man darf dabei die Technik nicht außer Acht lassen. Wie schon in Oberstdorf lobte Rohwein das gute Mannschaftsresultat, das Alexander Herr (Rohrhardsberg) als 15. und Michael Neumayer (Berchtesgaden) als 17. komplettierten. „So gut ist keine andere Nation.“

Janda (r.) und Ahonen © AP Vergrößern Janda (r.) und Ahonen kämpfen um den Gesamtsieg bei der Tournee

Allerdings scheren sich die Fans vermutlich herzlich wenig um eine geschlossenes Teamleistung, sie interessieren allein Erfolge und die gab es bei der Tournee zuletzt vor vier Jahren. Die Konsequenz des deutschen Abschwungs hat sich mit Verzögerung bemerkbar gemacht: Schon in Oberstdorf war die Arena nicht ausverkauft gewesen, aber der Zuschauerrückgang war dort längst nicht so drastisch wie in Garmisch-Partenkirchen. Statt wie bisher 25.000 nannten die Veranstalter 16.000 als offizielle Zuschauerzahl. Früher trat einmal zwischen den beiden Durchgängen die renommierte Band Bro'Sis auf, dieses Mal reichte es nur noch zum Tölzer Knabenchor, der die „Petersburger Schlittenfahrt“ anstimmte. Die Stimmung im Stadion paßte zum tristen Wetter an diesem Neujahrstag.

Die „Leichtigkeit“ fehlt

Michael Uhrmann war nach der Qualifikation guter Dinge gewesen. Er hatte den Ski gewechselt, weil er beim Training hinterhergesprungen war. Die Bretter, mit denen er schon am Saisonanfang bei wärmeren Temperaturen gut zurecht gekommen war, gaben ihm Selbstvertrauen für den Wettkampf einen Tag später. „Das Problem ist aber, daß ich für diese Bedingungen nur ein Paar Ski habe.“ Der Wechsel hat sich zumindest im ersten Durchgang ausgezahlt. Da gelang ihm mit 122 Metern sein bisher bester Sprung in diesen Tagen in Garmisch-Partenkirchen. Er landete damit auf dem sechsten Rang und war in guter Gesellschaft.

Jakub Janda war schon da eine Klasse für sich, mit 125 Metern gelang der weiteste Satz des Tages. Aber zwischen dem zweitplazierten Hautamäkki und Uhrmann lagen nur 3,4 Punkte. Der Sieger von Oberstdorf, Ahonen, war einen halben Meter weiter gesprungen, hatte aber bessere Haltungsnoten bekommen. „Das war mein bester Sprung hier. Ich habe bewiesen, daß ich kämpfen kann“, sagte Uhrmann, gab aber zu: „Es fehlt mir vielleicht noch ein bißchen die Leichtigkeit, die ich vor der Tournee hatte.“ Das Podest war in greifbarer Nähe und Uhrmann wollte wie schon in Oberstdorf zu viel. Im Finale kam er gerade auf 117,5 Meter und fiel einen Rang zurück. Dafür hat sich Georg Späth gesteigert, um zwei Meter und drei Plätze. Die Wiederholung seiner Vorjahresresultate hatte er aber schon im ersten Durchgang vergeben, mit nur 117 Meter war der Rückstand des Oberstdorfers auf die Besten zu groß, um noch auf das Podium zu springen.

Quelle: F.A.Z. vom 2. Januar 2006

 
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